Dosch: „Leute sollen mit Lächeln aus Theater gehen“

Erstellt am 09. September 2020 | 04:55
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Dosch
Regisseur Wolfgang Dosch.
Foto: Janosch
Die Proben für die Blindenmarkter Opernrevue laufen. Regisseur Wolfgang Dosch erklärt der NÖN, warum er die Menschen an diesem Abend glücklich machen will.
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Die Herbsttage Blindenmarkt lassen sich von der Corona-Krise nicht unterkriegen und präsentieren statt der geplanten Lehar-Operette „Der Graf von Luxemburg“ eine Operettenrevue unter dem Motto „Freunde, das Leben ist lebenswert“. Sie schreiben das Buch und inszenieren die Revue. Gleich vorweg: Was darf sich der Besucher erwarten?

Wolfgang Dosch: Einen glücklichen, „lebenswerten“ Abend mit den besten, mitreißendsten, schönsten, stimmungsvollsten Nummern aus dem Zauberland der Operette, wunderbar gesungen und rasant getanzt von einem erstklassigen jungen Star-Ensemble in höchst ästhetischer „haute-couture“- Ausstattung.

Sie wollen feiern? Das Leben, die Operette, ihre größten Meister und ihre Jubiläen. Wie wird das auf die Bühne gebracht?

Dosch: Wir wollen feiern, weil wir Grund genug haben: 150 Jahre Franz Lehár und Oscar Straus, 140 Jahre Robert Stolz, 125 Jahre Nico Dostal-Meister, denen wir so viel Schönheit, Glück und Melodien verdanken! Es wird meisterhaft gesungen, getanzt und gespielt von einem grandiosen jungen Ensemble von „Stars von morgen“, begleitet von einem hochkarätigen Salonorchester voll Herz und Swing, wie immer unter der Leitung des „Blindenmarkter Generalmusikdirektors“ Kurt Dlouhy und in einer wunderschönen und stimmungsvollen Ausstattung: Marcus Ganser hat ein brillantes Revue-Bühnenbild, nicht nur mit opulenter Showtreppe, sondern mit vielen überraschenden Effekten gebaut, und Irina Hofer kleidet unser fesches Ensemble in jeder Nummer in neue, atemberaubende Kostüme. Schauwert, Hörwert maximal!

Ist diese Revue auch als ein Statement zu verstehen, dass diese ungewöhnliche Zeit auch ein Umdenken verlangt und dass man trotz der Vorschriften Unterhaltung anbieten kann?

Dosch: Ich denke, eine der wesentlichen Aufgaben des Theaters und der Operette im Besonderen ist es, Menschen zu beglücken. „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“, heißt es in der österreichischen „Überlebens-Bibel“, der „Fledermaus“. Wir feiern nicht zum Trotz, sondern weil es eine unserer ehrenwertesten Aufgaben ist, unser Publikum glücklich zu machen! Die Menschen sollen leichter, fröhlicher und auch „besser“ aus dem Theater gehen, als sie hineingegangen sind. Mit einem Lächeln auf den Lippen und im Herzen. Lächelnde Menschen sind die besseren. Und Operette ist eben „das Lächeln auf dem Antlitz der Kunst“.

Welchen Stellenwert nimmt bei Ihnen die Operette ein, sowohl als Sänger als auch als Regisseur?

Dosch: Theater, Musiktheater und Operette sind für mich „Überlebensmittel“. Ich habe die Operette singend, tanzend, als Regisseur, als Wissenschafter und auch als Professor an der MUK (Musik und Kunstprivatuniversität) „erlebt“: etwa 60 Operettenrollen an über 2.000 Abenden und über 70 Inszenierungen. Ich liebe diese Kunstform, weil sie so vielseitig und vielschichtig ist, so viele Möglichkeiten gibt und Fähigkeiten erfordert. Operette ist für mich sowohl als „Batterie für Glückseligkeit“ von Bedeutung, aber auch als ein besonders schillerndes Steinchen in dem vielfarbigen Mosaik unserer österreichisch-mitteleuropäischen Kultur. Theater mit Herz, Hirn und Humor, Unterhaltung mit Haltung.

Welche Bedeutung hat für Sie das Festival „Herbsttage Blindenmarkt“ und was wünschen Sie sich für die Zukunft dieses einzigartigen Erfolgsprojektes?

Dosch: Intendant Michael Garschall hat hier tatsächlich Einzigartiges geleistet. Von Null auf 200! Das kann man gar nicht genug bewundern und bedanken. Gerade, wenn einem diese Kunstform so lieb ist, wie mir. Viele Theater und Intendanten wollen das ja auch, aber sie gehen mit nicht entsprechenden stilistischen Mitteln und Werkzeugen an die Arbeit. Und „gut gemeint“ ist ja bekanntlich oft das Gegenteil von gut. So wird die Operette mit Schlagworten wie „aufwerten“, „entstauben“ so „ernstgenommen“, bis sie durch oftmals relativ ungekonnte, unerfreuliche, stilistisch misslungene Theaterabende als Tragödie endet. Ich wünsche mir und den Herbsttagen weiterhin ein möglichst beglücktes Publikum, gerade hier gelingt es ja immer perfekt!

Wie haben Sie persönlich die letzten Monate verbracht?

Dosch: Neben Projekten in Deutschland und in Österreich habe ich mich vor allem auch für die „Herbsttage Blindenmarkt“ und unseren geplanten „Graf von Luxemburg“ vorbereitet. Nun arbeite ich seit einigen Monaten an der Revue „Freunde, das Leben ist lebenswert!“. Denn das soll ja nicht eine beliebige Abfolge beliebter Nummern aus der hundertjährigen Operettengeschichte sein, sondern auch als Theaterabend mitreißen und braucht daher Aufbau, Rhythmus, Stil, Ästhetik mit Herz, Hirn und Humor: Sa trifft Lehárs „Paganini“ mit Oscar Straus‘ traumhaftem „Reigen-Walzer“ auf Robert Stolz‘ steppende „Klingelfee“, die sich nach Nico Dostals virtuosem „Koloraturfoxtrott“ ebenso sehnt wie nach „Spiel auf deiner Geige das Lied von Leid und Lust!“, denn „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?“ (Oscar Straus) und wird schließlich ganz stürmisch mit „Zwei Herzen im Dreivierteltakt!“, denn „Jung san ma, fesch san ma!“

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