Eierwirtschaft: „Es fehlen die Abnehmer“. Der Umsatz ging wegen fehlender Gastronomie und Hotellerie zurück. Der Trend zu mehr Regionalität wirkt sich aber auch positiv für Eierproduzenten aus.

Von Peter Führer und Heribert Hudler. Erstellt am 07. April 2021 (04:04)

Ostern soll so zusagen der Valentinstag der Eierproduzenten sein: Zwischen 75 und 80 Millionen Eier werden normalerweise in Österreich dieser Tage gefärbt und an den Mann und die Frau gebracht. Jeder Österreicher verzehrt zu Ostern im Schnitt zehn Eier. Doch für die Eierbranche war Ostern heuer nicht wirklich Anlass für Feierstimmung.

„Beim Frisch, Oster- und Flüssigei fehlen die Abnehmer in der Gastronomie und Hotellerie“, berichtet Franz Kirchweger, Eierproduzent aus Aschbach. Der Umsatz sei dadurch gewaltig eingebrochen. „Haben wir in Österreich vor Corona rund 70 Millionen Ostereier verkauft, so waren es im Jahr 2020 nur mehr 40 Millionen und wir rechnen mit dem selben Umsatz auch heuer“, sagt Kirchweger.

Er beliefert neben dem Handel auch noch Wirte in der Region wie etwa das Landgasthaus Berndl in Krenstetten. Aber auch im Landesklinikum Amstetten bekommen die Patienten Ostereier vom Betrieb Kirchweger serviert. Der Aschbacher ist seines Zeichens zudem Obmann der österreichischen Frischeier-Erzeugergemeinschaft.

Selbstversorgungsrate stieg deutlich an

Insgesamt gibt es in Österreich rund 2.000 Eierproduzenten mit rund sechs Millionen Legehennen. Die Selbstversorgungsrate ist in den letzten Jahren im Land wieder deutlich gestiegen und liegt inzwischen bei über 90 Prozent. Und das, obwohl die heimischen Produzenten gegen starke ausländische Konkurrenz antreten müssen, die bei der Produktion kostentechnisch eindeutig Vorteile hat.

„Denn bei uns ist die Käfighaltung seit 2009 verboten und mit 1. Jänner 2020 sind auch ausgestaltete Käfige endgültig untersagt. Für die EU gilt das nicht und außerhalb der EU ist sogar noch der konventionelle Käfig in Verwendung“, berichet Kirchweger. Dadurch komme es zu einer Wettbewerbsverzerrung. „Konsequent wäre natürlich gewesen, mit dem Käfigverbot in Österreich auch die Einfuhr von Käfigeiern zu verbieten. Das ist aber bis jetzt leider nicht geschehen“, sagt der Frischeierproduzent.

Kirchweger berichtet, dass vor allem auf Wiener Märkten nach wie vor auch ausländische Frischeier verkauft würden. Überhaupt nicht feststellen lasse sich – auch im Handel –, woher die Eier kommen, die in Fertigprodukten wie Nudeln, Kuchen und Halbfertiggerichten verarbeitet wurden.

„Gerade deshalb fordern wir ja schon seit Jahren eine Herkunftskennzeichnung sowohl beim Frischei als auch bei anderen Produkten. In der Gastronomie ist das gerade bei uns am Land schon vielfach gang und gäbe, aber in der Systemgastronomie, also bei Fastfood-Ketten und auch zum Beispiel auf Skihütten überhaupt nicht. Wenn der Wirt da schreiben müsste, dass es heute Kaiserschmarren aus ukrainischen Käfigeiern oder Flüssigei aus Uruguay gibt, dann würden sich viele Gäste wohl nicht dafür entscheiden“, vermutet Kirchweger.

Kennzeichnungspflicht als Überlebensfrage

Auch Bezirksbauernkammerobmann Josef Aigner sieht das genauso. „Die Kennzeichnungspflicht ist einfach eine Überlebensfrage für unsere Bauern. Das betrifft nicht nur die Eiererzeuger, sondern auch alle anderen Sparten“, sagt Aigner und verweist darauf, dass Niederösterreich anderen Ländern und auch dem Bund einen Schritt voraus ist. „Denn bei uns gibt es in Großküchen schon die Kennzeichnungspflicht. Immerhin ist aber im Regierungsübereinkommen vorgesehen, dass sie bundesweit eingeführt werden soll.

„Die Erfahrung der Gastronomen, die es schon tun, zeigt, dass die Kunden es goutieren“, sagt Kirchweger, der auch hofft, dass die Pandemie bald zurückgeht und die Gastronomie wieder öffnen kann. Die selben Worte wie Kirchweger kommen auch von Elisabeth Freudenschuß, die mit ihrem Mann Martin einen Legehennenbetrieb in Zeillern führt. Neben Frischeiern produzieren die beiden auch Eierteigwaren und Eierlikör. „Wir haben uns ein Lasergraviergerät angeschafft, um den Kunden Ostereier mit individueller Gravur anbieten zu können“, sagt Freudenschuß.

Trotz der vielen Herausforderungen für die Eierwirtschaft gibt es aber auch positive Trends. So zieht der Familienbetrieb Offenberger von „Offis Eier“ in Euratsfeld eine positive Bilanz. Die Geschäfte des Betriebes mit mittlerweile 6.800 Legehühnern in Freilandhaltung und Bodenhaltung führt Sohn Patrick mit Mutter Helga und Schwester Julia. „Wir sind mit dem Ostergeschäft sehr zufrieden. Durch Corona kaufen die Leute bewusster ein und schauen mehr auf Regionalität. Der Kunde kennt die Familie, sieht die Hühner und es gibt ein freundschaftliches Verhältnis mit den Kunden“, erklären Helga und Patrick Offenberger.

Ab Hof werden die meisten Eier aus Freilandhaltung verkauft. „Offis Eier“ beliefert zudem regionale Märkte wie Spar Euratsfeld, Roseneder (Ferschnitz) oder Reschauer (Ferschnitz/St. Georgen) sowie diverse Gasthäuser und die Bauernbox Gafring.