Schüler erzählen über ihren Corona-Alltag. Was macht die Covid-Krise mit unserer Schuljugend in den Oberstufen? Zwei Schüler aus Haag und Seitenstetten schildern, wie die Pandemie ihr Leben verändert hat.

Von Josef Penzendorfer. Erstellt am 07. Januar 2021 (03:24)
Elisa Ebner kann den Corona-Alltag gut bewältigen und betont, dass sich die Gesellschaft gegenseitig unterstützen muss.
Ebner/Stöckler

Im Corona-Jahr leidet der gesamte Schulbetrieb; gerade für die Oberstufenschüler aber ist die Pandemie inzwischen zur großen Herausforderung und Belastungsprobe geworden, sind sie doch erneut seit Oktober und zumindest noch bis 18. Jänner mangels Präsenzunterricht fast durchgehend zu Hause. Dabei ist im Jugendalter die Gruppe so wichtig: Man muss sich messen und mit Freunden treffen! Elisa Ebner als Schülerin der 3. Klasse an der HLW Haag und Jonathan Stöckler, Schüler der 7. Klasse des Stiftsgymnasiums Seitenstetten, schildern ihre Erfahrungen und Eindrücke und wünschen sich mehr Freiheit, Nähe und Spaß.

NÖN: Wie würde ein Kurzresümee über das 1. Semester dieses Schuljahres lauten?

Elisa: Ziemlich anstrengend. Zu Beginn keine Schularbeiten und Tests, immer mehr Schüler in Quarantäne, auch ich. Der Mangel an sozialen Kontakten hat bei manchen zu leichten psychischen Problemen geführt.

Jonathan: Die derzeitige Schulsituation ist außergewöhnlich und erfordert Geduld, schlussendlich hat sich mit Fortdauer des Homeschoolings aber alles zum Guten gewendet. Es ließ sich alles gut meistern.

Was hat im Herbst aufgrund des Lockdowns an Geplantem nicht stattfinden können?

Elisa: Leider hatten wir keinen Chorgesang, der Sommelier-Kurs und die Irland-Sprachwoche mussten entfallen.

Jonathan: Vor allem wurde eine Vielzahl an Schularbeiten und Tests nicht durchgeführt, die zu dieser Zeit hätten stattfinden sollen, aber auch Veranstaltungen wie der Maturaball, bei dem ich für einige Aufgaben eingeteilt gewesen wäre, fielen aus.

Wie hat das Homeschooling im Vergleich zum Frühjahr funktioniert? Was war gut, wo gab es Schwierigkeiten?

Elisa: Je länger man zuhause Unterricht hat, umso mühsamer wird alles. Im Frühjahr habe ich noch im telefonischen Kontakt mit meiner Freundin so manche Aufgabe erledigt. Im Herbst gab es mehr Videokonferenzen und weniger Arbeitsaufträge, was von Vorteil war, weil man dadurch die abzuhandelnden Themen besser erklärt bekam und verstehen und nachfragen konnte. Die Lehrer haben sich erfreulicherweise auch oft nach unserem Befinden erkundigt. Technisch gab es eher selten Schwierigkeiten, einmal konnte man eine Zeit lang nicht auf die Dateien von Microsoft Teams zugreifen. Und natürlich kann es zu WLAN-Problemen kommen, wenn mehrere Personen sich an einem Netzwerk bedienen.

Jonathan: Das Homeschooling hat sich in vielerlei Hinsicht verbessert. Lehrer können nun auch das richtige Ausmaß an Aufgaben besser einschätzen. Programme, wie das zumeist verwendete Microsoft Teams, wurden immer vertrauter und die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern generell problemloser.

Wie war der Tagesablauf zu Hause strukturiert? Welche Fächer haben unter dem nicht vorhandenen Präsenzunterricht gelitten?

Elisa: Überraschenderweise gab ich dem Tag tatsächlich eine Struktur; ich konnte ungefähr eine Stunde länger schlafen, gleich nach dem Frühstück aber wurde auch schon der Laptop gestartet. Abgesehen vom nicht kontrollierbaren Sportunterricht oder von Kochen, wozu man – zum Beispiel für das Filetieren eines Fisches – eine genaue Anleitung braucht, klappte es in allen Fächern mit Konferenzen oder Arbeitsaufträgen recht gut. Natürlich ist es sehr anstrengend, sich den ganzen Tag, also bis zu zehn Stunden, auf Arbeiten am Computer zu konzentrieren. Da lässt man sich dann schon auch einmal durch ein Haustier oder das Handy ablenken.

Für Jonathan Stöckler ist stets auch die sportliche Betätigung von großer Bedeutung. Dennoch wünscht er sich die Normalität des Alltags zurück.
Ebner/Stöckler

Jonathan: Mein Tagesablauf während der Unterrichtszeiten war meistens so strukturiert, dass ich, falls mal keine Sitzung auf Microsoft Teams stattfand, während dieser Stunde die Aufgaben des jeweiligen Faches erledigte. Im Fach „Bewegung & Sport“ muss allein auf Eigenverantwortung gesetzt werden, dass Schüler eben auf ihre Gesundheit achten. Selbstorganisation war angesagt.

Gab es manchmal Langeweile?

Elisa: Ja, natürlich. Teilweise war ich früher mit Arbeitsaufträgen fertig, dann habe ich ein Buch gelesen oder auch einen Film angesehen. Hin und wieder bin ich spazieren gegangen oder habe Brettspiele mit meiner Familie gespielt.

