„Wiener Blut“: Modern und mit einem Extraschuss Farben

Regiedebütantin Daniela Fally gelingt eine kluge, witzige sowie bunte Inszenierung der Operette „Wiener Blut“ von Johann Strauss, die bei den Herbsttagen Blindenmarkt frenetisch umjubelt wurde.

Erstellt am 09. Oktober 2021 | 11:26

Dass man Operette heutig, modern und dennoch werkgetreu auf die Bühne bringen kann, erlebt man bei den Herbsttagen Blindenmarkt.

Intendant Michael Garschall, ein bewundernswert aktiver Fürsprecher des Genres Operette, weiß, wie man das treue Publikum behält und neues lukriert. Immer wieder gelingen ihm Überraschungen. Die 32. Herbsttage erleben eine besondere Operetteninszenierung. Daniela Fally, die quasi von Garschall zu ihrer ersten Regie verführt wurde, liefert mit „Wiener Blut“ von Johann Strauss ein exquisites, szenisch buntes Regiedebüt ab. Sie siedelt die Geschichte rund um den notorisch untreuen Balduin Graf Zedlau sowie dreier Paare, die letztlich zusammenfinden, in der Gegenwart an. Immer wieder wird auf die aktuelle politische Situation im Land angespielt, wie etwa mit Aktenkörben für den U-Ausschuss (das U- steht hier für Untersuchung und nicht für Unterhaltung) und mediale Wortmeldungen, die für Lacher sorgen. Alles ist klug, witzig, bunt und herrlich eingebaut.

Marcus Ganser und Sam Madwar sorgen mit ihren genialen Einfällen, wie etwa mit dem multimedialen Tortenkarussell und den Weinlauben für einen speziellen Augenschmaus. Erwähnenswert sind die tollen Kostüme, die für Entzückung sorgen. Aber auch die schauspielerische und musikalische Seite kann mit der szenischen mithalten. Alles funktioniert auf wunderbare Art und Weise auf Augenhöhe. Das liegt einerseits an Dirigent Kurt Dlouhy, der mit seinem Salonensemble des Kammerorchesters Ybbsfeld die Partitur fein aufpoliert hat und somit mit temperamentvoller Musik zu begeistern vermag.

Überragend und phänomenal ist auch die Besetzung

Clemens Kerschbaumer als Balduin Zedlau punktet mit tenoralem Schmelz und darstellerischer Präsenz, Sarah Tuleweit spielt als Gräfin Gabriele ihr Talent voll aus. Andreas Sauerzapf brilliert in der Rolle als Kammerdiener Josef, Willi Narowetz als Karussellbesitzer Kagler sorgt mit seiner originellen Art für besondere Stimmung. Katrin Fuchs bezaubert als kernige, verführerische Probiermamsell Pepi. Auch die kleineren Rollen, wie Köchin Anna (Gabriele Schuchter), Kutscher (Marcus Ganser) oder Demoiselle Cagliari (Kerstin Grotrian) agieren frisch und tadellos und das Ballett liefert zündende Einsätze.

Insgesamt ist die Operette „Wiener Blut“ in Blindenmarkt wie sie sein soll, aber noch mit einem Extraschuss bunter Farben und trotzdem einem gewissen Tiefgang.

Verdiente Standing Ovations!