Coronavirus-Patient: "Jetzt müssen alle zusammenhelfen". In der Gemeinde Ardagger haben sich mehrere Leute mit dem Coronavirus infiziert. Über Vermittlung von Bürgermeister Hannes Pressl hat die NÖN auf elektronischem Weg (per Email) ein Interview mit einem der Betroffenen (im Interview als B bezeichnet) geführt.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 14. März 2020 (11:29)
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Schutzmasken helfen nur bedingt gegen das Coronavirus
Schutzmasken helfen nur bedingt gegen das Coronavirus
APA

NÖN: Die erste und wichtigste Frage: Wie geht es Ihnen körperlich?
B: Die ersten paar Tage war ich hundemüde, wie nach 14-Tagen Grippe. Heute geht es mir aber schon viel besser.  

Wie verkraften Sie Ihre Ansteckung psychisch, worüber macht man sich als Betroffener besonders Gedanken?
Das wichtigste war mir, dass ich keinen anderen anstecke. Ich versuche bewusst nur seriöse Nachrichtendienste zu konsumieren und mich nicht ständig mit zu vielen Negativmeldungen zu konfrontieren. Das ist wirklich wichtig für die Psyche. Gerade Falschmeldungen von unseriösen Seiten machen einen viel kranker als der Virus selbst.  

Wollen Sie uns mitteilen, wie und wo Sie sich angesteckt haben?
Ich möchte nur sagen, dass es im höchsten Maß ansteckend ist und man das wirklich unterschätzt. Trotz sofortigem Händewaschen nach der Begrüßung, habe ich mich infiziert. Man muss das wirklich ernst nehmen, denn man steckt sich extrem schnell an. 

Wäre aus Ihrer Sicht und mit Ihrem jetzigen Wissen über den Coronavirus die Ansteckung vermeidbar gewesen? Würden Sie rückblickend gesehen anders handeln? 
Rückblickend würde ich ab sofort zu Hause bleiben und weiterhin den Anweisungen der Regierung folgen. Leider gab es vor einigen Tagen noch keine drastischen Anweisungen, sonst wäre ich zu Hause geblieben.  

Wie reagiert Ihr Umfeld (Verwandte, Nachbarn, Gemeinde) auf Ihre Erkrankung? Gibt es etwas, das Sie den Menschen in Ardagger mitteilen möchten?
Es sind viele besorgt und erkundigen sich ständig. Es wird uns von vielen auch Hilfe angeboten. Wir wurden auch schon von Freunden mit Lebensmittel beliefert. Mit unserem Bürgermeister sind wir ebenfalls im Austausch. Was mir aber noch wirklich wichtig ist: Es sind so viele Gerüchte im Umlauf, die absolut nicht stimmen. Wer etwas wissen möchte, soll einfach nachfragen. 

Fühlen Sie sich medizinisch gut betreut? 
Auf jeden Fall. Es wird gerade Unglaubliches geleistet. Von den Behörden, Ärzten, Sanitätern, Pflegern usw. Ich möchte mich auch hiermit bei allen bedanken, die jetzt rund um die Uhr für unser Wohlergehen arbeiten! 

Wie werden Sie mit Nahrung und sonstigen Waren des täglichen Bedarfs versorgt? Funktioniert das?
Wir haben vorgesorgt und werden von vielen Freunden und Verwandten beliefert. Es fehlt uns an nichts.  

Zum Abschluss: Was werden Sie als erstes tun, wenn die Ärzte Ihnen bestätigen, dass Sie Coronafrei sind?
Raus an die frische Luft und sofort anderen Betroffenen Hilfe anbieten! Jetzt müssen wir alle zusammenhelfen.