Amstetten GmbH Geschäftsführer will "Kräfte bündeln"

Geschäftsführer Günther Sterlike über die Wirtschaftsraum Amstetten GmbH, die Zukunft der Remise und das Quartier A.

Erstellt am 11. August 2021 | 06:01
Strelicke
Foto: Führer

NÖN: Herr Sterlike, Sie sind seit 1. Juni Geschäftsführer der Wirtschaftsraum Amstetten GmbH, kurz WRA. Wie ist die bisherige Einarbeitungszeit verlaufen?
Günther Sterlike: Ich bin gerade dabei, das Gehen zu lernen, aber eigentlich will ich schon fliegen. Wir sind gerade mit dem Aufbau der Gesellschaft beschäftigt. Vom Vertraglichen, bis zur Buchhaltung, bis zu Rechtsfragen, aber auch ganz banalen Dingen. Am Anfang war es noch ungewohnt, jetzt für alles zuständig zu sein. Aber mittlerweile habe ich mich gut eingearbeitet. Ich bin ja bei dem Projekt nicht neu eingestiegen, sondern schon länger in der Materie drinnen und bin kaufmännisch sattelfest. Außerdem haben meine Vorgänger, die Bürgermeister Christian Haberhauer und Hannes Pressl, als Geschäftsführer sehr gute Arbeit geleistet.

Ganz allgemein: Wie würden Sie die Ziele der Wirtschaftsraum Amstetten definieren?
Sterlike: Ganz klar ist, dass es nicht darum geht, in jeder Gemeinde Flächen zu suchen, wo man Industrie und Wirtschaft ansiedeln kann. Sondern vielmehr darum, die Stärken der Region zu bündeln. Wir suchen Flächen sehr nahe an der Autobahn und wollen nicht Lkws verstärkt durch das Mostviertel fahren lassen.

Da können wir auch auf Nachhaltigkeit schauen und für brachliegende Flächen, zum Beispiel alte Schottergründe, neue Nutzungsmöglichkeiten finden. Keinesfalls wird in jeder Gemeinde ein neues Betriebsgebiet entstehen. Darum geht es nicht, sondern darum, in Summe die Region als Ganzes zu sehen und zu stärken.

Angesichts zunehmender Verbauung wird ja oftmals gefordert, bestehende Leerflächen zu „mobilisieren“. Sehen Sie hier eine Möglichkeit, Grünflächen zu erhalten, indem man sich auf Leerflächen konzentriert?
Sterlike: Freie Liegenschaften in der Stadt, die derzeit nicht in Betrieb sind, sind natürlich sehr spannend. Ein klassisches Beispiel dafür ist ja die Remise, als Areal mitten in der Stadt. Man muss aber auch ehrlich sein und sich genau ansehen, welche Betriebe für eine Ansiedelung geeignet sind. Wir werden keine starke Lärmbelastung oder Logistik-Betriebe in die Innenstadt bringen.

Wo sehen Sie die Vorzüge der Region?
Sterlike: Wir haben hier zwei große Vorteile: erstens die Infrastruktur mit der hervorragenden Anbindung an die A1, die Westbahn und auch die Donau. Damit verbunden die Nähe zu Wien, St. Pölten und dem oberösterreichischen Zentralraum.

Und zweitens die wunderbare Landschaft, die für Menschen als Wohnraum, als Lebensraum attraktiv ist. Ich bin ja mittlerweile selber begeisterter Mostviertler, nachdem ich vor 25 Jahren aus genau diesen Gründen nach Amstetten gezogen bin: die Nähe zu Wien und Linz und die herrliche Landschaft.

Wie definieren Sie die Zielgruppe, die Sie als Wirtschaftsraum Amstetten GmbH ansprechen möchten?
Sterlike: Unsere Zielgruppe ist nicht nur das Mostviertel, sondern ganz Österreich, wenn nicht sogar darüber hinaus. Wir wissen ja über unsere Stärken Bescheid, aber wir sagen es viel zu wenig nach außen. Daher ist es unsere Aufgabe, gemeinsam eine Marke aufzubauen. Ich bin überzeugt, dass es viele Firmen gibt, die im Westen starten und dann, wenn sie größer werden, nach Wien oder Richtung Wiener Speckgürtel tendieren.

Da müssen wir uns als Barriere aufstellen und sagen: Schaut euch das Mostviertel an. Die Vorzüge, die wir bieten können, gibt es sonst nirgends. Da ist es auch ganz wichtig, die eigene Bevölkerung mitzunehmen. Das haben wir in der Vergangenheit noch zu wenig gemacht. Das war vielleicht ein Fehler, denn wenn die Bevölkerung hier mitzieht, dann ist das ein wichtiger Multiplikator. Und es braucht auch Beweisführungen für die Kraft der Region. Zum Beispiel das Quartier A.

Stichwort Quartier A: Hier wurde ja 2018 ein Masterplan präsentiert, der auf einer Fläche von 90.000 Quadratmetern neue qualitative Wohnmöglichkeiten, Betriebsansiedlungen, aber auch Gastronomie- und Freizeitangebote vorsieht. Wie ist hier der aktuelle Stand der Entwicklung?
Sterlike: Wir halten am Masterplan, der damals präsentiert wurde, fest. Von den vier Baufeldern haben wir als WRA drei übernommen. Am Mühlbach fehlen noch Räumungsvergleiche, aber auch dieses Gebiet sollte in den nächsten Wochen oder Monaten übernommen werden. Oberste Priorität hat das Baufeld an der Remise.

