Das war das Jahr 2020 im Bezirk Amstetten. Diese Ereignisse bewegten die Menschen im Bezirk Amstetten im Jahr 2020:

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 28. Dezember 2020 (05:00)
Ardagger: Auf Privatinitiative des Stephansharter Hobbyhistorikers Gerald Tagwerker (am Bild) taucht im August ein Team der Feuerwehrtauchgruppe West fünf Kilometer flussaufwärts vom Gasthaus „Schatzkastl“ in die Donau, um dort ein altes Schiffswrack zu vermessen. Tagwerkers Recherchen deuten stark daraufhin, dass es sich hierbei um das Kriegsschiff AT 916 aus dem Zweiten Weltkrieg handelt. Der Tauchgang muss aufgrund schlechter Sicht jedoch abgebrochen werden. Zwei neuerliche geplante Tauchgänge im heurigen Jahr werden aufgrund von Corona und schlechten Bedingungen aber abgesagt. „Wir wollen es nächstes Jahr, wenn sich die Lage hoffentlich beruhigt hat, aber auf jeden Fall noch einmal versuchen“, erklärt Tagwerker, der sich von der Vermessung Gewissheit über die Herkunft des Wracks verspricht.
Führer

4-Jährige aus Seitenstetten stirbt im Mendlingtal. Eine unfassbare Tragödie ereignet sich Anfang Oktober im Mendlingtal in Göstling. Eine 72-Jährige Frau aus dem Bezirk Amstetten ist am Nachmittag mit ihren drei Enkeltöchtern im beliebten Ausflugsziel, dem Mendlingtal, unterwegs. Plötzlich stürzt eine durch den Wind entwurzelte Fichte auf den Wanderweg und trifft eine 4-Jährige aus Seitenstetten so schwer, dass sie noch an Ort und Stelle verstirbt. Es folgen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, ob der Göstlinger Bürgermeister und einer seiner Gemeindemitarbeiter bei der Freigabe der Erlebniswelt Mendlingtal nach dem Sturm fahrlässig gehandelt haben.

Unfassbar die Tragödie Anfang Oktober im Göstlinger Mendlingtal: Ein Baum stürzt auf eine 4-jährige Seitenstettnerin, die an Ort und Stelle verstirbt.
LPD NÖ

Hunderte Jobs werden gestrichen. Massive Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Wirtschaft im Bezirk. Eine erschütternde Nachricht wird im September bekannt: Das Schalungstechnik-Unternehmen Doka streicht „angesichts einer anhaltend schwachen internationalen Nachfrage“ bis zu 300 Jobs in Amstetten. Betroffen sind das „Headquarter“ und die Produktion, wo insgesamt rund 2.000 Mitarbeiter beschäftigt sind, nicht aber die Vertriebsorganisation. Zeitgleich wird bekannt, dass der Konzern MAN bis 2023 sein Werk in Steyr schließen will. Betroffen sind 2.300 Mitarbeiter, viele aus dem Bezirk Amstetten. Große Teile des Werks Trucks & Bus in Steyr werden nach Polen und in die Türkei verlegt. Die Werksschließung ist Teil eines konzernweiten Sparprogramms, das den Abbau von 9.500 Stellen vorsieht.

Brief an einen Toten. Nicht schlecht staunt im Juni Anita Raab aus Zeillern über einen Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Amstetten, der an ihren Schwiegervater Josef Raab adressiert ist. Denn: Josef Raab ist bereits im Jahr 1993 verstorben. Im eingeschriebenen Brief wird der Adressat davon in Kenntnis gesetzt, dass die Verkehrszulassung eines Traktors aufgehoben wird. Begründet wird das damit, dass kein haftender Versicherer festgestellt werden kann. „Es wurde von uns in den letzten Jahrzehnten keine Versicherung mehr bezahlt, sowie der Traktor als auch das Kennzeichen existieren schon lange nicht mehr. Irgendwie lustig, dass die Behörde in Zeiten wie diesen keine anderen Sorgen hat“, meint Anita Raab dazu.

