„Hair“: Meilenstein der Popkultur beim Sommermusical. Sommermusical-Intendant Hannes Kropfreiter über die ungebrochene Aktualität von „Hair“, das Kreativteam für die kommende Produktion und die Darstellersuche.

Von Leopold Kogler. Erstellt am 16. Februar 2017 (04:37)
NOEN, Danzer
Intendant Johann Kropfreiter mit Jerôme Knols (Choreographie) bei der Pressekonferenz zur Stückpräsentation.

NÖN: Mit der Neuinterpretation von „Hair“ beim Sommermusical Amstetten wird eine schon etwas ferngerückte Geschichte frisch erhellt. Warum ist dieses Musical fünfzig Jahre nach der Uraufführung noch immer ein Renner?

Kropfreiter: „Hair“ zählt zu einem Meilenstein in der Geschichte der Popkultur der späten 60er-Jahre. Nach einer Off-Broadway-Vorpremiere im Oktober 1967 in Joseph Papp’s Public Theater begann die Produktion im April 1968 mit der Uraufführung am Broadway. Somit begeht das Musical heuer sein 50-jähriges Jubiläum. Dies stellt jedoch nur eine „angenehme“ Begleiterscheinung im Sinne eines „marketingtechnischen Aufhängers“ dar. Vielmehr bin ich der Überzeugung, dass „Hair“ nichts an Aktualität eingebüßt hat: war es 1967 der Vietnamkrieg, der etwa 50.000 amerikanische Kriegsdienstverweigerer in die Flucht nach Kanada getrieben hat, um dem Einberufungsbefehl zu entgehen, so sehen wir uns heute der Situation gegenüber, dass viele Jugendliche freiwillig in den Krieg nach Syrien gezogen sind bzw. immer noch ziehen. Der Kampf der damaligen Hippiebewegung für Frieden und Freiheit ist aus heutiger Sicht gescheitert. Die Sehnsucht nach Frieden, die Akzeptanz anderer Kulturen, anderer Religionen und die weltweit wachsende Radikalisierung im Umgang miteinander sind heute mehr denn je Themen, die alle Generationen betreffen und bewegen, vor allem aber sehr nachdenklich stimmen. Grund genug für mich und mein künstlerisches Team, sich dieser Thematik erneut anzunehmen.

Derzeit arbeite ich fieberhaft daran, noch vor meinem Schiurlaub alle Verträge mit den Künstlern unter Dach und Fach zu bekommen.

Vor Kurzem hat jemand gemeint, wenn immer dieselben Leute Musicals gestalten, kann nichts Neues herauskommen. Nun haben Sie mit Alex Balga einen neuen Regisseur. Was darf man sich erhoffen?

Na ja, diese Aussage sehe ich schon ein wenig differenzierter. Lassen Sie mich das anhand eines Sportvereins erklären: Oftmalige Trainerwechsel bedeuten nicht gleichzeitig, dass die Leistungen einer Mannschaft besser werden, sich die Spielanlage dadurch interessanter gestaltet. Ich kenne viele gegenteilige Erfahrungen, wo Erfolgstrainer wieder zurückgeholt wurden! Jeder Wechsel in einem Leading Team bedeutet für einen Intendanten eine Herausforderung. Noch dazu, wenn man, so wie es bei uns der Fall ist, auf einige sehr erfolgreiche Produktionen zurückblicken kann. Ein neues Team muss erst zusammenwachsen und gegenseitiges Vertrauen gewinnen. Die Künstler müssen sich einerseits entfalten können, dürfen aber anderen nicht im Wege stehen. Ich sehe mich hier auch persönlich sehr gefordert, mich darauf entsprechend einzustellen! Es gibt ja mit Alex Balga (Regie), Jerôme Knols (Choreografie), Sam Madwar (Bühne) und Max Wohlkönig (Kostüme) gleich vier neue Leute im Kreativteam!! Und voraussichtlich wird auch noch die Abteilung Maske & Frisuren neu besetzt. Nur Christian Frank, unser musikalischer Leiter, ist, abgesehen vom Ton- & Lichtdesigner, die aber erst in Amstetten bei den Endproben zum Team stoßen, aus den Vorjahren mit dabei. Diese Leute haben noch nie zusammen für eine Produktion gearbeitet. Ich bin dafür sehr offen, obwohl ich grundsätzlich schon ein Verfechter eines längerfristigen Teams bin. Die ersten Monate stimmen mich aber sehr positiv, dass das Team schon sehr in eine Richtung denkt und handelt!

Das Musical „Hair“ ist voller eingeprägter Hits. Verraten Sie uns schon etwas vom musikalischen Konzept?

Christian Frank geht völlig befreit in diese Arbeit. Er hat bisher noch nie „Hair“ als musikalischer Leiter betreut. Wir stehen aber erst am Beginn unserer Gespräche, da er bisher voll mit anderen Produktionen zugepflastert war. Er möchte gerne zur Band „zwei, drei Bläser dazunehmen und sich sehr am Original orientieren, es aber heutig klingen lassen“. Klingt spannend, was das aber genau heißt, wird er mir sicher noch erklären. Er genießt aber mein volles Vertrauen. Christian ist ein absoluter Vollprofi!

Wie schaut der Zeitplan in den nächsten Wochen aus? Steht das Team nun schon zur Gänze fest?

Derzeit arbeite ich fieberhaft daran, noch vor meinem Schiurlaub alle Verträge mit den Künstlern unter Dach und Fach zu bekommen. Deshalb habe ich zuletzt einige Male bereits um 5.30 Uhr meine Büroarbeit aufgenommen. Da kann man in Ruhe arbeiten! Eines kann ich aber schon verraten: Wir werden demnächst einen sehr bekannten Namen einer Musicaldarstellerin präsentieren können. Auch Hauptdarsteller aus vergangenen Amstettner Produktionen finden sich auf der Besetzungsliste wieder. Es wird eine tolle Darstellerriege geben, das kann ich jetzt schon ankündigen!