Zwei Drittel der Remise gehören Ecoplus, ein Drittel der WRA. Gemeinsam haben wir ehrgeizige Pläne. Für den Teil der Ecoplus wurde ein Architekturbewerb ausgeschrieben, dann geht es in die Planungs- und Realisierungsphase. Für die Halle 3, die bei der WRA geblieben ist, machen wir einen Ideenwettbewerb. Die Idee ist, dass die Remise immer wertvoll als Kommunikationsdrehscheibe war. Das wollen wir auch weiterhin in der Halle 3 aufgreifen.

Der Standort hat sich in den vergangenen Jahren ja auch als Eventlocation etabliert und es gibt oftmals auch den Wunsch, das Areal weiterhin für Veranstaltungen zu nützen. Wie auch dieser Leserbrief (Anmerkung: siehe rechts) zeigt. Das heißt, zumindest in der Halle 3 soll es weiterhin Veranstaltungen geben?
Sterlike: Ja, das ist die ganz klare Botschaft. Natürlich in einem anderen Maßstab, aber die Halle 3 soll denselben „Look and Feel“ haben. Hier sollen Themen wie Gastronomie, Vernetzung, Veranstaltungen Fuß fassen. Im Jahr 2016 haben die Veranstaltungen Begeisterung und die Jugend zu uns gebracht, das muss auch in Zukunft unser Motor sein. Es hat sich aber jetzt seit der ersten „Abrissparty“ schon verwandelt und es geht schon mehr ins urbane Feeling, das wir auch beibehalten wollen.

Auch wenn die endgültigen Pläne der Remise noch nicht fixiert sind. Wie sehen die Parameter aus, in welche Richtung wird sich das Areal entwickeln?
Sterlike: Die bekannte Hufeisenform soll sich auf jeden Fall wiederfinden und auch die Drehscheibe als Kommunikationsdrehscheibe wird bleiben, nur anders interpretiert.

Die ganze Remise wird höher. Man darf sich das aber nicht als einen großen Klotz vorstellen, sondern das Gebäude wird fließend erhöht. Mir ist es auch ein absolutes Bedürfnis, dass man sich auch in Zukunft sehr stark auf die Jugend konzentriert. Vor fünf Jahren haben die Parties gestartet, da konnten wir sehr viele junge Menschen kennenlernen, wobei sich jetzt viele davon in den Vereinen und Initiativen des Quartiers A – Werkstatt A, Maker SpaceA, DevTreff, eSports Mostviertel – wiederfinden.

Das ist ein gewaltiges Potenzial. Unser Ziel ist es, dass die jungen Menschen dann nach der Ausbildung wieder nach Amstetten zurückkommen. Daher ist auch das Thema „qualitativ hochwertiges Wohnen“ so ein zentrales für das gesamte Quartier A.

Immer wieder haben Sie ja in der Vergangenheit auf die Digitalisierung als zentrales Element für die Wirtschaft hingewiesen. Gilt der Fokus auf diesen Bereich weiterhin?
Sterlike: Es ist eindeutig, dass das in der Wirtschaft und der Industrie das Thema Nummer eins ist. Wir versuchen, einen Mehrwert für die Wirtschaft zu schaffen und da bleiben wir beim Schwerpunkt Digitalisierung. Wir wollen Firmen hierher bringen, die entweder im Bereich der Digitalisierung tätig sind oder die von dieser profitieren. Daraus ergibt sich eine junge Zielgruppe. Interessenten gibt es jedenfalls genug.

Gibt es von Firmen und Wohnbauträgern ebenfalls bereits Interesse an den Flächen und wann könnte der Wohnbau starten?
Sterlike: Ja, es gibt zahlreiche Anfragen, was den Standort betrifft. Die Büroflächen werden bald vergeben sein. Mit dem Wohnbau werden wir danach frühestens im nächsten Jahr beginnen.

Sie haben angekündigt, mit allen Bürgermeistern der 14 an der GmbH beteiligten Gemeinden zu sprechen. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Stadt- und Gemeindevertretern?
Sterlike: Grundsätzlich bin ich ja ein sehr kommunikativer Mensch. Ich habe schon alle besucht, eigentlich schon vor dem 1. Juni. Die eigentliche Geburt der Idee war schon der Visionsprozess 2030. Das war eine extrem glückliche Fügung, weil die Stadt und die Umlandgemeinden gemeinsam mit Akteuren wie zum Beispiel der Moststraße in die Zukunft geschaut haben.

Da hat man erkannt, dass wir alle ein gemeinsames Ziel haben: die Region zu stärken und die Kräfte zu bündeln. Mir war es schon bei der Entwicklung des Quartiers A ein großes Anliegen, in Kontakt mit den Umlandgemeinden zu treten. Weil klar ist, dass alles, was wir in der Stadt entwickeln, sich auch auf das Umland auswirkt. Dass wir diese 90.000 Quadratmeter kaufen und sich alle beteiligen, war ein großer Schritt, der gemeinsam gewagt wurde.