Bezirk Amstetten: Keller überflutet, Brücke zerstört. Bewohner, Feuerwehren und Helfer im Dauereinsatz. Besonders betroffen waren Ferschnitz, Euratsfeld und Neuhofen.

Von Peter Führer. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:55)

Dramatisch war die Lage am vergangenen Sonntag in mehreren Gemeinden. Der anhaltende Starkregen führte zu zahlreichen Überflutungen. In Ferschnitz und Neuhofen musste der Zivilschutzalarm ausgelöst werden. Am Montag wurden Euratsfeld, Ferschnitz und Neuhofen zum Katastrophengebiet erklärt. Ein Überblick über die Ereignisse:

Ferschnitz

Hier standen zahlreiche Keller unter Wasser, die Feuerwehr war im Dauereinsatz, wie auch zahlreiche private Hilfsinitiativen aus der Nachbarschaft. Straßen wurden stark in Mitleidenschaft gezogen, auch die Sportanlage wurde überflutet. Bei der Hametmühle wurde ein Teilstück zerstört wie auch die Brücke in Günzing. Ganz dramatisch war die Situation bei einem Haus: Hier rutschte der Hang auf das Gebäude.

„Das war das ärgste Hochwasser, das ich je erlebt habe. Das letzte starke Hochwasser war 1989, aber dieses Mal war es bei Weitem schlimmer“, zeigt sich Ferschnitz’ Bürgermeister Michael Hülmbauer erschüttert. Die Aufräumarbeiten dauerten auch in den vergangenen Tagen noch an. Die Zufahrt über die Hohe Brücke, Günzing oder die Hametmühle war, beziehungsweise ist, nach wie vor gesperrt. „Es hat in 12 Stunden 270 Liter geregnet. Das hat man normalerweise in drei bis vier Monaten“, berichtet Hülmbauer, der allen Helfern seinen Dank aussprach.

Euratsfeld

In Euratsfeld traten die Zauch und der Gafring-Bach übers Ufer. Die Feuerwehr zählte bis zum Abend etwa 60 Einsätze. „Das Hochwasser hat das Jahr 1989 übertroffen“, schildert Euratsfelds Bürgermeister Johann Weingartner die Lage vor Ort. Zu Schäden sei es bei vielen landwirtschaftlichen Kulturen gekommen.

Auch der Güterweg Aukenthal wurde zerstört, wie auch die neu asphaltierte Straße Richtung Hochkogel. In Euratsfeld standen ebenfalls viele Keller unter Wasser und mussten ausgepumpt werden. „Diesen Wassermassen und dem Unwetter ist man nicht gewachsen“, sagt Weingartner. Man müsse auf diese Auswirkungen der Klimaerwärmung dringend reagieren.

„Da sind wir alle gefragt, uns in den nächsten Jahren etwas zu überlegen. Das wird vielleicht auch unpopuläre Maßnahmen brauchen. Die Herausforderung wird sein, dass wir die Bevölkerung mitnehmen. In Wahrheit sind einschneidende Maßnahmen notwendig“, so Weingartner. Die Klimaprobleme könne man allerdings nicht lokal oder in Österreich lösen. Es bedürfe einer internationalen Zusammenarbeit.


Neuhofen

Hier retteten die Feuerwehrmitglieder eine ältere Dame mit ihrer Enkelin aus einem Gebäude. Trotz Rückhaltebecken wurden viele Keller überflutet, es gab zahlreiche Hilfsinitiativen aus der Nachbarschaft. Die Feuerwehr stand im Dauereinsatz. Erst am Abend beruhigte sich die Lage. „Das Rückhaltebecken hat auf jeden Fall Schlimmeres verhindert, es ist intakt, aber war überfüllt. Wenn wir es nicht gehabt hätten, dann wäre es noch schlimmer gewesen“, erklärt Bürgermeisterin Maria Kogler.

Zerstört wurden auch die Fußballplätze. Die Feuerwehr berichtete regelmäßig über die Schäden. „In der Kothmühle stand das Wasser einen halben Meter hoch im Keller, zahlreiche Helfer brachten mit zwei Pumpen das Wasser aus dem Gebäude“, blickt Kogler zurück.


St. Georgen/Y

„Gestern war es für unsere Kameraden ein Tag, den es so noch nicht gegeben hat“, schreibt die Freiwillige Feuerwehr St. Georgen/Y. auf ihrer Facebook-Seite. Die Pager läuteten im Minutentakt. Die Feuerwehrmitglieder wurden zu zahlreichen Auspump-, und Hochwasserarbeiten alarmiert. Erst am Abend konnte man sich dann um den Keller im Feuerwehrhaus kümmern, denn auch dieser stand unter Wasser.

Viehdorf

Unter Wasser stand eine Werkstatt in Hainstetten. Die Feuerwehr Viehdorf verhinderte das Eindringen von Motoröl in die Kanalisation dank Ölsperre und Ölbindemittel und setzte danach die Auspumparbeiten fort. Auch der Keller eines Einfamilienhauses stand unter Wasser. Die Florianis rückten mit Tauchpumpen und Nass-Sauger zum Einsatz aus. Nach vier Stunden Einsatzzeit konnten die 26 Feuerwehrmitglieder ihre Einsatzbereitschaft dann wieder herstellen.