"Vor allem seelisch eine große Erleichterung". Ein Lichtblick in Zeiten der Coronakrise: Es gibt auch in Österreich immer mehr Menschen, die wieder gesund werden. In Ardagger sind es inzwischen vier. Ein Mann (im Interview einfach M) hat nun ebenfalls auf die schriftlichen Fragen der NÖN geantwortet. Interessantes Detail: Die Behörde hat angefragt, ob er bereit wäre, mit einer Blutplasma-Spende an der Entwicklung eines Medikaments zur Behandlung von schweren Covid-19-Verlaufsformen mitzuwirken.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 25. März 2020 (09:33)
Symbolbild
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NÖN: Zu Beginn: Herzlichen Glückwunsch, dass Sie wieder gesund sind. Wie fühlt sich das für Sie an - körperlich und vor allem seelisch?
M: Körperlich fühlt es sich nicht anders an, da wir ja nahezu keine Symptome oder Beschwerden hatten (leichter Husten und leicht erhöhte Körpertemperatur für zwei Tage). Aber vor allem seelisch ist dies eine Erleichterung, wenn man wenigstens weiß, dass man wieder "theoretisch" frei ist.

Darf man da auch ein wenig feiern - zumindest mit einem Glaserl Wein?
M: Gefeiert habe ich natürlich! Wie erwähnt mit einem (oder zwei Glaserl Wein) mit meiner Frau und mit meinem Schwiegersohn mit einem "Garagenbier" - alles natürlich trotz der Gesund-Meldung mit Sicherheitsabstand.

Waren Sie schon aus dem Haus?
M: Den "Tag danach" haben wir aufgrund des schönen Wetters schon etwas draußen genossen, zumindest in unserem Garten, aber spätestens in den kommenden Tagen werden wir einen ausgiebigen Spaziergang in der ländlichen Gegend machen, die sich in direkter Nähe unseres Grundstücks befindet. Natürlich nur ich und meine Frau alleine!

Welche Auflagen haben Sie noch vonseiten der Behörde? Und sind Sie nun gegen das Virus immun?
M: Auflagen seitens der Behörde haben wir, so wie alle anderen Österreicher, uns an die Regeln der Ausgangsbeschränkung zu halten - was wir auch tun werden. Des Weiteren haben wir seitens der Behörde eine "Einladung zur Mitarbeit bei der Entwicklung eines Medikamentes zur Behandlung von schweren Covid-19-Verlaufsformen" bekommen. Da wir anscheinend Antikörper gegen diesen unsichtbaren Feind entwickelt haben, werden wir dieser Einladung auch Folge leisten und in Form einer Blutplasmas-Spende auch nachkommen können.

Können Sie uns noch einmal einen Rückblick auf die letzten 14 Tage geben. Welche Stimmungslagen macht man da durch? Ab wann ging es für Sie bergauf?
M: Von 100 auf 0: Von einem Tag auf den anderen ist alles anders!

  • Schuldgefühl: andere angesteckt zu haben
  • Gefangen: in den eigenen vier Wänden
  • Freiheit: Keine Möglichkeit sich zu bewegen, wie man es vorher gewohnt war
  • Hilflosigkeit: Man hat keine Chance irgendetwas dagegen zu machen oder jemand anderem zu helfen
  • Abhängigkeit: Man ist stets auf Freunde, Verwandte und Bekannte angewiesen, wenn etwas benötigt wird

Bergauf ging es erst, als der Anruf der BH kam, dass wir "gesund" sind!

Was können, was wollen Sie Menschen sagen, die gerade erst mit der Diagnose konfrontiert wurden?
M: DURCHALTEN!!! Wir wünschen wirklich allen, dieses Virus so "einfach" wieder loszuwerden, wie es bei uns war und keine schweren Symptome mit sich tragen zu müssen. Diese 14 Tage sind hart und verändern das Leben jedes einzelnen um 180 Grad, aber es ist zu bewältigen. In unserer Situation gehörten wir in Österreich zu den ersten Betroffenen und somit ist diese Krise für uns mit Erhalt des negativen Bescheids natürlich nicht vorbei. Wir bleiben nach wie vor auch in erster Linie in Eigen-Quarantäne, um uns und natürlich andere zu schützen. Wir versuchen aber auch, soweit dies möglich ist, unsere Hilfe anzubieten.

Gibt es etwas (vielleicht einen Spruch, Vielleicht, ein Gebet oder Gespräche mit anderen Menschen), das ihnen durch die schwere Zeit geholfen hat?
Die Familie und die Freunde, die uns mit Telefongesprächen aber auch mit Mitteilungen am Handy motiviert und gestärkt haben. Sie haben uns dies Zeit sehr verkürzt und erleichtert.