„Habe Tag gefürchtet“

Erstellt am 29. Jänner 2013 | 00:00
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Foto: NOEN
Bäume I / Denkmalgeschützte Buchen am Florianiberg sind krank und sollen gefällt werden. Doch es regt sich schon Widerstand.
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Von Hermann Knapp

ULMERFELD / Zu der Zeit, als auf dem Florianiberg 24 Rotbuchen gepflanzt wurden, tobte in Amerika der Sezessionskrieg, Otto von Bismarck war Ministerpräsident von Preußen und der Franzose Victor Hugo veröffentlichte den Roman „Les Misérables“. Jetzt, rund 150 Jahre später, scheinen die Tage der inzwischen mächtigen Stämme aber gezählt zu sein.

Nach den Zwischenfällen in St. Pölten und in Pöchlarn, wo es durch herabstürzende Äste sogar Todesopfer gab, herrscht in allen Gemeinden des Landes Nervosität. Ortsvorsteher Egon Brandl (SP) hat zwei Gutachten der unabhängigen Experten Thomas Melauner und Rainer Prosenz auf dem Tisch, laut denen fünf der unmittelbar neben der Bundesstraße stehenden Bäume entfernt werden müssen. Bei sechs weiteren wird es dringend angeraten. Zugesetzt haben den hölzernen Riesen vor allem die Sonne (auch Bäume können Sonnenbrand bekommen) und eine Pilzkrankheit. Bei den übrigen Bäumen empfehlen die Gutachter, eine Kürzung der Krone um drei Meter, was sie aber wieder für Sonnenbrandschäden anfälliger machen würde.

Ortsvorsteher Egon Brandl ist mit dieser Hiobsbotschaft alles andere als glücklich: „Ich habe den Tag gefürchtet, an dem ich die Fällung der Bäume anordnen muss“, bekennt er. Immerhin sind die etwa 30 Meter hohen mächtigen Stämme seit Jahrzehnten ein Wahrzeichen des Ortes, 1966 wurden sie von der Bezirkshauptmannschaft zum Naturdenkmal erklärt.

Nur zwei Zentimeter Rand halten die Bäume

„Wir werden um eine Schlägerung nicht herum kommen, weil die Gefahr, dass jemand verletzt wird, zu groß wäre. Es hätte auch keinen Sinn ein paar Bäume stehen zu lassen. Ich möchte aber auf jeden Fall die Bürger in die Entscheidung über die Nachnutzung einbinden und plane daher einen Infoabend. Ich bin für alles offen“, sagt Brandl.

Auch Stadtförster Fritz Ganster sieht zur Fällung der Bäume keine Alternative: „Das Heimtückische an diesem Pilz ist, dass man den Stämmen die Erkrankung nicht ansieht. Die Bäume sind zwar 60 bis 100 Zentimeter dick, tatsächlich werden die Stämme aber nur noch von einem zwei Zentimeter starken Rand getragen. Da ist Gefahr in Verzug.“

Erster Schritt wird sein, bei der BH die Erklärung zum Naturdenkmal zurück zu nehmen.

Kritik an der geplanten Schlägerung kommt von den Grünen: „Das ist absurd, was da abgeht. Es geht nicht darum, dass die Bäume schlecht sind“, wittert Thomas Huber darin nur einen Vorwand. „In Wahrheit will man das Schloss in den Mittelpunkt rücken.“ Er findet, dass Pöchlarn eine unnötige Hysterie ausgelöst hat. „Wenn wir jedes Risiko ausschalten wollen, werden wir bald gar keine Bäume im öffentlichen Raum mehr haben.“ Zu Wort meldet sich auch die Bürgerinitiative „Rettet die Forstheide.“ „Wir werden die geplante Totalschlägerung des Baumbestands durch Experten aus Natur-, Umwelt- und Landschafts-relevanter Sicht prüfen lassen“, sagt Sprecher Peter Rausch.

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