Kein Betrug: Freispruch für Ferschnitzer Elektriker. Hausbesitzer eines „Luxus-Bungalows“ warf beschuldigtem Elektriker Betrug und nicht abgeschlossene Arbeiten vor. Richter sprach den Angeklagten nun frei.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 23. Juli 2021 (05:49)
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Bezirksgericht Amstetten
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Ein Paar baute in Ferschnitz ein Haus mit fast 300 Quadratmetern – einen „Luxus Bungalow“, wie ihn der Hausbesitzer bezeichnet. Nachdem er und seine Frau mit dem Elektriker, den sie zuerst beauftragt hatten, „nicht zam“ kamen, empfahl ihnen ein Bekannter einen alten Freund.

Der sollte die Arbeiten stattdessen ausführen. Das Paar sagte zu und der Mann reiste an – aus Linz und das für die darauffolgenden Monate mehrmals pro Woche. Eine Zeit lang waren dann auch beide Seiten zufrieden. Jetzt treffen sie vor Gericht aufeinander – ein Prozess mit vielen Zeugen mit sehr viel Meinungen. Denn der Hausbesitzer unterstellt dem Elektriker Betrug.

„Ich bin mir keiner Schuld bewusst.“ Der angeklagte Elektriker, der schließlich vom Richter freigesprochen wurde

Auch der aufgebrachte Angeklagte hat viel zu sagen – ein wenig zu viel, sodass ihn der Richter immer wieder unterbrechen und ermahnen muss. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst“, wettert der Mann, während sich der Hausbesitzer und der Baustellenleiter nach Kräften bemühen, den 55-Jährigen schlecht zu machen. Mehr als 20.000 Euro habe er dem Elektriker in Tranchen gezahlt, dieser habe Arbeiten aber nicht fertiggemacht, sagt der Hausbesitzer.

Während der Zeugeneinvernahme macht der Angeklagte spöttische Geräusche aus dem Zuschauerraum und nennt den Hausbesitzer einen „Lügenbaron“.

Alle beteiligten Seiten angehört

Doch Richter Christoph Steininger bleibt ruhig und hört sich alle Seiten an: auch die des Baustellenleiters, der auch noch stolz darauf zu sein scheint, dass er mit dem Elektriker auf der Baustelle nicht kommunizierte; die des Nachbarn, der von regelmäßigen Auseinandersetzungen auf der Baustelle berichtet; die des Bekannten, der den Elektriker vermittelte und schließlich noch die Seite jenes Elektrikers, der nach dem Angeklagten auf die Baustelle kam und die letzten Handgriffe tätigte.

Letzterer entlastet den 55-Jährigen massiv. Zwei oder dreimal sei er noch auf die Baustelle gefahren und habe die letzten Arbeiten fertiggestellt, sagt der Mann. Aus den Zeugenaussagen entnimmt der Richter, dass der Hausbesitzer ab einem gewissen Zeitpunkt massiv auf eine schnelle Fertigstellung des Hauses drängte.

Dass er am Telefon aggressiv wurde und der Elektriker irgendwann genug hatte und die Arbeiten abbrach. Die Zahlungen seien für Material und Arbeitsaufwand gewesen, es seien jedoch ständig neue Wünsche des Hausbesitzers hinzugekommen, so der Angeklagte.

Außerdem habe er Arbeitsschritte von ihm verlangt, die er wegen des geringen Baufortschrittes zu der Zeit gar nicht durchführen konnte. Viele Arbeiten habe er doppelt machen müssen.

„Völlig überzogen und unglaubwürdig“

Im Endeffekt gibt es einen Freispruch für den Elektriker. Betrug sei hier nicht erkennbar, so der Strafrichter. Er beurteilt die Aussagen des Hausbesitzers als „völlig überzogen und unglaubwürdig“. Dieser habe offensichtlich keine Ahnung vom Hausbauen und habe „unmöglichen Zeitdruck aufgebaut“.