Amstettner Profi-Musiker: Bundeshymne auf dem Mount Everest

Erstellt am 23. Mai 2022 | 09:07
Lesezeit: 5 Min
Johannes Ettlinger
Foto: privat
Der Amstettner Profi-Musiker Johannes Ettlinger bestieg das Dach der Welt – mit seiner Basstrompete im Gepäck.
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Freitag, der 13. Mai 2022, ist ein denkwürdiges Datum: Denn da stand nicht nur der erste Amstettner auf dem Mount Everest sondern er war auch bestimmt der erste Bergsteiger überhaupt, der dort versuchte, mit einer Basstrompete die österreichische Hymne zu spielen. „Leider kam ich über ein paar Töne nicht hinaus, aber es war ein unvergesslicher Augenblick, da am Dach der Welt zu musizieren“, schwärmt Johannes Ettlinger (38).

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Der Amstettner Johannes Ettlinger hat mit einer Basstrompete den Mount Everest bestiegen und auch für seine Kameraden gespielt: „Es ist schön, zu sehen, wie Musik Menschen aus unterschiedlichen Ländern verbindet.“ Fotos: privat
Foto: privat

Die Idee, ausgerechnet am Mount Everest, von wo aus man übrigens sogar die Erdkrümmung erkennen kann, ein Ständchen zu geben, kam dem leidenschaftlichen Berggeher im Vorjahr, nachdem er den Gipfel des Großglockners erklommen hatte und dort mit seiner Trompete die Bundeshymne spielte. „Alle, die da dabei waren, auch ein Bergführer, der schon tausend Mal am Großglockner stand, waren richtig ergriffen. Einigen sind sogar die Tränen gekommen und das war auch für mich sehr schön, weil ich gerne mit meiner Musik Freude und Emotionen vermittle“, sagt Ettlinger. Warum also nicht auch ein Instrument auf den höchsten Berg der Welt tragen und dort die österreichische Hymne spielen?

Viele Hürden zu überwinden

Dem Amstettner, der Berufsmusiker ist, als Posaunist zum Bühnenorchester der Wiener Staatsoper gehört und auch immer wieder mit den Wiener Philharmonikern spielt, war klar, dass es da viele Hürden zu überwinden gibt. Eine Posaune auf den höchsten Berg der Welt zu schleppen, war unmöglich. „Daher ließ ich mir eine Basstrompete bauen, von der man den Becher abschrauben und leicht verpacken kann. Es ist ein gutes Instrument, mit dem ich auch schon Konzerte gespielt habe“, berichtet Ettlinger.

Im nächsten Schritt kontaktierte er ein österreichisches Unternehmen, das Everest-Besteigungen anbietet. Dem Am-stettner, dessen höchster bestiegener Berg zuvor der Mönch in der Schweiz mit 4.107 Metern war, war klar, dass er wenig Erfahrung für so ein Wagnis mitbrachte. Jedes Jahr lassen Bergsteiger am Mount Everest ihr Leben. „Ich habe mich dann mit dem CEO der Firma getroffen. Er hat gemeint, dass für eine erfolgreiche Everestbesteigung 50 Prozent die mentale Stärke ausschlaggebend ist und dass ich die seiner Meinung nach mitbringe“, berichtet der Musiker, der zwar in Wien eine Wohnung hat, dessen Hauptwohnsitz aber nach wie vor in Amstetten ist, im Haus seiner Eltern.

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Auch Stadtrat Heinz Ettlinger, Bürgermeister Christian Haberhauer und Stadtrat Stefan Jandl gratulierten Johannes Ettlinger zur erfolgreichen Mount-Everest-Besteigung. Foto: Knapp
Foto: Knapp

Zur Vorbereitung musste Ettlinger den 5.642 Meter hohen Elbrus besteigen und es stand eigentlich auch noch der Aconcagua, der höchste Berg Argentiniens, mit knapp 7.000 Metern am Programm. Doch im Basecamp erkrankte Ettlinger an Corona und statt den Gipfel zu stürmen, saß er dann zwei Wochen in Quarantäne in einem Hotelzimmer.

Die Agentur entschied, dass er die Expedition auf den Everest dennoch mitmachen dürfe. Von seinem Arbeitgeber wurde er für seine Reisen unbezahlt freigestellt. Normalerweise dauert eine Besteigung des Everests etwa acht Wochen, Ettlinger nahm aber an einer sogenannten Flashexpedition teil (mit Kosten von 100.000 Euro), bei der für den Gipfelsturm nur drei bis vier Wochen anberaumt werden. „Da man weniger Zeit hat sich zu akklimatisieren, bekam ich schon zu Hause ein kleines Zelt, in dem man die Sauerstoffsättigung der Luft herabschrauben konnte. Darin musste ich schlafen, um mich daran zu gewöhnen“, erzählt der Amstettner.

Das Team, das seine Gruppe, bestehend aus Engländern, Österreichern, Kanadiern und Israelis schließlich auf den Berg brachte, beschreibt Ettlinger als sehr professionell. Psychisch die größte Herausforderung war für den Musiker der Weg durch den 800 Meter langen Khumbu-Eisfall, weil dort ständig Eisbrocken herunterfallen können und jedes Jahr auch Leute verletzt werden. „Das ist wirklich gefährlich und ich war froh, als wir das hinter uns hatten. Körperlich habe ich beim Aufstieg zum Camp 2 am meisten zu kämpfen gehabt. Von da an ging es nur noch mit Sauerstoff weiter und da hatte ich physisch keine Probleme mehr. Ab Camp 3 schläft man dann auch mit Sauerstoffmaske“, erzählt Ettlinger.

Der Gipfelsturm vom Camp 4 aus, auf schon über 8.000 Metern Höhe, begann am 12. Mai um 21 Uhr. „Man kennt ja die Fotos vom Stau zum Gipfel hinauf, aber es war noch viel schlimmer. Wir haben einen Schritt gemacht und dann sind wir wieder zwei Minuten gestanden“, erinnert sich der Amstettner. Als er dann aber oben auf dem Dach der Welt stand, waren alle Strapazen vergessen. „Das war etwas Erhabenes, Vollkommenes“, versucht er im Nachhinein, Worte dafür zu finden.

Wind ließ die Ventile einfrieren

Natürlich packte Ettlinger die Basstrompete aus, doch der starke Wind machte sein Vorhaben, die österreichische Hymne zu spielen, zunichte.

„Die Ventile sind in Sekunden eingefroren. Ich habe versucht, sie mit einer Akkuwärmepistole und Alkohol zu enteisen, aber das klappte nicht. Ein paar Töne konnte ich aber immerhin spielen und wahrscheinlich bin ich der erste Mensch überhaupt, der am Mount Everest Musik gemacht hat“, sagt Ettlinger. Nach der Rückkehr ins Basislager, bat ihn die Mannschaft, „My way“ zu spielen, was er auch tat. „Denn es ist schön, zu sehen, wie man mit Musik Menschen unterschiedlicher Herkunft verbinden kann.“

Der Mount Everest dürfte Ettlingers einziger 8.000er bleiben. Den 13. Mai 2022 – obwohl ausgerechnet ein Freitag – wird er aber als Glückstag in Erinnerung behalten.

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