Betroffene in Neuhofen: "Das Wasser stieg immer höher"

Zwei Betroffene schildern, wie schnell der Pegel anstieg und welche massiven Schäden das Hochwasser mit sich brachte.

Heribert Hudler Erstellt am 28. Juli 2021 | 05:37

Zahlreiche Menschen kämpften und kämpfen seit 18. Juli mit den Folgen des Hochwassers. Dieses führte zu Überflutungen in Kellern, Gärten, aber auch in Wohnräumen. Stellvertretend für viele andere war auch Jessica Fichtinger aus Ferschnitz vom Wassereinbruch betroffen.

Sie lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern und ihren Eltern in einem Wohnhaus in Ferschnitz. „Es hat sich nicht mehr aufhalten lassen. Wir haben probiert, Barrikaden aufzubauen. Auch Nachbarn sind gekommen und haben geholfen, aber es ließ sich nicht aufhalten. In der Garage ist das Wasser einen guten Meter tief gestanden. Auch bei der Haustür ist es reingekommen“, schildert sie.

„Wir waren völlig überrascht“

Unter Wasser standen auch Wohnzimmer, Küche, Bad und Klo. Zudem mussten die Pellets händisch ausgeräumt werden, den zerstörten Boden im Wohnzimmer riss die Familie mit Helfern ebenfalls heraus. Die Dämmung war ebenso völlig durchnässt. Mit den Arbeiten wird man noch länger beschäftigt sein. Fichtinger erzählt, dass es am Tag des Hochwassers ganz schnell gegangen sei.

„Wir waren völlig überrascht. Am Vormittag hab ich noch bei anderen Hochwasser-Betroffenen geholfen. Dann hat meine Tochter angerufen und gemeint, wir schwimmen ebenfalls schon. Da wäre ich schon fast von Rudling nicht mehr raufgekommen“, blickt sie zurück. Erschwerend sei gewesen, dass das Wasser gleich zwei Mal kam.

Beim zweiten Mal sind dann auch Moped und Gefriertruhe geschwommen. „Der Bach ist das letzte Mal 1986 übergegangen, von dort ist das Wasser gekommen“, weiß Fichtinger. Großen Dank spricht sie ihren Freunden und Nachbarn aus. „Ich glaube, da hat es eine Whatsapp-Gruppe mit Menschen vom Sonnenhang gegeben. Die haben auch mit einer Pumpe geholfen und sind dann noch zu anderen Häusern gefahren. Wir wollen uns bei allen bedanken, die uns und allen anderen Betroffenen geholfen haben“, sagt Fichtinger.

Wasser kam schubweise mit den Blitzen

Dramatisch war die Lage auch in der Gemeinde Neuhofen. Der anhaltende Starkregen führte zu zahlreichen Überflutungen entlang des Elzbaches und auch im Gemeindegebiet. Schwer betroffen waren auch die Anwesen der Familien Beer, Bauer und Weinhart.

„Das Rückhaltebecken hat auf jeden Fall Schlimmeres verhindert, es ist intakt, aber war überfüllt. Wenn wir es nicht gehabt hätten, dann wäre es noch schlimmer gewesen“, sagt Karl Rudolf Beer, der auch berichtet, dass das Wasser bis auf zwei Zentimeter beim Türstaffel stand: „Gott sei Dank haben wir im Haus kein Wasser gehabt“. Schlimmer erwischte es die Familie Bauer und auch die Familie von Doktor Josef Weinhart. Sie hatten das Wasser im gesamten Haus.

Beer berichtet weiter: „Am Sonntag in der Früh hat es mit den Starkregenfällen begonnen. Es kam so schubweise mit Blitzen. Es waren so sechs bis sieben Zellen und bei der fünften Zelle machte ich mir Sorgen, da das Wasser immer höher stieg. Wir hatten danach einen Anruf bekommen, dass das Hochwasserbecken in der Amesleiten übergelaufen ist und danach ging alles sehr schnell.“

„Nachdem die Lage stabil geworden ist, haben wir versucht, zu retten, was noch zu retten ist.“ Betroffener Rudolf Beer

Beer schildert, dass man in den ersten Stock des Hauses ging. Ob der Damm am Hochwasserbecken gebrochen war, blieb unklar. „Nachdem die Lage stabil geworden ist, haben wir versucht, zu retten, was noch zu retten ist. Nach ungefähr drei Stunden ist das Hochwasser schön langsam wieder zurück gegangen. Danach konnten wir mit dem Aufräumen beginnen“, führt der Neuhofner weiter aus.

Es sei ein großes Glück gewesen, dass es nur materielle Schäden gab. Ein Auto war sogar ein Totalschaden. „Schwerer getroffen hat es allerdings unsere Nachbarn, die das Wasser auch im Wohnbereich hatten“, so Beer. Auch der Keller des Bestattungsgebäudes stand unter Wasser und musste ausgeräumt werden. Als dann am vergangenen Sonntag seitens der Bezirkshauptmannschaft die nächste Unwetterwarnung kam, begann die Familie wieder mit den Sicherungsmaßnahmen am Gebäude.