Grüne mit Anträgen abgeblitzt

Erstellt am 21. Juni 2011 | 00:00
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Foto: NOEN
HEFTIGE DEBATTEN / Forderung nach Entfernung des Turnerkreuzes und Umbenennung der Jahn-Straße stießen bei allen anderen Fraktionen auf Ablehnung.
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Umstritten: Das Turnerkreuz
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VON HERMANN KNAPP

AMSTETTEN / Nachdem sich die Aufregung um die Hitler-Ehrenbürgerschaft gelegt hat, wurde in der Vorwoche im Kulturausschuss über die weiteren Anträge der Grünen diskutiert. Sie fordern ja unter anderem die Umbenennung der Jahn-Straße in Anne-Frank-Straße, die Entfernung des Turnerkreuzes von der Jahn-Turnhalle und ein deutlich sichtbares Zeichen des Gedenkens für alle jene KZ-Häftlinge, die beim Bombenangriff am 20.3.1945 in Eisenreichdornach umgekommen sind.

Von SPÖ, ÖVP und FPÖ wurden diese Anträge abgelehnt. „Der österreichische Turnerbund hat sich ja 1996 in seinen Leitlinien ausdrücklich vom Nationalismus distanziert und klar zur Republik Österreich bekannt. Das sollte eigentlich auch den Grünen genügen“, sagt Kulturstadträtin Ulrike Königsberger-Ludwig. Die Stadt werde aber eine der nächsten größeren Straßen die anstehen, mit „Anne-Frank-Straße“ benennen.

In Sachen Denkmal verweist Königsberger-Ludwig auf das Marterl in Eisenreichdornach und auch auf ein Grab am neuen Friedhof, das dem Gedenken der Opfer von damals gewidmet sei.

ÖVP-Gemeinderat Markus Brandstetter forderte von den Grünen „die Menschen, die sich im Turnerbund engagieren, nicht ständig in ein Eck zu stellen, in das sie nicht gehören.“

Von einem neuen Denkmal hält er nichts. Stattdessen schlägt der VP-Politiker vor, das Geschehen von damals in einem Schulprojekt aufzuarbeiten: „Mit Jugendlichen über diese Zeit zu sprechen, das macht immer Sinn. Vielleicht könnte aus so einer Auseinandersetzung auch ein Theaterstück entstehen.“

Grünmandatar Raphael Lueger versteht die Haltung seiner Gemeinderatskollegen nicht - gerade in Sachen Turnerkreuz. „Es ist unbestritten, dass die Leute beim Turnverein sind, weil sie Sport betreiben wollen. Gerade deshalb wird es ihnen ja wohl kein Problem sein, wenn man das Kreuz entfernt. Es handelt sich auch nicht um das ursprüngliche Turnerkreuz sondern eine abgeänderte Version aus der Nazizeit, die eben stark an das Hakenkreuz erinnert. Unsere Forderung, dass sich die Stadt von diesem menschenverachtenden Symbol verabschiedet, bleibt aufrecht.“

Jahn selbst werde, so Lueger, von unabhängigen Historikern als „deutschnationaler und antisemitischer Vordenker“ beschrieben und habe schon 1870 in einigen Turnvereinen Arierparagrafen eingeführt. „Daher halten wir an unserer Forderung fest, die Jahn-Straße umzubenennen. Wir werden dieses Thema in Zukunft immer wieder zur Diskussion stellen.“

Nicht nachvollziehen kann Lueger die Ansicht Brandstetters, dass ein Schulprojekt sinnvoller sei als ein Denkmal für die Opfer des Bombenangriffes vom März 1945. „Aufarbeitung ist zwar wichtig, aber das ist nur punktuell. Ein gut sichtbares Denkmal wäre daher erforderlich.“

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