Garschall im Interview: „Spektaktel ist garantiert“. Herbsttage-Intendant Michael Garschall über die neuen Pläne für die Blindenmarkter Herbsttage.

Von Leopold Kogler. Erstellt am 01. August 2020 (04:14)
Michael Garschall über die Zukunft der Herbsttage.
Herbsttage

NÖN: Sie haben lange zugewartet und gehofft, die geplante Operette „Der Graf von Luxemburg“ doch noch in Blindenmarkt aufführen zu können. Also kurz gefragt, es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht?

Michael Garschall: Auch wir haben gehofft, dass der „Graf von Luxemburg“ im Herbst umsetzbar ist. Mit fast 100 Mitwirkenden und Mitarbeitern auf und hinter der Bühne ist die Operette allerdings nicht durchführbar. Weiters ist mit einem halb besetzten Zuschauerraum die Finanzierung des Projektes unmöglich. Die Gesundheit und Sicherheit von Publikum und Künstlern ist das oberste Ziel, das versteht sich von selbst. Ebenso muss die ganz besondere Blindenmarkter Atmosphäre gewahrt bleiben, ich denke, das haben wir mit dem neuen Programm geschafft.

Sie haben rasch reagiert und eine Operettenrevue kreiert. Was darf sich der Besucher darunter vorstellen?

Garschall: Die Operettenrevue „Freunde, das Leben ist lebenswert“ hat am 9. Oktober Premiere. Es singen die Stars der geplanten Operette und wir feiern die Jubiläen von Robert Stolz, Franz Lehár, Nico Dostal und Oscar Straus. Im Sinne einer klassischen Revue gibt es eine große Ausstattung. Opulente Kostüme sind da ein Muss. Das etwas kleinere Orchester sitzt auf der Bühne und unser Ballett fehlt auch nicht. Ein Spektakel ist also garantiert. Ich freue mich sehr auf dieses Unterfangen! Vorerst sind fünf Vorstellungen geplant, bei großer Nachfrage verlängern wir.

Wie laufen die Vorbereitungen für die Herbsttage im Allgemeinen?

Garschall: Der Vorverkauf war wie immer gigantisch. Unser Publikum hat ab 7. August die Möglichkeit, gekaufte Karten umzutauschen oder mit uns andere Lösungen zu finden. Ab 1. September beginnt der allgemeine Kartenverkauf für den „neuen“ Herbst. Unsere so erfolgreiche „Pippi Langstrumpf“ kommt am 18. und 25. Oktober, auch die Matinee „Gscheit geblödelt“ am 11. Oktober findet statt, der Kabarettist Michael Scheruga trumpft am 21. Oktober auf. Wir haben ein Covid19-Team, alles ist gut organisiert, maximal 300 Gäste werden sich in der Ybbsfeldhalle wohl und sicher fühlen.

Die Schadensbilanz für die Kulturbranche ist groß. Viele sprechen von einem enormen Verlust. Wie ist hier Ihre Einschätzung?

Garschall: Die große Katastrophe kommt erst 2021. Die Auswirkungen der Krise werden wir erst in den nächsten Jahren spüren. Gott sei Dank sind die „Herbsttage“ gut aufgestellt und haben die Marktgemeinde Blindenmarkt, das Land Niederösterreich und viele Sponsoren im Rücken! Viel zu oft wird aber auf das Publikum vergessen. Wann hat es wieder Lust ins Theater zu kommen? Wird es große finanzielle Einschränkungen für uns alle geben?

Müssen wir aufgrund der Corona-Zwangspausen in Zukunft mit weniger beziehungsweise kleineren Veranstaltungen rechnen?

Garschall: Alle müssen wir uns einschränken, das betrifft ja nicht nur die Kultur. Aber kaum ein Festival hat so einen Fankreis wie Blindenmarkt, wir können uns auf unser Publikum verlassen. Das gilt natürlich auch umgekehrt. Das Publikum geht mit uns, was immer da noch auf uns zu kommen mag. Nur ein Beispiel: Unser Förderverein hat in den letzten Monaten über 70 neue Mitglieder gewonnen! Eine kleine Sensation.

Gehen Sie davon aus, dass im Jahr 2021 die Herbsttage wieder „normal“ stattfinden können?

Garschall: Wir hoffen sehr, dennoch heißt es abwarten. Das Programm für 2021 werden wir im Oktober bekannt geben. Pläne haben wir ja schon für die nächsten fünf Jahre.