Koch Oliver kommt per pedes in die Arbeit

Bei Oliver Gilits kommt das Auto nur minimal zum Einsatz, denn der Koch legt seinen Weg zur Arbeit von Stift Ardagger nach Zeillern vorwiegend zu Fuß zurück.

Erstellt am 06. April 2018 | 06:02
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Im Vorjahr hat Oliver an die 1.000 Kilometer zurückgelegt, denn eine Strecke von Stift Ardagger nach Zeillern hat rund sechs Kilometer.
Foto: Josef Gilits

„Begonnen habe ich mit dem zu Fuß zur Arbeit gehen vor sechs Jahren“, berichtet Oliver Gilits. „Vor Kurzem bin ich nach Blindenmarkt gezogen und nun fahre ich mit dem Auto bis zu meinem Elternhaus in Stift Ardagger und gehe dann in gewohnter Weise los zum Schloss Hotel Zeillern.“ Dort absolvierte der heute 26-Jährige auch seine Kochlehre und blieb im Betrieb.

Das Gehen ist dem sympathischen Mostviertler schon immer wichtig gewesen. „Für was haben wir zwei Füße, wenn wir sie so wenig zum Gehen nutzen“, habe ich mich gefragt und begann zum Ausgleich 2012 damit, von Stift Ardagger über Stephanhart nach Zeillern zu marschieren.“

„Für was haben wir zwei Füße, wenn wir sie so wenig zum Gehen nutzen“Oliver Gilits legt seit sechs Jahren seinen Arbeitsweg vorwiegend zu Fuß zurück

Mittlerweile ist Oliver dafür bekannt und nicht selten wird er freundlich angehupt oder angeblinkt, wenn er neben der Straße mit seinem Rucksack, der mit Reflektoren ausgestattet ist, seines Weges geht. „Die Leute winken mir dann immer zu und das freut mich. Ab und an bleibt ein Auto auch stehen und ich werde gefragt, ob ich nicht mitfahren will. Aber da lehne ich dann dankend ab, weil das ja mein Fitnessprogramm ist.“ Im vergangenen Jahr hat Oliver so an die 1.000 Kilometer zurückgelegt, denn eine Strecke von Stift Ardagger nach Zeillern hat rund sechs Kilometer. Dafür benötigt er zirka eine Stunde.

Nur wenn Oliver ab 7 Uhr Frühdienst hat, verzichtet er auf den Fußmarsch. „Aber wenn ich Zwischen- oder Spätdienst habe, ziehe ich meine Wanderschuhe an und es kann los gehen.“ Ach ja, der MP3-Player und die Kopfhörer müssen auch mit, denn Oliver, der seit der vierten Hauptschulklasse Schlagzeug spielt, mag Musik als Wegbegleiter. „Am liebsten höre ich Heavy Metall oder Hip Hop. Dementsprechend dynamisch geht’s dann auch los“, meint der Bewegungsjunkie lachend.

Nur beim Frühdienst geht er nicht zu Fuß

Auch dass es abends am Heimweg schon dunkel ist, stört Oliver kein bisschen. „Logo, dass ich da mehr aufpassen muss, aber mit meinen Reflektoren bin ich gut erkennbar.“ Im Grunde, so seine Einstellung, gibt es kein schlechtes Wetter zum Gehen, sondern nur falsche Kleidung – eine Erkenntnis, zu der aber auch Oliver erst gelangen musste.

„Anfangs bin ich mit Turnschuhen marschiert und hatte öfter gewaltige Blasen. Seit ich mir Wanderschuhe zulegte, gibt’s da kein Problem mehr.“ Und auch der Rucksack ist mit Dingen bestückt, die man durchaus bei so einem langen Gang benötigen kann. Regenschutz, Kappe und eine Flasche Wasser hat Oliver stets dabei.

„Ich tu mir viel Gutes, konditionell und mental“

Aber nicht nur den Weg von und zur Arbeit legt der Zu-Fuß-Fanatiker zurück, auch privat trifft man Oliver meist per pedes an. „Ich gehe gerne nach Neu-stadl. Für die 24-Kilometer-Runde brauch‘ ich an die fünf Stunden. Ich bin aber auch schon zwei Mal nach Linz gewandert. Das erste Mal vor sechs Jahren, da war ich elf Stunden unterwegs. Ein Jahr darauf brauchte ich für die Strecke nur noch neun Stunden. Heuer will ich wieder nach Linz. Aber mir ist egal, wie lange ich unterwegs bin. Mir geht’s ums Gehen selber!“

Dem 26-Jährigen ist auch völlig gleich, was die Leute über ihn denken. „Wahrscheinlich wird sich jetzt der eine oder andere denken, der Bursch spinnt ja. Aber was soll’s. Ich denke, ich tu‘ keinem weh damit und mir zudem viel Gutes – nämlich konditionell und mental.“