Im Namen des Gesetzes. PENSION /  Hofrat Dr. Josef Schlögl, Vorsteher des Bezirksgerichtes Amstetten, tritt in den Ruhestand. Seine Devise war immer: Durchs Reden kommen die Leute zusammen.

Erstellt am 22. November 2011 (00:00)
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Gerichtsvorsteher Josef Schlögl tritt in den Ruhestand: „Mein Beruf war mir immer Berufung“, sagt der Vollblutjurist.SCHLEIFER-HÖDERL
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Von DORIS SCHLEIFER-HÖDERL

AMSTETTEN / Fast 18 Jahre lang leitete der promovierte Jurist Hofrat Dr. Josef Schlögl (60) die Geschicke des Bezirksgerichtes Amstetten. Bevor Schlögl - er wurde am 1. März 1984 zum Richter ernannt - nach Amstetten berufen wurde, war er Vorsteher des Bezirksgerichtes Ybbs. Recht und Ordnung bestimmten von jeher seinen Arbeitsalltag: „Ich habe als Verwaltungsbediensteter bei der Stadt Wien begonnen und mich einige Jahre später dazu entschlossen, neben meiner Arbeit zu studieren. Nach meinem Abschluss bin ich zur Justiz übergetreten und ich habe es keinen einzigen Tag bereut, diese Berufswahl getroffen zu haben“, sagt der Richter, für den jeder Akt ein menschliches Schicksal bedeutete.

Vermitteln und helfen  immer im Vordergrund

„In Amstetten war ich schwerpunktmäßig Familienrichter und habe bis vor zwei Jahren Ehescheidungen, Entscheidungen in Sorgerechtsfragen und im Besuchsrecht für Kinder sowie Sachwalterschaften aber auch Jugendstrafsachen geführt. Insgesamt haben wir pro Jahr am Bezirksgericht Amstetten rund 20.000 Geschäftsfälle zu bearbeiten, zirka 10 Prozent sind dabei in meinen Bereich gefallen.“ Positiv ist für Hofrat Schlögl, dass er doch in manchen Fällen helfen konnte. „Für mich war ein Händedruck einer Person, die sich bedankt hat, erleichternd. Er war mir weitaus mehr wert als die Bestätigung eines Urteils durch die obere Instanz. Natürlich gab es auch Menschen, bei denen ich keinen Zugang gefunden habe. Aber ich denke, überwiegend ist es mir doch gelungen, in den Konfliktsituationen, in denen ich zu entscheiden hatte, zu vermitteln und in vielen Fällen auch Vergleichslösungen zu finden.“

Einen Fall wird Hofrat Schlögl nie vergessen: „Ein älteres Ehepaar kam zur Scheidung. Nach einem Zerwürfnis war der Mann ausgezogen, die Frau brachte die Scheidungsklage ein. Nachdem wir in der Verhandlung den Scheidungsvergleich mühsam ausgearbeitet haben und ich ihnen das Protokoll zur Unterschrift vorlegte, merkte ich noch an: „Eines muss ich schon sagen: In Ihrem Alter lässt man sich nicht mehr scheiden“. Ich hielt den beiden noch eine Lehre, dass sie gerade jetzt auf den gegenseitigen Beistand angewiesen wären und sie es sich doch noch einmal überlegen sollten. Die beiden sahen sich an, gaben mir Recht und versöhnten sich. Die Anwälte packten verdutzt ihre Akten ein und der Scheidungsbeschluss wanderte in den Papierkorb. Einige Jahre später sah ich das Paar einträchtig bei einem Mostheurigen zusammensitzen!“

„Mehr miteinander reden  würde Ärger ersparen“

Durchs Reden kommen die Leut‘ zusammen, sagt ein altes Sprichwort. Das gilt offensichtlich auch im Gerichtssaal. „Heute haben wir einfach verlernt, miteinander zu reden. Viele laufen gleich zum Rechtsanwalt, ohne vorher den Konsens zu suchen. Dabei würde man sich so manchen Ärger und so manche Aufregung ersparen, wenn man zuvor nur einen kleinen Schritt aufeinander zugemacht hätte“, ist sich Schlögl sicher, der oft nach einem Neun-Stunden-Tag noch daheim Akten bearbeitet. „Mein Beruf war mir immer Berufung. Nicht selten bin ich mitten in der Nacht munter geworden und habe einen völlig neuen Aspekt für ein Urteil gesehen, das ich am nächsten Tag daraufhin überarbeitet habe.“

Einen ruhigeren Schlaf wird der Vater von zwei erwachsenen Söhnen wohl ab 30. November finden, dann ab da befindet er sich im wohlverdienten Ruhestand. Angst vor einem Pensionsschock hat der Jurist, der die Richterrobe an den Nagel hängt, aber keineswegs. „Langweilig wird mir garantiert nicht! Ich bin begeisterter Musikliebhaber, aktiver Chorsänger, gehe gerne wandern und schifahren, besitze eine große Sammlung von Schallplatten, die ich nun endlich digitalisieren kann und lese für mein Leben gerne.“

Schlögl, der immer überzeugter Familienmensch war, plädiert auch in Zukunft für die Familie: „Ich würde mir wünschen, dass unsere Gesellschaft wieder erkennt, dass die Familie das wichtigste Gut eines funktionierenden Miteinanders ist. Wenn wir zu dieser Einsicht gelangen könnten, wäre die Welt mit einem Schlag viel lebenswerter als sie momentan ist.“