Feuerwehr am Pranger

Erstellt am 29. Jänner 2013 | 00:00
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Foto: NOEN
Große Aufregung / Anonymer Anzeiger wirft Florianijüngern Verstoß gegen die Gewerbe ordnung vor. Bezirkshauptmannschaft prüft den Fall und auch die Finanz ist dran.
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Von Hermann Knapp

ST. GEORGEN AM YBBSFELDE / Das war ein „Geschenk“, das man braucht wie einen Kropf: Just zu Weihnachten flatterte der Freiwilligen Feuerwehr St. Georgen ein Schreiben der Bezirkshauptmannschaft ins Haus. Darin wurde Kommandant Gerhard Fink und seinen Mannen mitgeteilt, dass bei der Behörde eine anonyme Anzeige eingegangen sei, die die Wehr des Verstoßes gegen die Gewerbeordnung bezichtige.

„Jede Feuerwehr darf an vier Tagen im Jahr Veranstaltungen abhalten und dabei an drei Tagen ausschenken. Es wird uns vorgeworfen, diese Regelung nicht eingehalten zu haben“, berichtet der Kommandant.

Der unbekannte Anzeiger listete in seinem Schreiben auch genau die Veranstaltungen der Feuerwehr im Jahr 2012 auf:
Den Ball im Pfarrhof am 5.1. 2012, bei dem die Wehr selbst ausgeschenkt hat, die Bezirksleistungsfeuerwehrbewerbe am 23. Juni 2012, das Dreitagesfest der Feuerwehr vom 31.8. bis zum 2.9.2012 und schließlich den Weihnachtsmarkt am 2.12.2012.

Die Behörde forderte in ihrem Schreiben eine Stellungnahme der Wehr zu diesen Vorwürfen.

Die Aufregung bei den St. Georgner Florianijüngern ist ob der anonymen Anzeige natürlich groß. „Denn schließlich tun wir das ja alles, um unsere Aufgaben für die Öffentlichkeit erfüllen zu können. Das Geld, das wir einnehmen, behalten wir ja nicht, sondern stecken es in unsere Ausrüstung“, sagt Fink. Die Motivation seiner Männer sei derzeit jedenfalls im Keller.

Fink hat der Behörde bereits geantwortet: Den Vorwurf bezüglich Bezirksfeuerwehrleistungsbewerb glaubt der Kommandant, entkräften zu können. „Das war eine Veranstaltung des Bezirks und ausgeschenkt wurde von uns da nur zur Abdeckung der anfallenden Kosten - Vorbereitungsarbeiten, diverse Ansuchen und Verköstigung des Betreuerstabes“, erklärt der Kommandant.

Legal dürfte auch der Stand am Weihnachtsmarkt gewesen sein, denn der Erlös wurde einer Familie für die Betreuung ihrer schwerst behinderten Tochter übergeben.

Feuerwehrball 2012 könnte Problem sein 

Bleibt noch der Feuerwehrball - und da wird die Sache schwierig. „Eigentlich wollten wir diesen 2012 wie die Jahre zuvor auch in einem Gasthaus machen. Der Wirt hat dann aber abgesagt. Die Zeit war zu knapp um ein anderes gewerberechtlich konzessioniertes Unternehmen zu finden, deshalb fand der Ball im Pfarrsaal statt und wir haben selbst ausgeschenkt“, erklärt Fink. Es war ein einmaliger „Ausrutscher“. Heuer hat die Feuerwehr für die Versorgung der Ballgäste den Ybbstalerhof gewinnen können.

Vermutlich wird die Behörde in der Causa noch diese Woche eine Entscheidung treffen. Der Feuerwehr könnte eine Verwaltungsstrafe blühen.

Andere Wehren im Bezirk werden den Ausgang des Verfahrens bestimmt mit Argusaugen beobachten. Denn der anonyme Anzeiger könnte eine Lawine losgetreten haben, die auf das ganze Land übergreift, weil diese Anzeige auch an die Finanzbehörde ging. Es ist nicht auszuschließen, dass diese nun aus aktuellem Anlass zu einer großflächigen Kontrolle der Feuerwehren ansetzt. Gerhard Fink ist jedenfalls davon überzeugt, dass die Veranstaltungen ein heißes Thema beim nächsten Bezirksfeuerwehrtag sein werden.

Die St. Georgner Florianijünger stehen schon heuer wieder vor einem Dilemma. Denn im Mai soll das neue Löschfahrzeug gesegnet werden - mit anschließendem Frühschoppen. Da die Wehr aber auch heuer ihr Dreitagesfest abhält, würde sie durch einen Ausschank bei der Segnung schon wieder gegen die Gewerbeordnung verstoßen. „Wie wir das Problem lösen, weiß ich nicht. Eine Segnung ohne Frühschoppen kann ich mir auch nicht gut vorstellen“, sagt Fink.

Bezirkskommandant Armin Blutsch will abwarten, was die Behörde entscheidet. Schlimmstenfalls muss die Wehr eben Steuer nachzahlen. „Klar ist: Wenn man bei einer Veranstaltung gegen Entgelt ausschenkt, gilt das als Festtag.“ Schade findet es Blutsch, dass der Anzeiger nicht den Mut hatte, seine Identität zu offenbaren.

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