"Gastronomie leidet am meisten". Wirtesprecherin Melitta Ott kennt die Probleme der Gastronomie, sieht aber auch Chancen.

Von Daniela Führer. Erstellt am 05. Mai 2014 (14:49)
NOEN, Daniela Schlemmer
Schon längere Zeit denken Albin und Silvia Hawel an einen Umbau dieses schmucken Raumes in ihrem Lokal. »Die Angst vor dem Risiko ist aber zurzeit zu groß«, sind sie sich einig.

BEZIRK AMSTETTEN / „Ich will kein teures Auto, ich will einfach nur den Betrieb unserer Vorfahren erhalten. Aber das wird immer schwieriger“, erklärt Haubenkoch Albin Hawel vom Haager Gasthaus Mitter. Gegenwärtig herrsche nämlich große Unsicherheit im Gastgewerbe. „Wir wollen gerne weiter investieren, aber aktuell ist die Angst vor dem Risiko zu groß“, sagt das Wirteehepaar Albin und Silvia Hawel. „Unserem Betrieb geht es gut, aber wir wollen diese Qualität natürlich halten können. Die hohe steuerliche Belastung macht uns das aber schwer.“

In dasselbe Horn stößt der Haager Gastronom Rainer Kirchstetter, der seit Oktober 2013 in der Mostviertelhalle sein Restaurant „Servus beim Rainer“ erfolgreich betreibt. „Wir müssen in der Gastronomie immer mehr bieten, aber die Bedingungen werden immer schwieriger.“

Politische Interessensvertretung "zu schwach"

Albin Hawel geht mit der Politik ins Gericht. Ihm ist die Vertretung der Gastronomie „viel zu schwach. Das ist ärgerlich. Wir zahlen so hohe Abgaben, die müsste man einmal einfrieren, damit man sieht, was wir alles zu leisten haben.“

Und er merkt an, dass dies bei Mostheurigen und Vereinslokalen anders sei: „Ich habe ein gutes Verhältnis zu unseren Heurigen, wir beziehen auch deren Most, aber hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Der Heurige muss nicht dieselben Abgaben leisten und es kommt kein Arbeitsinspektor. Ich fordere von der Politik, dass Gastronomie, Vereinslokale und Mostheurige gleichbehandelt werden“, erklärt er. „Wir wollen einfach gleiches Recht für alle.“

Die Bezirksobfrau des NÖ Wirtschaftsbundes, Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer, zugleich Moststraßenobfrau, hält dem entgegen, „dass die überwiegende Mehrzahl der Heurigen mittlerweile ohnehin schon die Gastronomie-Konzession hat.“ Und Mostbaron Hans Hiebl aus Krottendorf bei Haag stellt fest: „Im Endeffekt gibt es – ob ein Mostheuriger pauschalisiert ist oder das Gewerbe hat – keine Unterschiede.“

Gutes Personal zu finden, wird immer schwieriger

Dieser Irrglaube rühre noch von früher her. „Aber wir haben sehr wohl denselben finanziellen Aufwand wie die Wirte. Wir haben genauso alle Mitarbeiter angemeldet und werden ebenso regelmäßig von Finanzpolizei sowie Arbeits-, Lebensmittel- oder Kellereiinspektoren überprüft“, sagt Hiebl. Dass es bestimmt auch einige schwarze Schafe gibt, streitet niemand ab. Hinterholzer sagt dazu: „Wir informieren die Betriebe aber ständig, dass es ohne Konzession steuerrechtliche Konsequenzen haben kann.“

Sie merkt auch weiter an: „Ich höre aber gerade in letzter Zeit, dass die Finanzpolizei massiv unterwegs sei und viel kontrolliere. Es wird also sehr wohl etwas getan.“

Enorm schwierig sei es auch, so Hawel und Kirchstetter, gutes und beständiges Personal zu finden. Derzeit sind beide Gastronomen auf der Suche nach einem Koch. Immer weniger Leute würden diese harte Arbeit machen wollen. „Es ist natürlich ein sehr familienunfreundlicher Beruf“, merkt Kirchstetter an. „Wir arbeiten an Sonn- und Feiertagen und ein normaler Arbeitstag hat mindestens 15 Stunden!“

Das Wirteehepaar Hawel appelliert aber auch an die Gäste: „Wir wünschen uns Respekt vor Gastronomen, aber auch vor Krankenschwestern und einfach allen Berufstätigen, die am Wochenende arbeiten.“ Am schönsten sei es doch, wenn gute Stimmung im Wirtshaus herrscht. „Hier kommen die Leute zusammen. So solle es auch für die künftigen Generationen sein. Wir würden uns daher auch wünschen, dass sich die Jugend im Gasthaus trifft.“


Wirtesprecherin Melitta Ott im Kurz-Gespräch mit der NÖN

NÖN: Wie stark ist die Unsicherheit derzeit in der Gastronomie?

Melitta Ott: Generell geben die Menschen heute weniger Geld aus. Davon sind alle Branchen betroffen, aber die Gastronomie leidet am meisten darunter. Wir haben im Bezirk Amstetten aber nach wie vor eine gute Gastronomie. Es gibt durchaus andernorts Gebiete, wo das nicht so ist, wo es keine Wirte mehr gibt.

Was kann man dagegen tun?

Ott: Ich merke, dass viele Menschen schon nachdenken, und dem Wirt eine andere Wertigkeit schenken. Wir müssen aber auch alle selbst etwas dafür tun und uns spezialisieren. Außerdem muss man die Mitarbeiter gut entlohnen, denn geht es den Mitarbeitern gut, wirkt sich das auch auf den Betrieb aus.