Egon Brandl: „Immer nah am Bürger sein“

Egon Brandl war drei Jahrzehnte im Gemeinderat. Die NÖN spach mit ihm über die Politpension.

Erstellt am 19. Juli 2020 | 04:30
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Egon Brandl ist seit Ende Jänner Politrentner. „Für mich war immer wichtig, nahe am Bürger zu sein und stets das Gespräch zu suchen. „Die Leute wollen nicht hingehalten werden. Wenn etwas nicht geht, dann muss man das auch deutlich sagen.“Schleifer-Höderl
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„Wenn man jahrzehntelang in der Politik tätig war, dann lässt einen das nicht von einem Tag auf den anderen los“, sagt Egon Brandl im NÖN-Gespräch. Er bezeichnet sich selbst rückblickend als „g´standenen Kommunalpolitiker“. „Für mich galt immer die Maxime, nah am Bürger zu sein und tunlichst die Parteipolitik aus der Funktion als Ortsvorsteher heraus zu halten. Ich denke, das ist mir auch gelungen.“

Der für die Amstettner Sozialdemokraten so schmerzliche 28. Jänner, ist Brandl noch gut in Erinnerung. „Als ich die ersten Ergebnisse gesehen haben, war mir klar, das war´s jetzt. Freilich war ich gerne politisch tätig und dann vor Augen geführt zu bekommen, jetzt geht´s sich nimmer aus, schmerzt schon. Zwar hätte ich ohnehin in der Halbzeit jemand JüngereM Platz gemacht, aber so war das Aus doch ziemlich abrupt. Ich habe noch am Wahltag entschieden, gleich aufzuhören.“

Dann kam auch noch Corona und der so gesellige SPÖ-Politiker wurde auf seine berufliche Tätigkeit als ÖBB-Einsatzleiter am Bahnhof Amstetten beschränkt. „Man muss erst lernen damit umzugehen. Allmählich wird’s.“ Fast täglich war der heute 59-Jährige in der Ortsvorstehung anzutreffen – wie es eben sein Dienst bei den ÖBB, wo Brandl 25 Jahre Fahrdienstleiter in Amstetten war, zuließ.

Immer in Kontakt mit Mitarbeitern

„Für mich war das selbstverständlich. Ich bin auch, wenn möglich, ein Mal pro Woche zu meinen Leuten auf den Bauhof gefahren. Entweder um Neues von Ulmerfeld-Hausmening-Neufurth zu erfahren oder einfach, um mit ihnen Kaffee zu trinken bzw. zu jausnen. Es war für mich immer wichtig, mit vielen Leuten ins Gespräch zu kommen, stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Bevölkerung zu haben“, erzählt Brandl.

Es allen recht zu machen, sei als Kommunalpolitiker unmöglich. Dennoch sei sie die ehrlichste Form von Politik. „Je weiter man nach oben kommt, um so dünner wird die Luft“, sagt Brandl schmunzelnd. Für „seine“ Gemeindepolitik verzichtete er auch auf das Angebot, in den Landtag zu gehen oder beruflich bei den ÖBB in die Wiener Direktion zu wechseln. „Beides war für mich unvorstellbar und im Nachhinein weiß ich, dass es auch die richtige Entscheidung war.“

Persönlich zieht der ehemalige Ortsvorsteher positiv Bilanz. „Viele Dinge, die ich mir mit meinem Team vorgenommen habe, sind letztendlich auch geglückt. Ich denke da im Besonderen an die Errichtung des Ybbsstegs neben der ÖBB-Brücke oder an das Schloss Ulmerfeld, das mir immer ein großes Anliegen war. Wir haben es mit der Schlägerung der Bäume sichtbar gemacht, Bänke aufgestellt und eine moderne Beleuchtung errichtet. Wichtig bei allen Maßnahmen war mir, die Bevölkerung mit einzubinden. Ein wenig weh tut mir, dass ich das Projekt Stadtsaal Hausmening nicht realisieren konnte. Aber da gab es auch aus den eigenen politischen Reihen viel Gegenwind. Umso mehr freut es mich, dass die neue Stadtführung es nun angeht.“

Zum Wähler immer ehrlich sein

Zum Wähler immer ehrlich zu sein, war Egon Brandl ebenfalls immer wichtig. „Wenn etwas nicht geht, musst du das kommunizieren. Die Leute wollen nicht hingehalten werden. Auch sollte man nichts versprechen, was man nicht halten kann“, betont der SPÖ-Poltiker. In allen seinen Sprechstunden als Ortsvorsteher sei es nur einziges Mal vorgekommen, dass ein Gesprächspartner missmutig davonging. „Das nahm ich damals aber in Kauf.“

Mehr als 1.000 Ehrungen hat Brandl im Laufe der letzten 21 Jahre vorgenommen. „Ob 80., 85. oder 90. Geburtstage oder ob Goldene oder Diamantene Hochzeiten – ich bin immer persönlich zu den zu Ehrenden gegangen. Da habe ich immer viel erfahren. Nicht nur Politisches, sondern auch wie man den Erdäpfelsalat richtig macht. Nämlich zuerst die Marinade aus Essig, Zucker, Salz und Zwiebel über die Erdäpfel geben und zuletzt dann das Öl. Da schmeckt er viel besser.“

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Egon Brandl will sein Handycap am Golfplatz verbessern.
privat

Am 31. März 2021 geht Brandl nach fast 45 Dienstjahren bei den ÖBB auch in den beruflichen Ruhestand. „Auch meine Gattin Ulrike, mit der ich 40 Jahre verheiratet bin, geht dann in Pension. Da müssen wir uns dann etwas überlegen, weil wir es gar nicht gewohnt sind, viel Zeit miteinander zu haben“, sagt Egon Brandl und lacht. „Aber wir packen das sicher!“ Leid tue ihm, dass er viel zu wenig Zeit für seinen heute erwachsenen Sohn hatte. „Ich kann es nicht mehr rückgängig machen. Auch für meine Enkelsöhne, den 15-jährigen Nico und den 12-jährigen Dominik, habe ich nicht die Zeit aufwendigen können, die ich eigentlich mit ihnen verbringen wollte. Aber ab April 2021 ist dann vieles möglich, obwohl ich weiß, dass man Versäumtes niemals nachholen kann.“

Brandl freut sich auch schon darauf, mehr Zeit zum Golfen zu haben. „Ich spiele seit 27 Jahren und stehe derzeit bei Handicap 13. Ich möchte auch wieder beginnen zu fischen und Schwammerl zu suchen. Fad wird mir sicher nicht.“

Grund zum Freuen gibt es für Brandl schon demnächst, denn am 31. August wird ihm der Ehrenring der Stadt Amstetten in Gold für 30 Jahre Gemeinderatsmitglied und 21 Jahre Ortsvorsteher verliehen. „Ich geh‘ jetzt noch zur Anprobe, weil passen soll er schon!“, sagt Brandl.