„Ikonen schreibt man“

Erstellt am 02. April 2013 | 00:00
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Spezielle Kunst /  Vor mehr als zwanzig Jahren entdeckte der St. Georgner Adi Gallhuber nach einem Besuch in der Himmelfahrt-Kathedrale in Moskau die Liebe zur Ikonenschreiberei.
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Von Doris Schleifer-Höderl

ST. GEORGEN/YBBSFELDE / Die Sonne scheint zum Fenster herein, im Hintergrund erklingen Gesänge der orthodoxen Kirche aus der Musikanlage und Adi Gallhuber schreibt in sich ruhend an seiner Ikone, die den Heiligen Georg darstellt.

Es war eine Reise noch zu Zeiten des Kommunismus nach Russland, die den heute pensionierten Sattler und Tapezierer, das Ikonenschreiben näher brachte. „Da waren wir unter anderem in der Himmelfahrt-Kathedrale, in der größten Kirche innerhalb des Kremls und im ältesten vollständig erhaltenen Gebäude in Moskau. Ich war überwältigt, wie der Weihrauch aufstieg, und die Ikonostase - eine Wand, die komplett mit Ikonen und Gold geschmückt ist und die ein orthodoxes Kirchengebäude in zwei Räume teilt, davor die irrende Welt, dahinter Richtung Osten die erleuchtete, die nur der Priester betreten darf - aus dem 16. Jahrhundert zum Vorschein kam. Dieses Bild werde ich nie mehr vergessen“, berichtet der heute 74-jährige Mostviertler, der nach seiner Reise einen Kurs der Volkhochschule Amstetten besuchte, um sich die spezielle Technik des Ikonenschreibens anzueignen. „Viele sprechen vom Ikonenmalen, aber Ikonen schreibt man“, erklärt Adi Gallhuber. „Ihre Maler sind nämlich nach alter Überlieferung nicht Künstler, sondern Ikonenschreiber, die bewusst in der hergebrachten Form, die sich von der weltlicher Kunstwerke unterscheidet, die alten Nachrichten wiederholend abschreiben.“ An die 25 bis 30 Ikonen werden es wohl gewesen sein, die er bis dato schrieb. Ob die Weihnachtsikone oder die Auferstehung Jesu - jede einzelne ist ein Meisterwerk. Die Anfertigung einer Ikone ist nach der Spiritualität der Ostkirche ein durch Gebet begleitetes Tun, wobei das Gebet vor allem dem künftigen Besitzer gilt, aber auch den Menschen, die ihm wichtig sind. Das Gebet soll aber auch bewirken, dass die Ikone denen, die sie betrachten, gut tun möge.

Ikonen nach alten Methoden geschrieben

Adi Gallhuber fertigt die Ikonen mit den alten handwerklichen Methoden. Auf einer Massivholzplatte aus Eiche oder Buche wird zur Stabilisierung ein Leinentuch aufgeleimt, darüber kommt die Grundierung aus Hautleim und Schlemmkreide, die in acht bis zehn dünnen Schichten aufgetragen und dazwischen immer wieder abgeschliffen und geglättet wird.

Danach wird die Skizze leicht eingeritzt, die Vergoldung mit 22-karätigem Blattgold vorgenommen und für die Farben Eitemperafarbe aus Eigelb und Pigmenten täglich frisch angerührt.

Für das Schreiben einer Ikone benötigt der St. Georgner mehr als einen Monat.

Für den praktizierenden Christen Adi Gallhuber geht viel Spiritualität vom Ikonenschreiben aus. „Für mich ist es eine überaus meditative Tätigkeit, die mich sehr einnimmt. Zwischen einzelnen Arbeitsschritten lese ich dann gerne in der Bibel und lasse mich vom Wort Gottes inspirieren. Ikonen sind für die orthodoxe Kirche übrigens keine Abbildungen weltlicher Natur, sondern Fenster zur himmlischen Wirklichkeit. Mit der Betrachtung einer Ikone erfährt man die Gegenwart Gottes ebenso wie im Gottesdienst, sie ist Offenbarung ebenso wie das Wort in der Bibel. Nach der Lehre des Konzils von Nicäa geht die Ehre, die der Ikone erwiesen wird, auf das Urbild über, und wer die Ikone verehrt, der verehrt die Person des in ihr Dargestellten.“

Motive für seine Ikonen findet Adi Gallhuber überwiegend in Büchern. „So wie das von der Taufe Jesu im Jordan. Das werde ich wohl als nächstes angehen!“

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