Digitaler Sportunterricht: Lehrer Vogl im Interview

Wie sieht eigentlich der Sportunterricht in Zeiten des Homeschoolings aus? Die NÖN fragte bei Klaus Vogl, Sportlehrer am Bundesgymnasium Amstetten, nach.

Erstellt am 20. Januar 2021 | 04:58
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Klaus Vogl, Lehrer am Bundesgymnasium
Amstetten, beim Bewegung-und-Sport-Homeschooling beziehungsweise bei dessen Vorbereitung. Wie in anderen Gegenständen wurden auch hier die digitalen Möglichkeiten genützt. Foto: privat
Foto: privat

NÖN: Wie läuft Homeschooling im Turnunterricht beziehungsweise wie kann man sich den Unterricht vorstellen?

Klaus Vogl: Im Bewegung- und Sportunterricht nützen wir die gleichen digitalen Möglichkeiten wie in den anderen Unterrichtsgegenständen auch. Über die einheitliche Kommunikationsplattform der Schule werden die Anleitungen in unterschiedlicher Form an die Schüler weitergegeben. Dies kann in schriftlicher Form, vielleicht auch unter Verwendung von erklärenden Bildern oder Videos, quasi als „Trainingsplan“, erfolgen, den die Schüler dann über eine gewisse Zeit oder nur für eine einzelne Einheit durchzuführen haben. In manchen Fällen (betrifft auf jeden Fall den Sportzweig bei uns) wird dazu eine schriftliche Dokumentation und Reflexion zu den Übungen und Aufgaben eingefordert.

Welche Methoden und Medien werden eingesetzt?

Wir haben selbstgestaltete Videos im Unterricht eingesetzt beziehungsweise haben die Schüler im Sportzweig auch Video-Trainingsprogramme für ihre Mitschüler erstellt oder selbst erstellte Trainingspläne, zu denen sie von den Lehrpersonen Rückmeldungen bekamen, umgesetzt. Dadurch konnten sie viele wichtige Kompetenzen, wie zum Beispiel Fachkompetenz, Selbstkompetenz und Methodenkompetenz zeigen und verbessern. Bewährt haben sich auch als Challenges gestellte Aufgaben, die über mehrere Wochen durchgeführt wurden. Diese haben den Schülern die Verbesserung durch Training vor Augen geführt. Bewegung und Sportunterricht als Videokonferenz wird hin und wieder durchgeführt.

Wie wurde das Homeschooling angenommen?

Vogl: Nach meinem Gefühl haben wir hier vielleicht nach wie vor mit den Nachwehen der Streichung des Bewegung- und Sportunterrichts im vorigen Sommersemester zu kämpfen. Das war nicht nur aus gesundheitlicher Sicht eine Katastrophe, sondern auch für den Status als Unterrichtsgegenstand. So werden Arbeitsaufträge zumal für weniger „voll“ genommen als in anderen Gegenständen. Dennoch habe ich das Gefühl, dass viele Schüler die gestellten Aufgaben wohlwollend annehmen und auch durchführen, wobei wohl anzumerken ist, dass das oft jene sind, die ohnehin sonst auch Bewegung machen würden. Der andere Teil kann aus meiner Sicht eher schwierig erreicht werden.

Was haben Schüler und Lehrer in den vergangenen Monaten gelernt?

Vogl: Als Lehrer Geduld, Flexibilität, digitale Kompetenzen und ein komplett neues Zeitmanagement. Auf die Schüler sollten diese Punkte eigentlich auch zutreffen, zuoberst steht hier aber die Selbstorganisation und das Bewusstsein der Selbstverantwortlichkeit fürs Lernen. Konkret auf den Sportunterricht bezogen gings viel um Kennenlernen, Verstehen und Umsetzen von Kraft-, Ausdauer-, Koordinations- und Schnelligkeitstraining. Zudem kam auch der Ballgeschicklichkeit (Dribbling Basketball, Übungen mit dem Tischtennisball, Jonglieren,...) Bedeutung zu.

Haben sich die vergangenen Wochen und Monate aus Ihrer Sicht auf die Fitness der Schüler ausgewirkt?

Vogl: Ja, auf jeden Fall, und leider oft nicht positiv... In der Unterstufe war zwar sowohl zu Beginn des Semesters als auch bei der Rückkehr nach dem Lockdown bei den meisten großer Bewegungsdrang und große Bewegungsfreude zu spüren. Allerdings merkte man, dass manche nach 40 Minuten Spazierengehen schon ziemlich am Ende waren! Manchen war leider anzusehen, dass die beiden Doppelstunden im Präsenzunterricht wohl sonst die einzigen zwei Bewegungseinheiten in der Woche darstellten und die Distancelearning-Aufgaben maximal angeschaut wurden. Andere waren zum Glück super drauf und es war eine Freude, ihnen beim Bewegen zuzusehen!

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