Amstettner Facharzt Memelauer: „Im Gymnasium Grundsteine gelegt“

Erstellt am 05. Juni 2022 | 05:59
Lesezeit: 4 Min
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Doktor Franz Memelauer übte 30 Jahre lang in seiner Ordination in der Preinsbacher Straße seinen Beruf als Neurologe und Psychiater aus. Seit April ist er im Ruhestand.
Foto: Margit Brückner
Franz Memelauer, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, ist seit Anfang April im Ruhestand. Die NÖN bat um ein Interview.
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NÖN: Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Franz Memelauer: Nach meiner Matura am Gymnasium Amstetten habe ich ab 1977 das Medizinstudium in Wien absolviert. Nach der Promotion 1982 begann ich die Ausbildung zum Facharzt für Neurologie und Psychiatrie an der Landesnervenklinik Mauer, am AKH Linz und im Krankenhaus Amstetten. 1992 gründete ich meine neuropsychiatrische Praxis, in der ich jetzt 30 Jahre lang für meine Patienten tätig war. Zudem war ich von 1991 bis 1997 als Oberarzt an der Neurologischen Abteilung des Landesklinikums Mauer tätig. Parallel zu meiner Ordination war ich jahrzehntelang als Konsiliararzt für die Altersheime in Amstetten und Haag zuständig.

NÖN: Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Memelauer: Die Grundsteine für die Berufswahl wurden bereits im Gymnasium gelegt. Ich habe mich damals schon für naturwissenschaftliche Fächer, wie Biologie, Chemie und Physik, interessiert.

Ich bin in Öhling aufgewachsen und mein Weg zur Volksschule ging durch das Gelände des Meierhofs des Landeskrankenhauses. Somit hatte ich schon ab früher Jugend Begegnungen mit Patienten, die an psychiatrischen Krankheiten litten, und hatte damals schon keine Berührungsängste.

Und ich kann mich an ein Ereignis erinnern, als unser Tierarzt mit einem antiseptischen Spray, damals als Blauspray bezeichnet, eine Wunde an meinem Bein behandelte, die danach rasch verheilte. Als kleiner Bub war ich begeistert und dieser Vorfall hat mich sicherlich mit zu meinem Medizinstudium inspiriert.

NÖN: Wie haben Sie die letzten Jahre der Pandemie erlebt?

Memelauer: Die Zeit war relativ belastend. Während des ersten Lockdowns musste ich mein Klientel übers Telefon betreuen. Danach hat das Tragen der diversen Masken den direkten Arzt-Patienten-Kontakt erschwert. Die verbale und non-verbale Kommunikation war durch das Tragen der FFP2- Masken eingeschränkt, das Verständnis zwischen Arzt und Patienten sowohl akustisch als auch bei der Interpretation der Mimik reduziert. Die frühere Arbeitsmenge war nicht mehr machbar und die Nach-Arbeitszeit hat sich zunehmend in die Nacht verlagert.

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Franz Memelauer in seinem Garten, wo er selbst Ruhe und Entspannung findet.
Foto: Foto Margit Brückner

NÖN: Welche psychosozialen Auswirkungen der Pandemie sind in den letzten zwei Jahren vermehrt aufgetreten?

Memelauer: Die sozialen Kontakte waren massiv reduziert, das hatte natürlich Auswirkungen auf viele Erkrankungen. Schwierig ist es sicherlich auch für die Jugendlichen, die jetzt mit den Folgen und Konsequenzen dieser Pandemie und deren Einschränkungen und Maßnahmen zurechtkommen müssen.

NÖN: Was werden Sie jetzt mit ihrer freien Zeit machen?

Memelauer: Ich war jetzt drei Wochen in Albanien auf Urlaub. Ich paddle seit über 40 Jahren Wildwasser, das Flusssystem der Vjosa, einem der letzten frei fließenden Wildflüsse in Europa, kann man perfekt mit dem Kajak befahren. Ich bin gerne im Wasser und in einsamen Gegenden. Bei diesem Urlaub kann ich das Naturerlebnis mit dem Sport verbinden. Gartenarbeit, Fotografieren und das Lesen von Sachbüchern zählen ebenfalls zu meinen Hobbies.

NÖN: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Memelauer: Viele Babyboomer, das sind die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1957 bis 1965, mit zahlreichem und gut ausgebildetem Fachpersonal, gehen jetzt in Pension. Es wird schwierig, diese Säulen des Sozialstaats aufrecht zu erhalten. Ich hoffe auf ausreichende und belastbare Nachfolger in allen Sparten und Berufsgruppen. Meine persönlichen Wünsche sind relativ einfach gehalten. Für meine Familie, den Freundeskreis und mich persönlich wünsche ich mir Gesundheit, Zufriedenheit und gelegentliche Glücksmomente und aktuell natürlich Frieden für die Allgemeinheit, für meine ehemaligen Patienten und Patientinnen gute Weiterbetreuung bei meiner neurologischen Nachfolgerin Doktor Katja Nescak und meinen kassen- und wahlärztlichen Kollegen und Kolleginnen für Neurologie oder Psychiatrie.

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