Pressl: „Gemeinden sollen Sorgen äußern können“. Der Obmann des Gemeindevertreterverbandes hält eine Aufnahme von Flüchtlingen in allen Gemeinden für denkbar.

Von Daniela Führer. Erstellt am 29. September 2014 (10:30)
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GVV-Obmann, Bürgermeister Johannes Pressl sagt: „Wir werden uns nie gegen eine humanitäre Hilfestellung verwehren, aber mit den Gemeinden muss auch geredet werden.“
Durch die Krisen im Nahen Osten nimmt der Flüchtlingsstrom auch nach Österreich gegenwärtig stark zu. Alleine im August wurden 2.341 Asylanträge gestellt. Um 73,2 Prozent mehr als im selben Monat des Vorjahres. Die meisten Anträge (693) kamen von Menschen aus Syrien. 504 Personen aus Afghanistan suchten Hilfe.

Innenministerin: Pro 266 Einwohner ein Flüchtling

Der Umgang mit Asyl suchenden Flüchtlingen war daher in der Vorwoche wieder ein großes, innenpolitisches Thema. Von Ministerin Johanna Mikl-Leitner kam der Vorschlag, dabei auch alle Gemeinden in die Pflicht zu nehmen. Pro 266 Einwohner sollten Gemeinden einen Flüchtling aufnehmen. Das sei zu bewerkstelligen, meint die Innenministerin.

Laut Bürgermeister und Obmann des VP-Gemeindevertreterverbandes im Bezirk Amstetten, Johannes Pressl, werde man sich in extremen, humanitären Notlagen, wie sie derzeit mit zigtausenden Kriegsflüchtlingen herrschen, „nie gegen eine humanitäre Hilfestellung verwehren.“

Allerdings müsste auch mit den Gemeinden direkt gesprochen werden. „Die Gemeinden sollen auch ihre Sorgen äußern können. Es muss geklärt werden, dass nicht zu viele Flüchtlinge auf einmal in einzelnen Gemeinden untergebracht werden und man muss ihnen auch die Möglichkeit geben, zu arbeiten oder einer sonstigen sinnvollen Tagesbeschäftigung nachzugehen“, sagt Pressl. Es könne nicht sein, dass Asylwerber zum Nichtstun verdammt seien.

Familie Tazreiter in Opponitz mit positiven Erfahrungen

Zudem müsste man eine adäquate Betreuung sicherstellen. Vor allem die Sprachprobleme würden eine große Herausforderung darstellen. „Man sollte auch Partnerschaften, etwa mit der Kirche, finden“, sagt Pressl. Werden die grundsätzlichen Fragen geklärt, „dann finden wir auch einen Weg“, ist sich Pressl sicher. Zwei bis drei Flüchtlingsfamilien in jeder Gemeinde hält er für denkbar. „Es müssen aber natürlich immer ortsangepasste Lösungen gefunden werden.“

In einigen Gemeinden des Bezirks stellen Private oder Kircheneinrichtungen auch schon Quartiere für Flüchtlinge zur Verfügung. 74 Flüchtlingen gibt die Familie Tazreiter derzeit im Gasthof Bruckwirt in Opponitz ein Heim. Dort sind die Erfahrungen nur positiv.

„Natürlich hatten die Menschen im Ort am Anfang Vorbehalte, wenn so viele Flüchtlinge kommen. Aber mittlerweile funktioniert die Integration sehr gut. Wir haben viele Familien mit Kindern und es gibt keine Probleme“, berichtet Mario Tazreiter. „Viele gehen auch hier in die Volksschule oder spielen im örtlichen Fußballverein.“