Amstettner Haabergbach wird gezähmt. Spatenstich für das Großprojekt bei Haabergbach, Mühlbach und Ybbs wird am 21. Oktober erfolgen.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 15. Oktober 2019 (04:07)
ÖVP
Beim Lokalaugenschein: Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Christian Haberhauer und Gemeinderat Johann Ebner freuen sich über den baldigen Bau des Hochwasserschutzprojektes „Haabergbach“.

Das Hochwasserschutzprojekt Haabergbach wird endlich umgesetzt. Am 21. Oktober erfolgt der offizielle Spatenstich. Rund 2,1 Millionen Euro werden investiert. Bund und Land steuern jeweils 758.100 Euro bei, die Stadt muss 583.800 Euro zahlen. Mit dem Projekt sollen die Liegenschaften in der Waidhofnerstraße künftig vor Überflutungen geschützt werden. Zuletzt standen dort ja im Sommer 2009 etliche Häuser unter Wasser.

Das Konzept sieht vor, dass bei einem Hochwasser des Haabergbaches die Fluten über den Mühlbach (dessen Fließrichtung zu diesem Zweck durch neu zu errichtende Schutzanlagen umgedreht werden kann) in die Ybbs oberhalb der Eisenbahnunterführung eingeleitet werden. Kommt es umgekehrt zu einer Flut in der Ybbs, will man durch rechtzeitiges Schließen der Schleusen verhindern, dass unkontrolliert Wasser aus dem Fluss in den Mühlbach strömt. Dass dieses Prinzip funktioniert, hat die Stadt schon im Mai 2014 bewiesen. Damals wurde die Verbindung zwischen Ybbs und Mühlbach provisorisch dichtgemacht.

Das Tauziehen um die Verwirklichung des Vorhabens zog sich über viele Jahre hinweg, denn vor allem die Grundablöseverhandlungen gestalteten sich schwierig. „Wir standen schon kurz vor einem Enteignungsverfahren, da die Rathausführung mit einzelnen Grundeigentümern keine Einigung erzielen konnte. Da es dabei in Wahrheit nur Verlierer gibt, habe ich nochmals alle Beteiligten zum Gespräch gebeten und wir konnten infolge eine Lösung finden“, beansprucht VP-Gemeinderat Johann Ebner da die Lorbeeren für sich. Gemeinsam mit dem VP-Spitzenkandidaten für die Gemeinderatswahl Christian Haberhauer und Landeshauptmannstellvertreter Stephan Pernkopf hat er in der Vorwoche der künftigen Baustelle einen Besuch abgestattet.

„Ebner schmückt sich mit fremden Federn“

Bürgermeisterin Ursula Puchebner (SP) ist überrascht, dass Pernkopf zwei Wochen vor dem offiziellen Spatenstich zum Haabergbach gekommen ist. „Denn wir haben uns in den vergangenen Monaten mehrfach um einen gemeinsamen Termin bemüht, weil wir ja in der Vergangenheit schon öfter wichtige Schutzprojekte gemeinsam gestartet haben. Aber offenbar gehen die Uhren im Gemeinderatswahlkampf anders.“ Nur so sei es auch erklärbar, dass Ebner das von der Verwaltung erzielte Verhandlungsergebnis mit den Grundbesitzern nun als seinen Verdienst reklamiere.

Denn die Übereinkunft sei das Ergebnis eines jahrelangen aufeinander Zugehens zwischen Stadt und Grundeigentümern gewesen. „Trotz einer Vielzahl von Gesprächen konnte lange keine Einigung mit einzelnen Eigentümern erzielt werden. Da die Lage immer schwieriger wurde, haben wir im Jahr 2012 den einstimmigen Beschluss im Gemeinderat gefasst, für dieses so wichtige Schutzprojekt in letzter Konsequenz auch das Zwangsrecht der Enteignung geltend zu machen. Zugleich habe ich immer wieder, gemeinsam mit der Verwaltung, Vorschläge für einen Kompromiss ausgearbeitet“, sagt Puchebner.

Im Jahr 2015 hab dann endlich auch der letzte Grundeigentümer zugestimmt. Ebner wolle sich da nun mit fremden Federn schmücken. „Das ist für mich deshalb nicht akzeptabel, weil auf diese Weise die Leistung der Mitarbeiter in der Verwaltung geschmälert wird“, betont die Stadtchefin.

Das Projekt selbst hat aus Sicht Puchebners eine zentrale Bedeutung für die Stadt. „Denn immerhin können wir dadurch künftig 84 Objekte und 191 Bewohner vor Überflutungen bewahren.“