Jonathan: Sicher war der immerzu gleiche Tagesablauf manchmal langweilig, jedoch konnte ich mir eigentlich meistens gut helfen, sei es durch Training, Online-Zeit mit Freunden oder Filme-Schauen.

Wie war es mit sportlicher Betätigung, wurde seitens der Schule etwas eingefordert, auch Zeit im Freien?

Elisa: Da der Tennisplatz geschlossen ist, kann ich diesen Sport derzeit nicht ausüben. Mittlerweile machen wir im Sportunterricht Workouts. Ich verbringe aber sicher zu wenig Zeit im Freien.

Jonathan: Im Fach „Bewegung & Sport“ war etwa alle zwei Wochen ein Bewegungsprotokoll abzugeben, in dem jegliche Arten von sportlichen Aktivitäten festgehalten und eingetragen werden sollten. Das hat sicherlich einige Schüler motiviert, etwas Sport zu betreiben oder Zeit im Freien zu genießen. Ich persönlich habe mich an meinen eigenen Trainingsplan gehalten, in dem genug Bewegung – auch im Freien – eingebaut ist.

Entstehen tatsächlich größere Wissenslücken oder ist Lernen ohnehin viel ganzheitlicher zu sehen?

Elisa: Ich denke nicht, dass so viele Lücken entstehen werden, vieles lässt sich in Konferenzen und Besprechungen klären. Für eine 1. Klasse aber ist möglicherweise schon manches schwieriger, da sich dort erst die Klassengemeinschaft etablieren und festigen muss.

Jonathan: Aufgrund des gut organisierten Online-Learnings werden für mich wohl nur minimale Wissenslücken entstehen, die ich selbst früher oder später schließen kann. Es geht jedoch im Besonderen auch um das Heranreifen im Klassenverband, um Weiterentwicklung und das Ausleben und die Stärkung von Beziehungen.

Was wird in dieser Zeit des Lockdowns am meisten vermisst?

Elisa: Meine Freunde und die persönlichen Beziehungen fehlen mir sehr. Meine beste Freundin nicht sehen und treffen zu dürfen ist schwierig, denn der direkte Kontakt kann nicht durch das Handy ersetzt werden.

Jonathan: Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen war und ist der Kontakt zu Freunden leider auf Online-Treffen beschränkt. Partys oder Feste zu feiern, das geht mir ab. Vor allem aber vermisse ich die Normalität und Selbstverständlichkeit des Alltags, wie sie vor Covid-19 war.

Gibt es während des Lockdowns Treffen mit Freunden? Wie war Silvester?

Elisa: Vielleicht treffe ich jemanden, einzeln und im Freien! Das kommt auch auf die Freunde und deren Einstellung zu Corona an. Silvester verbrachte ich mit meiner Familie daheim.

Jonathan: Natürlich werde ich mich immer wieder mit Freunden treffen, jedoch nur virtuell auf Social-Media, so war es auch zu Silvester; ich feierte nur mit meiner Familie.

Was lernt man gerade jetzt vielleicht umso besser als in „Normalzeiten“?

Elisa: Dadurch, dass man nicht seinen normalen Tagesablauf leben und nicht problemfrei Menschen treffen kann, ist man gezwungen, sich mit sich selbst und der Familie intensiver zu befassen. Mehr Zeit auf relativ engem Raum verbringen, das kann auch zu Konflikten führen. Da ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und Rücksicht zu nehmen!

Jonathan: Durch das gegenseitige Schützen vor Corona werden in diesen Zeiten vor allem der Zusammenhalt der Bevölkerung und das Achten auf andere auf die Probe gestellt. Für einige Menschen ist es wohl nicht selbstverständlich, auch an ihre Mitmenschen zu denken, weshalb diese Zeit eine echte Herausforderung für sie darstellt.

Was lehrt uns die Pandemie?

Elisa: Unsere Gesellschaft, ja die ganze Welt muss sich gerade in schwierigen Zeiten unterstützen. Wir sollten aber auch nicht oberflächlich und vorschnell darüber urteilen, was wir für falsch oder richtig halten.

Jonathan: Auch wenn viele Situationen schwierig und fast auswegelos scheinen, sollte man doch versuchen, das Beste daraus zu machen.

Worin besteht der größte Wunsch an das 2. Semester dieses Schuljahres?

Elisa: Ich hoffe vor allem, dass das Pflichtpraktikum im Sommer nicht abgesagt wird.

Jonathan: Ich wünsche mir die Normalität im Alltag und Schulunterricht zurück und hoffe auf frühzeitiges Erkennen der Situation durch Verantwortungsträger, falls ein weiterer Lockdown nötig wäre, um eine erneute Welle zu verhindern.

Wird man zurecht bei den Schülern einmal von der Corona-Generation sprechen können?

Elisa: Nein, eindeutig nicht! Immerhin ist es nicht diese Krankheit, die unsere Generation ausmacht.

Jonathan: Obwohl das abgelaufene Jahr und möglicherweise auch noch Folgejahre sehr von Corona geprägt sind, denke ich nicht, dass unser ganzes Leben davon so stark beeinflusst wird, dass man uns die Corona-Generation nennen kann und darf.

Was ich noch gerne zu diesem Thema sagen möchte?

Jonathan: Haltet euch bitte an die Regeln und achtet auf die Familie und eure Freunde, damit möglichst bald wieder Normalität einkehren kann!

Elisa: Auch wenn Corona allgegenwärtig ist, versuchen wir, trotzdem Spaß zu haben und glücklich zu sein!