Bezirk Amstetten: Teuerungswelle ist angekommen

Erstellt am 23. März 2022 | 04:16
Lesezeit: 4 Min
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Jeden Samstag werden im Rahmen der „Team Österreich Tafel“ an der Bezirksstelle des Roten Kreuzes St. Peter/Au bis zu 550 Kilogramm Lebensmittel an jene ausgegeben, die diese dringend benötigen. Josef Kaltenböck (3.v.rechts) und Alois Heiss als dessen Stellvertreter (6.v.rechts) organisieren die Ausgabe, die von Freiwilligen geleistet wird.
Foto: Penz
Preissteigerungen sorgen bei immer mehr Menschen für Kopfzerbrechen.
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„Was wir bei den Beratungen erleben, ist unglaublich. Wir haben Menschen mit Tränen in den Augen bei uns gehabt. Viele können sich die Preissteigerungen nicht mehr leisten. Strom ist bis zu 139 Prozent teurer, Gas um 455 Prozent. Die Leute wissen nicht mehr, wie sie das alles bezahlen sollen“, schildert Robert Schuster, Leiter der Bezirksarbeiterkammer, die aktuelle Situation. Die Teuerungswelle führe zu massiven Problemen. „Die Top-Verdiener können sich das vielleicht leisten, aber die Mittelschicht und natürlich auch Menschen mit niedrigerem Einkommen merken es ordentlich“, analysiert Schuster.

„Die aktuellen Maßnahmen sind zu wenig“

Die Erhöhung des Pendlereuros und der Pendlerpauschale decke das alles niemals ab. „Und beim Kilometerpreis haben wir immer noch 42 Cent. Die hatten wir schon, als der Sprit noch 1 Euro pro Liter gekostet hat. Jetzt sind wir bei 2 Euro, da gehört dringend was gemacht. Die Maßnahmen sind zu wenig“, ist Schuster überzeugt.

Er verweist diesbezüglich auch auf den von der Arbeiterkammer Niederösterreich vorgestellten Energiebonus als eigene Unterstützungsmaßnahme. Arbeiterkammer-Mitglieder mit geringen Einkommen erhalten eine Unterstützung von 200 Euro pro Haushalt. Bis zu zwei Millionen Euro werden dafür bereitgestellt. Man fordere allerdings weitere Maßnahmen, um Menschen zu unterstützen: Wichtig seien stabile und leistbare Energie-Tarife, niedrigere Spritkosten und der Ausbau des öffentlichen Verkehrs.

Außer bei Gas und Energie gibt es bei Lebensmitteln ebenfalls einen Preisanstieg, der die Situation noch weiter verschärft. Schuster blickt daher gespannt auf die nächsten Lohnverhandlungen. „Da muss es in den zweistelligen Bereich gehen, sonst können sich die Leute nichts mehr leisten und das betrifft dann viele weitere Branchen, zum Beispiel die Reisebranche“, sagt Schuster.

Höhere Nachfrage bei Tafel und Soogut-Markt

Die spürbaren Teuerungen bei den Lebensmitteln seien insbesondere für Menschen, die mit wenig Geld ihren Alltag bestreiten müssen, verheerend. Das berichtet auch der Soogut-Markt Amstetten. Man stelle fest, dass neben Mindestpensionisten und Alleinerzieherinnen die Zahl der Menschen, die trotz Arbeit zu wenig Geld zum Leben verdienen, stetig wächst. Eine Anhebung der Preise in den soogut-Sozialmärkten kommt für den Geschäftsführer Wolfgang Brillmann nicht in Frage. Eine Herausforderung sei, dass die Warenabholungen aufgrund der höheren Transportkosten teurer wurden. „Wieder einmal trifft es genau die Menschen besonders hart, die ohnehin mit wenig Geld auskommen müssen. Eine Teuerung der Lebensmittel ist keineswegs zumutbar!“, betont Geschäftsführer Wolfgang Brillmann, dass eine Anhebung der Preise in den soogut-Sozialmärkten nicht infrage komme.

Beim „Team Österreich Tafel“ an der Rot-Kreuz-Bezirksstelle St. Peter ist schon im gesamten letzten Halbjahr ein fortwährender Zuwachs an Kunden – vorwiegend aus Syrien stammende Asylwerber – festzustellen, an die Lebensmittel ausgegeben werden. „Es sind derzeit an die 50 Familien oder Einzelpersonen, denen wir wöchentlich Unterstützung geben können“, schildert Teamleiter Josef Kaltenböck, der überzeugt ist, dass die Teuerungswelle für potenzielle Klienten wohl erst in den nächsten Wochen so richtig spürbar werden wird. Natürlich werde zukünftig zudem auch noch mit Flüchtlingen aus der Ukraine zu rechnen sein. „Wir haben diesbezüglich seitens des Rot-Kreuz-Landesverbandes den Auftrag, diese sofort und ganz unkompliziert in den Pool von Kunden zu integrieren“, so Kaltenböck.

Auf die Teuerungen reagiert hat die Amstettner Stadtpolitik. „Das Ziel der Stadtführung ist es, rasch und zielgerichtet Maßnahmen zu setzen und Anreize für die Nutzung von erneuerbaren Energieformen zu geben. Deshalb prüfen und erhöhen wir die Förderungen“, erklärt Bürgermeister Christian Haberhauer (ÖVP). „Konkret werden die Förderungen für die Errichtung von Hackschnitzelheizungen, Pelletsanlagen und Stückholzkessel mit Pufferspeicher von 300 Euro auf 500 Euro erhöht“, betont Vizebürgermeister Dominic Hörlezeder (Grüne). Man müsse raus aus der Abhängigkeit von Öl und Gas aus dem Ausland. „Die Förderungen gehen direkt an die Amstettner. Die Erhöhung soll rückwirkend mit 1. Jänner 2022 gültig sein“, sagt Haberhauer.

Der Antrag soll in der nächsten Gemeinderatssitzung eingebracht werden. Man sei zuversichtlich, dass alle Fraktionen zustimmen werden.

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