Frauenhaus Amstetten: Not-Quartier ist gefragt. Auch 2019 war die Frauen-Notwohnung beinahe zu 100 Prozent ausgelastet und bot Hilfesuchenden in Krisensituationen unbürokratisch Unterkunft auf Zeit.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 27. Februar 2020 (04:54)
Sandra Eder und Carmen Kessler betreuten im Vorjahr sieben Frauen und drei Kinder in der Frauen-Notwohnung des Frauenhauses Amstetten. „Wenn es die Wohnung nicht geben würde, wären die Frauen obdachlos gewesen.“
Doris Schleifer-Höderl

Bereits seit drei Jahren bietet das Frauenhaus Amstetten zusätzlich eine Notwohnung für Frauen an, die keine gesicherte Wohnmöglichkeit aufgrund von Trennung oder Scheidung haben – eine Einrichtung, die seither gut genutzt wird. Die Auslastung betrug im Vorjahr 96 Prozent, an 36 Tagen war nur ein Platz frei. Finanziert wird die Notwohnung durch das Land NÖ sowie durch Subventionen der Stadtgemeinde Amstetten und der Katholischen Frauenbewegung.

Im Vorjahr fanden sieben Frauen und deren drei Kinder in der 71 Quadratmeter großen Wohnung Unterkunft. Bei allen sieben war die Trennung vom Partner der Grund für ihren plötzlichen Wohnungsverlust. „Sie hatten keine andere Möglichkeit irgendwo unterzukommen und haben sich daher an uns gewandt“, berichten die diplomierte Sozialarbeiterin Carmen Kessler und die ausgebildete Kinder-, Jugend- und Elternberaterin Sandra Eder.

Die Frauen kamen aus der Stadt und aus dem Bezirk Amstetten sowie aus den Bezirken Melk und Waidhofen/Ybbs. Die jüngste Frau war 20 Jahre alt, die anderen im Alter bis zu 40 Jahren. Obwohl die Frauen die Möglichkeit haben, bis zu neun Monate in der Notwohnung zu bleiben, betrug die durchschnittliche Verweildauer drei Monate. „2019 war die längste Verweildauer 284 Tage, die kürzeste fünf Tage“, berichten Kessler und Eder, die die Frauen während des Aufenthalts beraten und sie im Kontakt mit Ämtern und Behörden unterstützen. „Großartig ist auch, dass alle Frauen mittlerweile eine eigene Wohnung beziehen konnten.“ Aktuell teilen sich zwei Frauen die Notwohnung.

Wie wichtig die Einrichtung ist, zeigt der Fall einer schwangeren, jungen Frau, die sich im Vorjahr an das Frauenhaus wandte. „Sie wusste nach dem Beziehungsaus mit dem Kindsvater nicht, wo sie wohnen sollte. Wir hatten in der Notwohnung Platz und so war es der Frau möglich, sich auf die Geburt ihres Kindes, ohne mit der Belastung, rasch eine Bleibe finden zu müssen, konzentrieren zu können. Dies war ein besonders berührender Fall. Der Mutter und dem Mädchen geht es heute gut und sie sind bereits in eine eigene Wohnung gezogen.“

Notwohnungen als Wohngemeinschaften gewertet

Ein wenig Kopfzerbrechen bereitet Kessler und Ebner derzeit jedoch die Tatsache, dass Notwohnungen laut Bundesgesetz als Wohngemeinschaften gewertet werden. „Das bedeutet, dass die Bewohnerinnen nicht die volle Sozialhilfe erhalten, obwohl sie davon abhängig sind. Ihnen wird so der Weg in die Eigenständigkeit erschwert. Fakt ist nämlich, dass sich in einer Notwohnung einander gänzlich unbekannte Frauen, zufälligerweise aufgrund ihrer Not unter anderem Küche und Sanitärraum teilen müssen. Sie wie Bewohner einer normalen WG zu bewerten, ist völlig unverständlich. Wir appellieren hier an die Verantwortlichen, dieses Gesetz dringend zu überarbeiten.“

Ein Kontakt ist jederzeit möglich: 07472/66 500.