Obsternte sehr gut, Preis aber im Keller. Birnen und Äpfel gibt es heuer im Überfluss. Doch bei einem Erlös von 56 Euro pro Tonne Birnen rentiert sich Ernte kaum.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 11. September 2018 (05:54)
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Bei Bezirksbaunernkammerobmann Josef Aigner in Biberbach wird das Obst natürlich geerntet. Wirklich lohnend ist die Arbeit bei einem Preis von 56 Euro für eine Tonne Birnen allerdings nicht. Foto: Hudler
Heribert Hudler

Nach zuletzt eher mageren Jahren fällt heuer die Obsternte in der Region außergewöhnlich gut aus. „Alle Sorten tragen überdurchschnittlich viele Früchte. Daran kann ich mich in den letzten 25 Jahre nicht erinnern“, sagt Obstbaureferent Andreas Ennser von der NÖ-Landwirtschaftskammer.

Auch die Qualität des Obstes ist aufgrund der vielen Sonnenstunden sehr gut, der Zuckergehalt hoch. „Einziger negativer Aspekt könnte eventuell ein niedriger Säuregehalt sein. Das würde das Mostmachen vor allem im Bezug auf die Haltbarkeit etwas verkomplizieren, weil der Most ja weniger Alkohol hat als der Wein“, sagt Ennser. Ein unüberwindbares Problem sei das aber nicht.

Grund für die gute Obsternte ist natürlich das heuer ideale Wetter. Vor allem gab es im Frühjahr keinen Frost, der den Knospen zusetzte. „Und durch die Hitze hatten wir im Sommer auch wenig Pilzinfektionen. Die Früchte sind daher sehr sauber“, sagt Ennser.

56 Euro für eine Tonne Birnen

So groß die Freude über die Ernte ist, so enttäuschend ist der Preis, den die großen Obstverarbeiter zahlen.

„Derzeit bekommt man für eine Tonne Äpfel 50 Euro und für eine Tonne Birnen 56 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Das ist eigentlich eine Katastrophe. Wenn man bedenkt, dass das Klauben einer Tonne Obst acht bis zehn Stunden dauert, dann rentiert sich das Bücken kaum. Jeder Pfuscher verlangt einen höheren Lohn“, sagt der Obstbaureferent.

Grund für den niedrigen Preis dürften neben der guten Ernte auch Obstimporte aus Polen und von Konzentrat aus China sein. Für Ennser ist das völlig unverständlich. „Wir kämpfen mit massiven Klimaproblemen und dem CO2-Ausstoß und da hätten wir ein regionales Produkt, aber anstatt dieses zu verwenden, wird ausländisches Konzentrat importiert. Das zeigt auch, dass der Transport einfach zu billig ist“, sagt Ennser.

Foto: Shutterstock/ Africa Studio
Shutterstock/ Africa Studio

Für den Obstbaureferenten ist auch unverständlich, warum die großen Obstverarbeiter nicht längst auf zur Gänze im Inland produzierte Qualität setzen und das entsprechend vermarkten. Er verweist auf die Schweiz, wo überhaupt mehr für das Obst gezahlt wird und es zusätzlich eine „Suisse-Garantie“ gibt. „Für Früchte, die nachweislich aus der Schweiz kommen, erhält der Produzent dort 230 Euro pro Tonne“, berichtet Ennser.

Im Mostviertel führe der niedrige Obstpreis jede Baumpflanzaktion ad absurdum. „Denn wer wird noch Bäume setzen, wenn er mit den Früchten keinen Erlös erzielt?“
Ganz genau so sieht das der Obmann des Obstbauverbandes, Mostbaron Hans Hiebl aus Krottendorf. Er appelliert auch an die Konsumenten: „Sie sollten darauf schauen, wo der Saft herkommt. Warum im Supermarkt Apfelsaft kaufen, der in Polen produziert wird, wenn man beim Bauern heimische Qualität erhält.“

Qualität spielt heuer eine große Rolle

Die Mostproduzenten selbst zahlen ihren Zulieferern ohnehin bessere Preise. „Heuer wird sicher die Qualität eine Rolle spielen, aber ich denke, es werden bei gemischtem Obst so 120 Euro pro Tonne werden, bei sortenreinem Obst werden es 180 bis 200 Euro sein.“

Bezirksbauernbundobmann Andreas Pum fürchtet, dass in der Region wieder Landwirte zur Säge greifen werden, wenn es sich nicht auszahlt, das Obst zu ernten. „Da wird man auch vonseiten des Tourismus und der Gastronomie Überlegungen anstellen müssen, wie man die Bauern künftig vernünftig entlohnen kann. Denn von unserer schönen Kulturlandschaft profitieren viele, die Arbeit hat aber allein der Landwirt.“

Ebenso sieht das der Obmann der Bezirksbauernkammer, Josef Aigner. „Derzeit bekommt ein Landwirt über das Ö-Pul-Programm für Erhaltung und Pflege pro Baum sieben Euro. Das steht in keinem Verhältnis zum Aufwand, den er dabei hat. Hinzu kommt der sehr niedrige Obstpreis. Da ist der Anreiz, die Bäume zu erhalten, natürlich nicht groß.“

Größte Apfelernte seit zehn Jahren

Agrana-Pressesprecher Markus Simak nimmt aus Sicht der obstverarbeitenden Industrie (Agrana hat neun Standorte in Österreich, unter anderem die Austria Juice GMbh in Kröllendorf), zum niedrigen Obstpreis Stellung. Er betont, dass die Produktion von Apfelsaftkonzentrat „ein weltweites Commodity-Geschäft mit hohen Volatilitäten (Schwankungen) bei den Verkaufspreisen sowie den Rohstoff-Einkaufspreisen“ sei.

Die Dürre- und Hitzewelle in weiten Teilen Europas habe heuer kaum negative Auswirkungen auf Menge und Qualität gehabt. Europa verzeichne vielmehr die größte Apfelernte der letzten zehn Jahre, da es vor allem in den großen europäischen Apfelanbauregionen wie zum Beispiel Polen sehr viele Früchte gäbe.

In den beiden Jahren zuvor sei das nicht so gewesen. Vor allem 2017 habe Spätfrost im Frühjahr schlechte Erträge verursacht. „Die heurige Rekordernte führt dazu, dass die Apfelsaftkonzentratpreise und folglich die Rohstoffpreise in Europa deutlich niedriger sind als im Vorjahr“, sagt Simak.