Photovoltaik-Module als Lösung gegen Westautobahn-Lärm. In einem Brief an Ministerin Leonore Gewessler schlagen Anrainer bei Oed-Öhling und Zeillern (Bezirk Amstetten) innovativen Lärmschutz vor.

Von Peter Führer. Erstellt am 19. Mai 2021 (05:46)

Für Gemeindebürger, die an der Autobahn ihr Zuhause haben, hat sich die Lage in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert. Das Verkehrsaufkommen hat sich verdoppelt, die Belastungen durch Lärm stiegen massiv an.

Photovoltaik schlüge zwei Fliegen mit einer Klappe

Die Grenzwerte von 50 Dezibel in der Nacht beziehungsweise 60 Dezibel am Tag werden bei mehr als 1.000 Personen zum Teil weit überschritten. Die Folgen: Gesundheitsgefährdung, Wertverlust der Häuser, massive Beeinträchtigung der Lebensqualität.

Nun schlagen Anrainer in einem Brief an die für Klimaschutz und Mobilität zuständige Bundesministerin Leonore Gewessler eine nachhaltige Lösung vor: Photovoltaik-Module an der A1. Diese erzeugen erstens sauberen Strom für die Region und schützen zweitens die Umgebung vor dem Autobahnlärm. Damit würde man angesichts des steigenden Energiebedarfs somit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

„Es ist eine innovative Idee, die hier zum Einsatz kommen könnte“, ist Vizebürgermeister Wolfgang Zeiner überzeugt. Ähnliche Modelle gibt es bereits auf der Brennerautobahn oder bei der Umfahrung Wieselburg. Ein weiterer großer Vorteil: Der Lärmschutz mittels PV-Modulen könnte von heimischen Firmen errichtet werden.

Gespräche mit der Firma Forster hat es bereits gegeben. Das Unternehmen setzte ja das Projekt bei der Umfahrung Wieselburg um. Pro 100 Laufmeter könnten bis zu 30 Kilowattpeak erzeugt werden. Man hofft auf den Status als Pilotregion für PV-Anlagen an Lärmschutzwänden und damit verbunden auf Mitfinanzierung der Maßnahmen durch den Bund, da die Gemeinden die Kosten alleine finanziell nicht stemmen könnten.

Täglich bis zu 100.000 Fahrzeuge auf der A1

Anrainerin Tanja Gruber betont: „Täglich fahren hier bis an die 100.000 Fahrzeuge vorbei, die Lärmbelastung ist extrem hoch und steigt immer mehr an. Zudem müsste der derzeit teilweise bestehende Schutz 2023 wieder saniert werden. Das heißt, die Zeit wäre gerade jetzt, auch aufgrund der Klimaschutzziele für 2030, reif für eine nachhaltige Lösung.“ Sinnvoll für eine geringere Stickstoff- und Feinstaubbelastung sei zudem eine Reduktion des Tempolimits von 130 auf 100.

Andrea Reiter, ebenfalls Anrainerin, verweist darauf, dass man mit einer PV-Anlage bei der Autobahn Energie gewinnen könne, ohne weitere Flächen versiegeln zu müssen. Abnehmer könnten Unternehmen wie auch E-Tankstellen sein.

Laut Amtsleiter Anton Spreitz stünde, sollten Bundesministerin und Asfinag für weitere konkrete Gespräche bereit sein, mit der heuer gegründeten Energie Zukunft NÖ (EZN) ein Partner für Planung und Abwicklung zur Verfügung.

Die EZN ist eine Servicegesellschaft der EVN und der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ. Sie soll energiewirtschaftliches Know-How anbieten und regionale Energieprojekte unterstützen. Um dem Vorschlag Nachdruck zu verleihen, hat die Initiative eine Unterschriftenaktion gestartet. Die Rückmeldung ist bereits sehr gut. Bis kurz nach Pfingsten kann man noch im Gemeindeamt Zeillern oder im Kaufhaus Müller unterschreiben.

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