Hörlezeder zu Neuro-Absiedlung aus Mauer: „Willkür statt Strategie“

Erstellt am 03. Februar 2022 | 05:15
Lesezeit: 6 Min
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Vizebürgermeister Dominic Hörlezeder von den Grünen kritisiert, dass mit der Absiedlung der Neurologie aus Mauer eine gut funktionierende Struktur mutwillig zerstört wird.
Foto: privat
Grün-Vizebürgermeister Dominic Hörlezeder fordert, die Absiedlung der Neurologie aus Mauer zu stoppen.
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Mit 30. April soll die Verlegung der Neurologie vom Landesklinikum Mauer in die Spitäler in Amstetten und Melk abgeschlossen sein.

Massive Kritik daran kommt nun vom grünen Vizebürgermeister der Stadt Amstetten, Dominic Hörlezeder. „Man sollte diesen Schwachsinn noch stoppen, denn da wird eine funktionierende Struktur zerschlagen, ohne dafür einen adäquaten Ersatz zu schaffen“, schimpft der Gemeindepolitiker.

Das Grundübel ist seiner Ansicht nach der regionale Strukturplan 2025, der die medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherstellen soll. „Eigentlich müsste der seit 2018 vollständig vorliegen, tatsächlich gibt es in Niederösterreich, im Gegensatz zu anderen Bundesländern, aber bisher nur den ersten Teil. Das Land ist da einfach säumig und erfüllt die Vorgaben des Bundes nicht. Dafür ist es auch schon gerügt worden“, berichtet Hörlezeder. Er geht auch nicht davon aus, dass der zweite Teil des Planes vor der Landtagswahl 2023 vorgelegt wird. Das sei wohl ein zu heißes Eisen. „Tatsache ist, dass ständig von Problemen in der Pflege geredet wird, aber das Land die Probleme nicht angeht. Bis 2025 ist das auch gar nicht mehr zu schaffen.“ Politisch sei dieses Versäumnis Landeshauptmannstellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) und Landesgesundheitsrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) anzulasten.

Hörlezeder weist darauf hin, dass der schon vorliegende Teil des Regionalen Strukturplanes im Mostviertel Betteneinsparungen in vielen Bereichen vorsehe: „Zwei Intensivbetten und 63 Chirurgiebetten sollen wegfallen, außerdem 47 im Psychiatrie-Bereich, 25 in der Neurologie und auch noch 28 in der Gynäkologie.“

„Ganze Planung ist wirr“

Die Absiedlung der Neurologie aus dem Klinikum Mauer sei, so der Grünpolitiker, also nur die Spitze des Eisberges, verdeutliche aber, wie „wirr“ die ganze Planung sei. „Ich habe mit verschiedenen Leuten gesprochen, wie viele Betten aus Mauer nun tatsächlich wohin kommen und verschiedene Antworten erhalten. Eigentlich sollte sich das nach dem Regionalen Strukturplan richten, aber da der nur halb vorliegt, können das Land und die Landesgesundheitsagentur da fuhrwerken wie sie wollen“, kritisiert Hörlezeder.

Tatsache sei, dass mit 31. März der erste Teil der Neurologie aus Mauer wegkomme, mit 30. April dann der zweite. „Ab 1. Mai gibt es dort also keine Neurologie mehr. Amstetten soll dann angeblich 76 neurologische Betten haben und Melk 30. Ob diese Zahlen morgen aber nicht schon wieder anders sind, kann niemand mit Sicherheit sagen“, erklärt Hörlezeder.

Aus seiner Sicht wird in Mauer eine sehr gut funktionierende Struktur mutwillig zerstört. „In Melk wird es die 30 Betten vermutlich nur auf dem Papier geben. Denn es fehlt die geeignete Infrastruktur und auch das speziell geschulte Personal. Denn wie ich erfahren habe, springen viele Ärzte ab, und die sind natürlich auch in anderen Kliniken willkommen.“

Hörlezeder ortet in der Absiedlung der Neurologie eher politische Willkür als ein strategisch geplantes Vorgehen. „Es wird einfach drübergefahren und auch wir als Stadtverantwortliche bekommen keine Informationen. 24.000 Menschen haben eine Petition zum Verbleib der Neurologie in Mauer unterschrieben. Eine Umstrukturierung ohne Hirn, wie sie jetzt erfolgt, ist also weder im Sinne der Patienten, noch der Mitarbeiter und auch nicht der Bevölkerung“, betont der Grün-Politiker.

Der Betriebsratsvorsitzende des Landesklinikums Mauer, Wolfgang Schoder, stimmt Hörlezeders Kritik in Sachen Verlegung der Neurologie zu. „Diese läuft alles andere als geordnet ab. Ein Großteil der Mitarbeiter weiß zwar, wo er in zwei Monaten arbeiten wird, bei elf Personen ist das aber noch unklar“, sagt er. Sie fallen zwar unter die Jobgarantie des Landes, aber die Ungewissheit ist natürlich sehr belastend.

Skilift wichtiger als Neurologie

Auch Schoder bestätigt, dass sicher nicht alle Ärzte nach Melk oder Amstetten wechseln werden. Tatsächlich sei nicht ersichtlich, wie die neurologische Versorgung des Mostviertels künftig aussehen werde. Und auch über die zukünftige Ausrichtung des Landesklinikums Mauer sei noch keine Entscheidung gefallen, gute Vorschläge der Klinikleitung bisher nicht aufgegriffen worden. „Tatsache ist, dass man nun mit der Neurologie in Melk einen Leerstand stopft und in Mauer dafür einen großen Leerstand produziert“, sagt Schoder.

Besonders sauer stößt ihm auf, dass die 24.000 Unterschriften für den Erhalt der Neurologie in Mauer von der Landespolitik ignoriert worden seien. „Da sieht man die Wertigkeit. Sie zählen offenbar weniger als die 19.000 Unterschriften für die Lifte in Lackenhof.“

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