Kurios ist weiters, dass der Verstorbene im Schreiben dazu aufgefordert wird, den Zulassungsschein „unverzüglich bei der Bezirksverwaltungsbehörde … abzuliefern“. Seitens der Bezirkshauptmannschaft Amstetten erklärt Bezirkshauptfrau Martina Gerersdorfer, wie es zu diesem Bescheid gekommen sein dürfte: „Grundsätzlich ist es so, dass, wenn jemand verstirbt, der Todesfall normalerweise der Versicherung gemeldet wird. Wenn es hier keine Zahlungen mehr gegeben hat, dann könnte es auch sein, dass die Versicherung, die dazu eigentlich verpflichtet ist, es bis vor Kurzem verabsäumt hat, das der Behörde zu melden.“

Drei Hauben für „Palme“. Mit 15,5 von 20 möglichen Punkten und drei Hauben zeichnet der Restaurantguide „Gault&Millau“ das Gasthaus „Zur Palme“ von Theresia Palmetzhofer in Neuhofen aus. „Das ist natürlich eine sehr schöne Bestätigung für unsere Arbeit“, freut sich Palmetzhofer über die höchste Punktezahl im Bezirk. Zwei Hauben gab es zudem für das Gasthaus Mitter in Haag und den Fischerwirt in Ernsthofen, eine für das Landhaus Ardagger.

Über ein Jahr ohne Arzt. Seit 1. Juli 2019 ist die Ordination des pensionierten praktischen Arztes Werner Schwarzecker in St. Georgen/Ybbsfelde unbesetzt, trotz intensiver Nachfolger-Suche durch die Gemeinde. Im heurigen September stellt Bürgermeister Christoph Haselsteiner klar: Man werde die Landarztgarantie beanspruchen, die besagt, dass Praxen, die über ein Jahr leer stehen, von Medizinern aus Landeskliniken abgedeckt werden. Der Antrag läuft.

Unmut über „Rettungs-Euro“. Mitte des Jahres präsentieren das Land sowie die Führungsspitze des Roten Kreuzes, des Samariterbundes und des Gemeindebundes den neuen „Rettungs-Euro“, das Normkostenmodell zur Finanzierung der Rettungsorganisationen ab 2021. Demnach wird ab kommendem Jahr eine Pro-Kopf-Quote in allen Kommunen eingehoben, die dann in einen Landestopf fließt, von de aus alle Bezirksstellen in NÖ gleich bedient werden. Die Ortschefs der Kleinregion Herz Mostviertel üben daran Kritik: „In Wirklichkeit hat man uns Bürgermeister entmündigt. Bisher haben wir die Beiträge selbst mit unserer Rotkreuz-Dienststelle verhandelt. Künftig dürfen wir zwar noch mitzahlen, haben aber nichts mehr zu sagen“, nimmt sich etwa Weistrachs Ortschef, Erwin Pittersberger, kein Blatt vor den Mund.

Auch der Obmann der Kleinregion, St. Peters Ortschef Johannes Heuras, in dessen Gemeinde ja die neue Rot-Kreuz-Bezirksstelle situiert ist, sieht die Regelung sehr skeptisch. „Da unsere Rot-Kreuz-Organisation sehr aktiv ist und durch Veranstaltungen wie etwa den großen Rot-Kreuz-Ball in Seitenstetten und durch Spendenaktionen viel Geld lukriert hat, war der Pro-Kopf-Beitrag der Gemeinden mit 5,40 Euro sehr niedrig. Der wird sich nun in etwa verdoppeln.“ Unter dem Strich bedeute das, dass die Herz-Mostviertel-Gemeinden mit ihrem künftig höheren Beitrag nun anderen Rettungs-Bezirksstellen im Land mitfinanzierten.

Was Pittersberger besonders ärgert, ist, dass die Gemeinden auch auf den Zehn-Jahres-Krediten sitzen bleiben, die sie für die Finanzierung der neuen Rot-Kreuz-Dienststelle aufgenommen haben. „Wir haben Pech, weil wir um ein paar Jahre zu früh gebaut haben, denn künftig sollen neue Häuser auch über die Beiträge finanziert werden. Ich finde es besonders unfair, dass bestehende Belastungen bei der Neuregelung überhaupt nicht berücksichtigt werden“, sagt der Weistracher Bürgermeister. Auch die Mitglieder der Bezirksstelle St. Peter sind wenig begeistert über die Neuregelung. Sie fürchten, dass sie das freiwillige Engagement bremsen könnte. Außerdem zeichnet sich ab, dass die Zahl der Rettungsautos der Bezirksstelle St. Peter verringert wird.

Mit der NÖKAS-Umlage leisten Gemeinden ihren Beitrag zur NÖ Krankenanstalten-Finanzierung – in Zukunft aber auch für die Rettungsdienste. Dazu wird der Beitrag um weitere 4,2 Prozent zusätzlich zu der üblichen Steigerung angehoben. Die Beiträge der Gemeinden werden künftig 19,2 Millionen Euro ausmachen (9 bis elf Euro pro Bürger). Das Land zahlt künftig 7,3 Millionen Euro.

