Fördermittel stärker an Leistungen geknüpft

Erstellt am 13. Februar 2022 | 06:35
Lesezeit: 4 Min
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Bezirksbauernbundobmann Anton Kasser ist mit dem Verhandlungsergebnis zur neuen GAP-Periode von 2023 bis 2027 grundsätzlich zufrieden. Befürchtete Kürzungen sind ausgeblieben.
Foto: Knapp
Mit 1. Jänner 2023 tritt die neue GAP in Kraft und bringt für die Landwirte Mehraufwand, aber auch Vereinfachungen.
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Die 27 Mitgliedsstaaten der EU haben sich nach zähen Verhandlungen auf die neue GAP (Gemeinsame Agrarpolitik) geeinigt. Sie wird mit 2023 in Kraft treten und legt bis 2027 die Verteilung der Gelder fest.

„Am Ende des Tages ist so ein Verhandlungsergebnis natürlich immer ein Kompromiss, aber für Österreich ist es eigentlich ganz gut gelaufen. Da muss man vor jenen, die verhandelt haben, den Hut ziehen. Wir hatten befürchtet, dass wir über den ganzen Förderzeitraum gerechnet 800 Millionen Euro weniger bekommen, tatsächlich bekommen wir nun für die Bäuerinnen und Bauern 73 Millionen Euro pro Jahr mehr als in der Vorperiode“, sagt Bezirksbauernbundobmann Anton Kasser. Von den Bauern erwartet er sich ob dieses Ergebnisses dennoch keine Beifallsstürme. „Denn für sie ist es natürlich schwer verständlich, warum es schon ein Erfolg ist, wenn ihr Geld nicht weniger wird, während Arbeiter im Vergleich zum Beispiel eine Lohnerhöhung von drei Prozent bekommen. Aber die GAP ist das einzige Feld, das europäisch geregelt ist und da spielen die Steuerpolitik, die Marktpolitik und die Freihandelspolitik hinein. Das macht das Ganze so schwierig.“

Im Dezember hat Österreich den rot-weiß-roten Strategieplan zur „Gemeinsamen Agrarpolitik“ nach Brüssel geschickt, in dem die Verteilung der Gelder im Inland festgeschrieben ist. „Wir erwarten uns im März die Rückmeldung, die aber eigentlich nur noch leichte Adaptierungen bringen sollte“, sagt Kasser.

Drei-Säulen-Modell bleibt erhalten

Auch künftig wird es in Österreich das bekannte Drei-Säulen-Modell von Direktzahlungen, Umweltprogramm ÖPUL und Ausgleichszahlungen geben. „An der Systematik hat sich nichts geändert, aber der Trend in Europa geht dahin, dass Fördermittel mehr an Umweltleistungen geknüpft werden. Das schlägt sich auch im neuen Programm nieder“, erklärt der Bauernbundobmann.

Für die Bauern im Bezirk heißt das konkret: Die Direktzahlungen gab es bislang pro Hektar im Ausmaß von 290 Euro. Künftig werden es zwischen 208 und 254 Euro sein – wobei in Summe größere Betriebe insgesamt weniger, kleinere mehr bekommen.

Rund 15 Prozent der bisherigen Direktzahlungen wurden in Österreich zum ÖPUL-Programm verschoben, das von 445 Millionen auf 574 Millionen aufgestockt wird. „Was ein Betrieb an Direktförderung verliert, kann er sich in der zweiten Säule wieder holen, allerdings ist das nun an Maßnahmen gebunden, die vom Bereich Tierwohl über die Förderung der Biodiversität bis hin zum Erosionsschutz reichen. Wer sich mit ÖPUL beschäftigt, sollte auf jeden Fall wieder auf das Fördervolumen kommen, das er bisher hatte“, ist Kasser überzeugt.

Ein Punkt, den der Bezirksbauernbundobmann besonders positiv hervorhebt, ist die Jungübernehmerförderung. Sie beträgt 66 Euro pro Hektar für eine Dauer von maximal fünf Jahren – und endet spätestens mit dem 40. Lebensjahr.

Nichts geändert hat sich mit der neuen GAP bei den Ausgleichszahlungen für Betriebe in benachteiligten Gebieten – im Bezirk also etwa im Ybbstal oder auch im Raum Neustadtl.

Investitionsförderung: Antrag vereinfacht

Was den Bauern auch in den nächsten Jahren sauer aufstoßen wird, ist die verpflichtende Mindestbrachefläche im Ackerbau im Ausmaß von 15 Ar ab einer Feldstückgröße von fünf Hektar. „Das ist für uns deshalb unlogisch, weil wir in der Eigenversorgung ohnehin nicht in allen Bereichen top sind und trotzdem Fläche nicht nutzen dürfen. Das tut den Bauern natürlich im Herzen weh. Aber auch da geht es um einen europäischen Kompromiss“, sagt der Bezirksbauernbundobmann. Gute Nachrichten hat er in Sachen Investitionsförderung. Diese ist ähnlich dotiert wie in der Vorperiode, allerdings war da die Antragstellung sehr kompliziert und das führte dazu, dass Bauern oft nicht zu ihrem Geld kamen. Das Verfahren wurde jetzt aber deutlich vereinfacht“, betont Kasser.

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