Königsberger-Ludwig (SPÖ): „Bin gerne bei Menschen“ . Die NÖN lädt die regionalen Spitzenkandidaten der Parteien zur Nationalratswahl zum Gespräch. Diesmal: SPÖ-Spitzenkandidatin Ulrike Königsberger-Ludwig aus Amstetten.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 27. September 2017 (05:00)
NOEN, Knapp
SP-Spitzenkandidatin Ulrike Königsberger-Ludwig: „Ich sehe es ein Stück als meine Lebensaufgabe, eine solidarische Gesellschaft mitzugestalten.“

NÖN: Sie sind seit 2002 im Nationalrat. Was fasziniert Sie an der Politik? Warum treten Sie wieder zur Wahl an?

Ulrike Königsberger-Ludwig: Weil ich gerne im direkten Kontakt mit den Menschen bin und mich freue, wenn ich ihnen bei ihren individuellen Problemen helfen kann. Ich sehe es aber auch ein Stück weit als meine Lebensaufgabe, eine solidarische Gesellschaft mitzugestalten, in der man Menschen aufgrund ihres Menschseins achtet.

Will man den diversen Umfragen glauben, liegt die SPÖ deutlich hinter der ÖVP. Wie soll die Aufholjagd gelingen? Und was wäre für Sie persönlich ein Wahlerfolg?

Königsberger-Ludwig: Ich beschäftigte mich nicht mit den Umfragen, wirklich gewählt wird erst am 15. Oktober. Ein Erfolg wäre die Wahl dann, wenn wir stärkste Partei werden – und das mit möglichst großem Abstand. In der Politik gibt es immer Überraschungen und abgerechnet wird am Wahltag. Ich bin davon überzeugt, dass Christian Kern mit seiner sachlichen Art bei den Menschen punkten kann. Ich selbst versuche, meinen Beitrag zu leisten, indem ich von frühmorgens bis spätabends in unserer Sache unterwegs bin.

Führen Sie auch einen Persönlichkeitswahlkampf – es gibt ja Plakate von Ihnen – und bringen Sie auch selbst Mittel ein?

Königsberger-Ludwig: Ich bin die Spitzenkandidatin im Wahlkreis und werbe natürlich um Vorzugsstimmen. Sie sind schließlich auch ein Zeichen dafür, dass die eigene Arbeit geschätzt wird. Ich bekomme Unterstützung der Partei, zahle dafür aber ja auch Parteisteuer. Natürlich bringe ich auch Eigenmittel ein.

Welche Themen stehen in der Region für Sie im Vordergrund?

Königsberger-Ludwig: Für sehr wichtig halte ich eine qualitätsvolle Ganztagesbetreuung für die Kinder, damit die Eltern die Wahlfreiheit haben. Bei uns ist gerade im Kleinkinderbereich das Angebot begrenzt. Ich setze mich auch schon lange für eine Palliativstation im Landesklinikum Amstetten ein. Gerade die Pflege ist ein Thema, das die Menschen sehr beschäftigt: Wie bekomme ich einen Heimplatz für meinen Vater oder meine Mutter, wie komme ich zu einer qualitätsvollen 24-Stunden-Pflege? Wichtige Themen sind auch die Arbeitsplatzsituation und der öffentliche Verkehr. Da müssen wir das Angebot auf den Nebenstrecken stärken.

Thema Migration: Das Schweinefleisch im Kindergarten sorgte ja in Amstetten für einige Aufregung. Wie stehen Sie dazu?

Köngisberger-Ludwig: Das Thema wird im Zuge des Wahlkampfs parteipolitisch benutzt. Wenn etwa Bauernbundobmann Georg Strasser nun eine bundeseinheitliche Regelung verlangt, was im Kindergarten beim Mittagstisch angeboten werden soll, dann halte ich das persönlich für überzogen. Ich finde, dass die Kindergartenleiterin das mit den Eltern gemeinsam besprechen und entscheiden soll. Da geht es auch darum, was die Kinder überhaupt essen. Es macht ja keinen Sinn am Bedarf vorbei zu kochen. Grundsätzlich bin ich nicht dafür, dass man kein Schweinefleisch mehr ausgibt. Optimal wäre es sicher, wenn man zwei Speisen anbieten könnte.

Welche Rolle spielen Facebook und das Internet allgemein in Ihrem Wahlkampf?

Königsberger-Ludwig: Für mich spielen Social Media Plattformen schon eine große Rolle. Ich bin selbst auf Facebook und Instagram aktiv. Auf Twitter nicht, weil man da nur 140 Zeichen schreiben darf und so kurz kann ich mich meist nicht fassen. Ich diskutiere auf Facebook gerne mit den Menschen. Ich halte das für wichtig. Ich sehe es auch als Art virtueller Stammtisch. Ich beantworte alle Beiträge und Anfragen selbst. Oft ergeben sich da gute Diskussionen.

Sind Sie auch mit Beschimpfungen konfrontiert?

Königsberger-Ludwig: Es hält sich in Grenzen. Bisher habe ich nur drei Leute entfreundet, ihnen aber vorher auch geschrieben, dass ich mich auf diesem Niveau nicht unterhalten will.