Gemeinde kauft Schwesternhaus. Schon im Jahr 2019 haben die Franziskanerinnen Missionarinnen aus Altersgründen ihre Niederlassung in Seitenstetten aufgegeben. Im Mai beschließt der Gemeinderat das Haus um 490.000 Euro zu kaufen. Es könnte künftig für betreutes Wohnen oder ein Ärztezentrum genutzt werden.

Keime im Trinkwasser. Sowohl im Juli wie auch im August werden Keime im Trinkwasser (Coliforme Bakterien und Enterokokken) des St. Peterer Ortsteils Kürnberg festgestellt. Die Bürger müssen ihr Wasser abkochen. Die Ursache für die leichte Verunreinigung ist unklar.

Spatenstich für die „Wirkstatt“. Anfang September erfolgt der Spatenstich für den Umbau des Volksheimes in Hausmening zu einem neuen, modernen Veranstaltungszentrum unter dem Namen „Wirkstatt“. Der Saal für 400 Personen wird dabei erhalten bleiben, aber durch Schwebewände auch teilbar sein und akustisch auf neusten Stand gebracht. Ein großzügiger, in Eingangsnähe angesiedelter Gastrobereich wird Catering bei Veranstaltungen ermöglichen.

Die Arbeiten am neuen Veranstaltungssaal „Wirkstatt“ in Hausmening sind voll angelaufen. Bei der Baustellenbesichtigung: Ortsvorsteher Anton Geister, Polier Werner Schön (Firma Hörlesberger), Christian Schreyer (Firma Hinterholzer) und Bürgermeister Christian Haberhauer.
Stadtgemeinde

Die „Wirkstatt“ wird nicht nur Veranstaltungszentrum, sondern auch Vereinshaus sein. Neun Vereine aus dem Ortsteil finden dort ein neues Zuhause.

Überflutungen halten Bezirk in Atem und Ybbssurfer sorgen für Kopfschütteln. Anhaltende Regenfälle verursachen Mitte Juni viele Überflutungen und in Wallsee kommt es sogar zu einem tragischen Todesfall. Ein älterer Mann stürzt in die Donau. Die umgehend alarmierten Einsatzkräfte der Feuerwehr können den Mann nur noch tot bergen.

Auch in anderen Gemeinden steht die Feuerwehr im Dauereinsatz. 200 Einsatzkräfte kämpfen gegen die Folgen der Niederschläge an. „In Nabegg kam es zu einem Hangrutsch, in Aschbach waren einige Unterführungen überflutet und in Wallsee und in Preinsbach kam es bei Brücken zu Verklausungen“, berichtet Bezirksfeuerwehrkommando-Pressesprecher Philipp Gutlederer. Etliche Keller stehen unter Wasser und mehrere Straßen müssen gesperrt werden.

Waghalsige Surfer auf der hochwasserführenden Ybbs sorgen Mitte Juni für gehörig Aufsehen und Kopfschütteln.
privat

Für Kopfschütteln sorgen wiederum einige Leichtsinnige, die sich in Matzendorf (St. Georgen am Ybbsfelde) mit dem Surfbrett in die Fluten stoßen. „Das ist sicher ein super Nervenkitzel und man bekommt für die Videos viele Klicks auf Youtube und Facebook. Aber man muss da, wenn etwas passiert, auch die Einsatzkräfte berücksichtigen. Das ist sehr unverantwortlich“, sagt dazu St. Georgens Bürgermeister Christoph Haselsteiner. Strafbar ist ein derartiges Verhalten übrigens nicht. „Das fällt unter Eigenverantwortung und unter erlaubtes Risiko. Ob es besonders klug ist, ist natürlich eine andere Frage“, sagt Ferdinand Humpl vom Amstettner Bezirkspolizeikommando.

Was passierte im Jahr 2020 noch im Bezirk Amstetten:

Mehr über die Auswirkungen der Coronakrise auf die Region, die Schaffung eines Naherholungsgebietes entlang der Url, den Start des ersten Schul-Clusters, die Absiedelung der Neurologie vom Landesklinikum Mauer, die Gründung der Wirtschaftsraum Amstetten GmbH sowie einen Rückblick auf die Gemeinderatswahlen lest ihr in der Printausgabe der Amstettner NÖN und im ePaper vom 30. Dezember 2020.