Familienfasttag: „Teilen spendet Zukunft“. Seit 18 Jahren leitet Anna Raab den Arbeitskreis für den Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Diözese St. Pölten. An die 100 Pfarren nehmen jährlich teil.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 16. Februar 2018 (05:54)
Doris Schleifer-Höderl
Anna Raab leitet den Arbeitskreis Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Diözese St. Pölten. „Mit einem Teller Suppe kann man viel bewirken und die Welt „fairändern“.

„Ich bin alles andere als ein Suppenkaspar“, berichtete Anna Raab lachend. „Das wäre für meine Tätigkeit ja auch kontraproduktiv!“ Seit 1994 arbeitet die Euratsfelderin im Arbeitskreis für den Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Diözese St. Pölten mit, seit 18 Jahren ist sie dessen Leiterin.

Zum Familienfasttag am Freitag vor dem zweiten Fastensonntag lädt die Katholische Frauenbewegung bereits seit 1958 ein. „Fasten ist weniger eine Frage der religiösen Vorschriften als der Freiheit und Verantwortung. Es bedeutet einen Verzicht, zu dem wir uns überwinden müssen. Das kann zur kritischen Prüfung der eigenen Bedürfnisse anregen und den Blick für die Bedürfnisse anderer öffnen. So führt Fasten zum wirklichen Teilen, denn wir geben vom Eigenen ab, damit andere über mehr Mittel zum Leben verfügen.“

Gesammelt wird etwa beim Suppenessen

Darum sammeln die kfb-Frauen unter dem Slogan „teilen spendet zukunft“ – nähere Informationen unter www.teilen.at/spenden bzw. www.dsp.at – in den Pfarren und bei Suppenessen während der Fastenzeit für benachteiligte Frauen in Asien, Lateinamerika und Afrika. „Die Aktion Familienfasttag fördert rund 100 Frauen-Projekte. Frauen erfahren, dass sie Rechte haben. Rechte auf Bildung, Gesundheit, auf ein Leben ohne Gewalt, auf faire Arbeitsbedingungen sowie politische und ökonomische Teilhabe.“

Auch heuer wird daher wieder in vielen Pfarren zum Fastensuppenessen geladen, und gegen eine Spende von der Nudelsuppe über die Kürbiscremesuppe bis hin zur Krautsuppe und Erdäpfel-Lauch-Suppe alles gereicht.

Anna Raab (60) selbst kocht und isst am liebsten asiatisch gewürzte Gemüsesuppen, die ab und an auch mit Nudeln oder Linsen angereichert werden. „Aber ehrlich gesagt, ich komme an keiner Suppe vorbei! Dass ist wirklich mein Lieblingsgericht, da kann ich nie genug davon bekommen.“

Heuer fungiert übrigens Sonja Planitzer, Chefredakteurin und Geschäftsführerin der Zeitung „Kirche bunt“ als Suppenrezeptspenderin mit ihrer Krensuppe.

Projekte in Kolumbien werden unterstützt

Für die Aktion Familienfasttag 2018 unter dem Thema „Friedensaktiv – Frauen für eine gerechte Welt“ wurden zwei Frauenprojekte in Kolumbien ausgewählt. „Nach Jahrzehnten kriegerischer Auseinandersetzungen in Kolumbien ist seit Herbst 2016 ein Friedensvertrag wirksam“, so Anna Raab.

„Doch das Land ist nach wie vor von Gewalt geprägt. Frauen und Mädchen erleben auch Gewalt in den Familien, ein Nährboden dafür sind der weit verbreitete Machismus sowie die allgemeine Geringschätzung und Abwertung von Frauen in der Öffentlichkeit. Die Partnerorganisationen setzen sich für eine Veränderung des gesellschaftlichen Bildes von Frauen ein, für eine Stärkung des Selbstwertgefühls und der Selbstorganisation von Frauen. Damit bringen sie eine weibliche Perspektive in den aktuellen Friedensprozess ein, denn: Ohne Frauenrechte gibt es auch keinen Frieden.“

„Weiterer Schritt in die Unabhängigkeit“

Anna Raab, die gemeinsam mit ihrem Mann in den Jahren 1987 bis 1993 in Mexiko Entwicklungsarbeit leistete, weiß, wie wichtig es ist, global zu denken. „Teilen spendet Zukunft! Es ist einfach essenziell, dass wir Frauen direkt in ihren Ländern unterstützen. Dort haben sie dann auch die Möglichkeit Veränderungen herbeizuführen. Der Teller Suppe am zweiten Fastensonntag scheint für uns eine Kleinigkeit zu sein. Für die Frauen in Kolumbien bedeutet er einen weiteren Schritt in die Unabhängigkeit.“