Stammzellenspende von Ferschnitzerin: „Gefühl ist unbeschreiblich“

Erstellt am 23. Februar 2022 | 05:52
Lesezeit: 4 Min
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Sabrina Groiss bei der Spende in Gauting, die im Dezember des Vorjahres erfolgte.
Foto: privat
Sabrina Groiss (31) ließ sich 2017 für eine Knochenmarkspende typisieren und wurde jetzt zur Spenderin. Dank ihr kann nun ein Kind aus dem deutschsprachigen Raum auf Leben hoffen.
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„Als ich die Nachricht gelesen habe, hatte ich gerade mein zwei Monate altes Kind auf dem Arm. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich habe nicht mehr mit einer Benachrichtigung gerechnet“, erinnert sich Sabrina Groiss (31) zurück an den September des Vorjahres. Als sie auserwählt wurde – zur Lebensretterin zu werden. Aber der Reihe nach.

Es war 2017, als Sabrina Groiss an einer Typisierungsaktion in Steinakirchen teilnahm. Diese wurde vom Verein Sirius für „Geben für Leben“ durchgeführt. Bei diesen Aktionen suchen die Organisatoren Personen, deren Stammzellen für die lebenswichtige Behandlung von an Leukämie erkrankten Menschen verwendet werden können. Diese Stammzellen werden aus gespendetem Knochenmark gewonnen. „Damals hat man für ein Kind aus Steinakirchen einen passenden Stammzellenspender gesucht. Von der Aktion habe ich durch einen Freund erfahren“, erinnert sich die Ferschnitzerin zurück. 1.364 Teilnehmer folgten dem Aufruf. Groiss war eine davon und man entnahm ihr eine Blutprobe. Dann blieb es mehrere Jahre ruhig.

Bis es im September zu eingangs erwähnter Kontaktaufnahme – via Whatsapp – kam. „In der Nachricht stand, dass ich ein passender Spender bin und mich telefonisch melden soll. Es kam dann eines ins andere und schließlich habe ich mit dem AKH Wien einen Termin für die Spende vereinbart“, schildert Groiss.

Umweg führte über Deutschland

Doch nur einen Tag nach der Terminvereinbarung folgte seitens AKH die Absage. „Sie haben mich abgelehnt, weil ich noch im Juli per Kaiserschnitt ein Kind bekommen habe“, berichtet die Ferschnitzerin. Sabrina Groiss erfuhr, für wen sie als Spenderin infrage kommt. Nicht für das Kind aus Steinakirchen, aber für ein anderes aus dem deutschsprachigen Raum. „Man hat mir auch gesagt, dass das Kind nicht mehr lange Zeit hat. ‚Geben für Leben’ ist auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich die Spende nicht auch in Deutschland machen würde, da diese dort nach Rücksprache mit den Ärzten durchgeführt werden kann. Sofern alle medizinischen Voraussetzungen meinerseits gegeben sind“, sagt sie.

Nach Untersuchungen und mehrmaligen Verschiebungen ging es am 15. Dezember nach Gauting. Am 16. Dezember erfolgte die Spende, tags darauf war Sabrina Groiss bereits wieder auf dem Heimweg. „Es ist alles ganz schnell gegangen. Das Knochenmark wurde aus dem Beckenknochen entnommen. Die Operation in Vollnarkose hat vielleicht eine Stunde, 45 Minuten, gedauert“, erklärt sie den Eingriff. Schmerzen habe sie überhaupt keine gehabt. Die Betreuung durch die Bayerische Stammzellbank GmbH in Gauting sei während des gesamten Krankenhausaufenthaltes und bei der Voruntersuchung fabelhaft gewesen. Man habe sich immer richtig gut aufgehoben gefühlt.

Von „Geben für Leben“ erhielt sie außerdem die Information, dass das Kind, das ihre Spende erhielt, unter zehn Jahre alt ist. Sie habe auch die Möglichkeit, einen Brief an den jungen Patienten oder die junge Patientin zu schicken, genützt. „Den habe ich vor Weihnachten geschrieben. Das war mir ein großes Bedürfnis. Eine Antwort hab ich noch nicht bekommen. Die Eltern haben aber sicherlich genug zu tun und viele andere Sorgen. Und es kann auch bis zu einem halben Jahr dauern, bevor man weiß, ob die Spende auch angenommen wird“, sagt Sabrina Groiss.

Jedenfalls denke sie sehr oft an das Kind und hofft auf einen guten Ausgang der Krankheit. „Ich kann gar nicht beschreiben, wie ich mich fühle, und wünsche dem Kind das Allerbeste.“

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