Erstellt am 06. Juli 2015, 08:50

von Hermann Knapp

Flüchtlinge: Keine Groß-Quartiere geplant. 404 Asylwerber leben derzeit im Bezirk, 146 in der Stadt Amstetten, ihre Zahl wird auch nicht rasch ansteigen.

Im Pfarrhof von St. Stephan gibt es seit fünf Wochen jeden Samstag Deutsch-Konversationskurse für Flüchtlinge (v.l.): Osama Aba Rshdan, Peter Bösendorfer, Mais Kasim, Masser Kasim, Rami Kasim, Rama Kasim, Christian Köstler, Ahmad Altaweel und Majd Altaweel. Foto: Wolfgang Kapf  |  NOEN, Wolfgang Kapf
„Nein, es ist nicht geplant, Flüchtlinge in der Mehrzweckhalle einzuquartieren!“ Immer wieder muss sich Bürgermeisterin Ursula Puch ebner mit unsinnigen Befürchtungen und Aussagen bezüglich Asylwerbern auseinandersetzen.

Darum hält sie ein für alle Mal fest: „Von einer größeren Flüchtlingsunterkunft in Amstetten ist derzeit nicht die Rede. Das würde und könnte das Land auch nicht ohne Rücksprache mit der Stadt machen!“



Dies bestätigt man auch bei der Flüchtlingshilfe des Landes. „Weder in der Stadt noch im Bezirk Amstetten sind derzeit größere Quartiere für Asylwerber angedacht.“ Wenn in der Stadt Amstetten zusätzliche Flüchtlinge untergebracht würden, dann derzeit nur in privaten Unterkünften – und dabei handle es sich dann meist um Familien. „Also Asyl in der sozial eigentlich verträglichsten Form“, betont man bei der Flüchtlingshilfe.

Im Bezirk sind derzeit 404 Flüchtlinge untergebracht, das sind etwa 0,35 Prozent der Gesamtbevölkerung. In der Stadt Amstetten leben 146 Asylwerber, was einer Quote von etwa 0,33 Prozent aller Einwohner entspricht.

Puchebner bedauert die Hetzkampagnen, die in Bezug auf die Flüchtlinge derzeit immer wieder laufen würden. „Wir dürfen doch nicht vergessen, dass diese Leute alles, was sie besaßen, verloren haben und Traumatisches erlebt haben – oft den gewaltsamen Tod von nahen Verwandten.“

Menschlichkeit gefragt: „Da werden Ängste hochprojiziert“

Menschlichkeit sei gefragt, wie sie gerade in Amstetten die Aktion „Willkommen Mensch“ vorlebe. Sie unterstützt zurzeit 25 Familien, vorwiegend aus Syrien. „Wir helfen bei der Organisation von Unterkünften, bieten Deutschkurse an und vermitteln Patenschaften. Gesucht werden noch Paten, die Flüchtlinge bei der Bewältigung von Dingen des täglichen Lebens unterstützen wollen“, erklärt Christian Köstler.

Für den Obmann des VP-Gemeindevertreterverbandes, Ardaggers Bürgermeister Johannes Pressl, ist es wichtig, offensiv aber zugleich sachlich mit dem Thema umzugehen. „Da werden Ängste hochprojiziert und viele Entscheidungsträger trauen sich gar nichts mehr dazu sagen. Aber das ist die falsche Strategie. Wir haben die Leute da, und wenn wir uns die Entwicklung in den kriegeführenden Ländern anschauen, wird die Flüchtlingswelle auch nicht so schnell abreißen.“

Hasspostings könne man nur mit Fakten begegnen, betont Pressl. Er sei auch für kontrollierten Zuzug, tatsächlich gäbe es aber noch in vielen Gemeinden des Bezirks gar keine Flüchtlinge und mit dem Land sei ja vereinbart, dass maximal zwei Asylwerber auf hundert Einwohner kommen dürften. „Davon sind wir derzeit weit entfernt!“

Im Umgang mit den Flüchtlingen sei wichtig, Deutschkurse zu organisieren, damit sie möglichst schnell die Sprache erlernen könnten und man müsse sie in den Arbeitsprozess zu integrieren. „Es wird oft behauptet, dass Flüchtlinge unser Sozialsystem belasten und uns Arbeit wegnehmen. Ich sehe das anders. Wenn sie arbeiten und Geld verdienen, zahlen sie ja auch ins Sozialsystem ein und als Konsumenten investieren sie Geld in die Wirtschaft. Das kann ja auch ein positiver Impuls sein.“