Zuhause in St. Peter

Erstellt am 16. März 2015 | 10:09
Lesezeit: 4 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
ams12stp_flüchtlinge1
Foto: NOEN, privat
Verein unterstützt Flüchtlingsfamilie aus Syrien, die mit Hilfe aus der Bevölkerung im Ort integriert werden soll.
Werbung
Sie wurden verfolgt und erhielten Mord- und Entführungsdrohungen, ihr Haus wurde zerbombt. Als letzter Ausweg blieb nur die Flucht – vorm Krieg, vor der Ungewissheit, vor der ungemeinen Brutalität und dem Leid, das derzeit überall in ihrer Heimat Syrien vorherrscht.

Ständige Angst, von Kindern getrennt zu werden

Sie verkauften ihren Besitz und borgten sich Geld. 25.000 Euro zahlte Hindrin Mousali an eine Schlepperbande, um sich und ihre vier Kinder zu retten. Es folgte ein nächtlicher Gewaltmarsch über die Grenze, dann ein Monat im Nichts, eingepfercht in einem Raum ohne Tageslicht. Verpflegung gab es nur einmal pro Woche.

Die Angst, von ihren Kindern getrennt zu werden, war Hindrins ständiger Begleiter. Schließlich der Befehl, in ein Auto zu steigen. Das Ziel: irgendwo in Europa. Die Familie wurde in Wien ausgesetzt, wollte nach Deutschland zu Verwandten weiterreisen. Am Bahnhof wurde die Polizei auf sie aufmerksam und brachte sie ins Flüchtlingsheim nach Traiskirchen.

Nach positivem Asylbescheid war das Gasthaus Harreither in St. Leonhard die nächste Station für Hindrin Mousali und ihre Kinder. „Und ab diesem Zeitpunkt waren wir immer wieder mit ihnen in Kontakt“, erzählt Ingrid Kaubeck, Gemeinderätin und Initiatorin des Sozialforums „LebensTraum“.

Räume mit Möbelspenden der Bevölkerung eingerichtet

Bereits im Oktober des Vorjahres hat der Gemeinderat von St. Peter einstimmig beschlossen, die Gemeindemietwohnung über dem Gesundheitszentrum für Kriegsflüchtlinge bereitzustellen. Gemeinsam mit „LebensTraum“, Caritas, Pfarre, der Wirtschaft und den Gemeindearbeitern wurden die Räume adaptiert und mit Möbelspenden aus der Bevölkerung eingerichtet.

Seit 1. März wohnt Familie Mousali in St. Peter und fühlt sich hier sehr wohl. Die beiden Töchter Sandra (15) und Bushra (14) besuchen als außerordentliche Schülerinnen die Neue Mittelschule in Waidhofen. Die Söhne Joan (10) und Scherko (8) gehen in die Volksschule St. Peter, die nur wenige Schritte von ihrem neuen Zuhause entfernt liegt.

Mama Hindrin nimmt an einem zertifizierten Deutschkurs in Seitenstetten teil. „In sechs Monaten kann ich Deutsch“, ist sie voller Eifer, denn dieser Kurs ist auch Voraussetzung für eine Arbeitserlaubnis.

Verein hilft Familie auch finanziell aus

Unterstützt wird die Familie vom neu gegründeten Verein „Zuhause in St. Peter“. Peter Haberfehlner ist einer von vielen ehrenamtlichen Helfern. „Vor allem bei den Behördengängen ist die Familie auf unsere Hilfe angewiesen“, sagt er.

Aber auch finanziell hilft der Verein aus. „Bis alle Anträge positiv beschieden sind, kann es dauern. Derzeit hat die Familie nur etwa 800 Euro Grundversorgung zur Verfügung. Davon muss sie auch Miete und Betriebskosten begleichen“, berichtet Ingrid Kaubeck, für die es selbstverständlich ist, dass die Gemeinde in überschaubarem Rahmen hilft

„Es ist wichtig, dass die Flüchtlinge mit Leuten aus dem Ort zusammenkommen. Integration gelingt, wenn ein Kreis da ist, der sich um sie annimmt“, ist Haberfehlner überzeugt. Natürlich gebe es auch kritische Stimmen und Unwahrheiten, die derzeit kursierten. Deshalb lädt der Verein „Zuhause in St. Peter“ alle Bürger in den Pfarrsaal ein, um die Familie kennenzulernen und Fragen zu stellen. Der Termin wird noch bekannt gegeben.

Hindrin Mousali und ihre Kinder hoffen jeden Tag, dass auch der Vater bald nach Österreich kommen darf. Traurig wird Hindrin, wenn sie an ihre Familie denkt, die in Syrien zurückbleiben musste. „Ich konnte mit meiner Mutter telefonieren. Sie hat gesagt, sie ist unendlich glücklich, dass sie mich und ihre Enkelkinder in Sicherheit weiß.“

Flüchtlingshilfe-Spendenkonto:

IBAN: AT60 4353 0428 0883 0006, BIC: VBOEATWWAMS

Werbung