Freispruch für Vater trotz blauer Flecken der Tochter. Wegen eines Freundes mit „falscher“ Herkunft soll ein Vater seine Tochter geschlagen haben. Zu wenige Beweise für den Richter.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 18. Februar 2021 (05:51)
Symbolbild
Dmitriev Mikhail, Shutterstock.com

Sie kennt ihn seit ein paar Monaten, vor der Familie hält sie die Beziehung geheim. Dann vertraut sie sich Mitte Mai doch der Mutter an: Sie will den jungen Mann heiraten. Er ist Pakistani. Sie ist Afghanin. Der Vater ist nicht begeistert.

Mit Hammer gegen Kopf und Rücken

In der Videoeinvernahme erzählt die 19-Jährige, dass ihr Freund und ihre ältere Schwester den Vater anriefen und ihn baten, in die Heirat einzuwilligen, danach sei er in ihr Zimmer gekommen, hätte ihr Handy gegen die Wand geworfen und sie gegen Kopf und Rücken geschlagen, auch gegen die Beine – und zwar mit einem Hammer. Dabei soll er gesagt haben, dass sie der Familie Schande mache, weil sie mit einem Pakistani zusammen ist. Zuvor soll er den Freund am Telefon mit dem Umbringen bedroht haben, falls er die Tochter nicht in Ruhe lassen sollte.

Schon seit 2018 soll er sie immer wieder geohrfeigt oder mit der Faust geschlagen haben. Einmal so fest gegen das Ohr, dass sie heute noch Schmerzen habe, sagt die Tochter. Alles Lüge, sagt der Vater. Er sei nie gewalttätig gegen seine Kinder gewesen. Das sagen auch zwei seiner Söhne vor Gericht.

Einer der beiden behauptet, die blauen Flecken, die auf den Fotos im Akt zu sehen sind, habe sich ihre Schwester an dem Tag im Mai selbst zugefügt. Die Tochter, die mittlerweile nicht mehr zuhause wohnt, habe eine Ausrede gesucht, um zu ihrem Freund zu gehen, meint der Vater. Per Videotelefonat schaltet der Richter die Hausärztin der Familie zur Verhandlung, bei der die Tochter nach dem Vorfall mit dem Ohr zur Untersuchung war. Es sei eine normale Ohrenentzündung gewesen und kein Fremdverschulden, sagt die Ärztin. Für den Richter ist sie die einzige objektive Zeugin.

Am Ende des Prozesses steht Aussage gegen Aussage. Die Verletzungen auf den Fotos passen nicht mit den Vorfällen zusammen, wie sie die Tochter schildert: Freispruch im Zweifel für den Angeklagten.