St. Georgner Topothek als Hort der Erinnerung. Seit über einem Jahr lädt die St. Georgner Topothek zum Besuch ein. Und lockt mit vielen spannenden Geschichten.

Von Peter Führer. Erstellt am 14. Februar 2021 (04:57)
Die Topothekare bei einer Besprechung im Vorjahr (vor Corona). Vorne von links: Adi Gallhuber, Alfred Traindt, Karl Bruckner und Georg Hahn. Hinten: Georg Gallhuber, Gerhard Fink, Hans Kashofer, Karin Ebner und Reinhold Hiemetsberger.
Margit Gallhuber

Seit 2019 verfolgt das Team rund um die Topothek das Ziel, Fotos aus den vergangenen Jahrzehnten (und Jahrhunderten) zu speichern, zu digitalisieren und unter st-georgen-ybbsfelde.topothek.at der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Mittlerweile finden sich bereits 3.755 Einträge in der Sammlung. Dabei sind nicht nur Bilder, Videos oder Audioaufnahmen aufrufbar, vielmehr finden sich auch viele spannende Geschichten aus dem Gemeindeleben.

Highlights sind etwa ein 160 Seiten starkes Kriegstagebuch des Matzendorfers Josef Wiesinger, der über seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) berichtet, sowie eine Fotoaufnahme, welche das Thailändische Königspaar zeigt, das 1964 im Gasthaus Himmetsberger Rast machte.

Weiters findet man von Gallhuber recherchierte Informationen zu 31 verstorbenen Soldaten, deren Namen am Kriegerdenkmal aufscheinen. Oder über den Aufenthalt des Künstlers Gustav Kokerle, der zeitweise in Krahof lebte. Auch die Mutter das Regisseurs Franz Antel („Der Bockerer“) hat St. Georgen-Bezug. Sie wurde in Leutzmannsdorf geboren.

Teil der Sammlung ist zudem das älteste Totenbild aus dem Jahr 1873 oder eine Audioaufnahme aus 1969, in der Kommandant Josef Fink die Geschichte der Feuerwehr erzählt.

„Topothek gewinnt mehr und mehr an Dynamik“

Täglich kommen etwa 35 Besucher in die Topothek. „Das Ganze gewinnt an Dynamik und es gibt auch immer wieder ‚Peaks’. Etwa nach dem Tod von Pfarrer Josef Lammerhuber, da gingen die Zahlen sehr stark nach oben. Da hatten wir plötzlich 1.000 Aufrufe“, berichtet Gallhuber.

Dabei sind die Besucher bei Weitem nicht nur St. Georgner, sondern auch viele Weggezogene. So klicken sich auch Menschen aus Deutschland, Kanada oder den USA durch die Beiträge. „Es gibt sehr viele Reaktionen von Weggezogenen und viele helfen uns auch bei der Beantwortung von Fragen zu Bildern“, ergänzt Gemeindearchivar und Topothekar Alfred Traindt. Er hat für die insgesamt neun Topothekare im Ort Stammtische geleitet, um einheitliche Eingaberegeln festzulegen und Tipps zu besprechen. Genützt wird das Angebot auch im Seniorentageszentrum, wo die „Biografie-Arbeit“ genützt wird, um das Gedächtnis zu fördern.

„Die Fotos bilden da eine Brücke zur Erinnerung, die auch als Therapie verwendet werden kann“, weiß Traindt. Manche Jüngere besuchen ihre älteren Familienmitglieder zuhause bereits regelmäßig, um stundenlang in der Topothek „Fotos zu schauen“.

Dank der 6.000 Schlagwörter dient die Topothek als umfangreiche Möglichkeit, in die Vergangenheit einzutauchen. Und dabei vielleicht das eine oder andere noch Unbekannte zur St. Georgner Geschichte zu erfahren. Immer wieder finden sich übrigens auch Verweise zur Gemeindechronik, die 2011 erschienen und nach wie vor käuflich bei der Gemeinde zu erwerben ist. Diese hält noch weitere Informationen bereit.