Veruntreuung: 130.000 Euro für gebrauchte Kleider. Die Leiterin eines Amstettner Second-Hand Shops soll jahrelang in die Kasse gegriffen und Belege gefälscht haben, um das zu vertuschen. Trotz erdrückender Beweislast ist sie nicht geständig. Sie will gegen das Urteil vorgehen.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 20. Mai 2021 (07:01)
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200 Euro, 300 Euro - die Beträge, die über mehrere Jahre hinweg angeblich immer wieder an Kunden eines Second Hand-Shops in Amstetten ausbezahlt wurden, sind ungewöhnlich hoch für gebrauchte Kleidung, die Kunden an den Shop verkaufen können. Auffällig oft sollen solche Beträge aus der Registrierkasse genommen worden sein, als die Abteilungsleiterin, allein an der Kasse stand. Und das obwohl sie gar nicht fürs Kassieren zuständig gewesen sein soll. 

Gefälschte Bons durch Gutachten bewiesen

Andere Mitarbeiterinnen werden irgendwann misstrauisch. Mithilfe einer Buchhalterin werden die Aufträge mit den Belegen für die Auszahlungen abgeglichen. Heraus kommt: In vielen Fällen stimmen die Namen auf den Aufträgen und Belegen nicht überein. Die Schlussfolgerung: Es hat diese Auszahlungen nie gegeben, die Belege müssen gefälscht sein. Rund 130.000 Euro Schaden sind so von 2010 bis 2017 entstanden. 

Die Zeuginnen, verschiedene Mitarbeiterinnen der Angeklagten, erzählen, öfter von dieser weggeschickt worden zu sein, als keine Kunden im Laden waren, damit diese alleine an der Kassa stehen konnte. Die Angeklagte sagt, sie sei nie allein an der Kassa gewesen. Eine Zeugin sagt, sie habe die Angeklagte einmal mit Geld in der Hand bei der Kassa gesehen. Die 47-Jährige habe damals gesagt sie müsse das Geld einem Kunden nach Hause bringen. 

Die 47-jährige angeklagte Amstettnerin hat keine Vorstrafen, sie habe nie auch nur einen Cent genommen, beteuert sie. Doch der Staatsanwalt sieht die Angeklagte nach einem fast zweijährigen Ermittlungsverfahren als Täterin überführt. Dass sie jahrelang zahlreiche Bons gefälscht hat sei durch Gutachten bewiesen. Ihr Motiv war laut ihm die schwierige finanzielle Lage, in der sie sich zu dieser Zeit befand. 

Angeklagte beteuert ihre Unschuld

Der Verteidiger hingegen bezeichnet die Gutachten und die Zeugen als unglaubwürdig und ersucht um einen Freispruch im Zweifel für die Angeklagte. "Ich habe nie einen Cent entnommen. Ich bin unschuldig. Ich hoffe, dass man mir das glaubt und dass mein Leben durch diesen Prozess nicht weiter zerstört wird", sagt sie am Ende des Prozesses mit Tränen in der Stimme.

Der Richter bezeichnet ihre Haltung angesichts der Beweislast als "Form der Realitätsverweigerung, die nicht nachvollziehbar ist". Die Zeugenaussagen seien zwar nur indizienhaft gewesen und hätten für eine Verurteilung nicht gereicht, durch die Gutachten sei aber auch seiner Ansicht nach klar herausgekommen, dass sie Belege gefälscht hat.  

Der Schöffensenat spricht sie nach kurzer Beratung schuldig wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung. Das Urteil: 18 Monate bedingte Haft mit dreijähriger Probezeit. Die Angeklagte nimmt das Urteil nicht an, sie legt Nichtigkeitsbeschwerde ein. Die Staatsanwaltschaft geht in Berufung.