Gemeindezusammenlegung Oed-Öhling: „Es war keine Liebesheirat“

Land sprach ein Machtwort: Seit 1. Jänner 1972 sind Öhling und Oed eine Gemeinde.

Erstellt am 12. Januar 2022 | 06:03
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Bürgermeisterin Michaela Hinterholzer mit den Gemeinderatsprotokollen der Gemeinden Oed und Öhling aus dem Jahr 1971.
Foto: Knapp

Im August 1970 forderte das Land NÖ im Rahmen einer Kommunalstrukturverbesserung die Gemeinden auf, sich zu größeren Kommunen zusammenzuschließen. Im Raum stand damals eine Zusammenlegung der Gemeinden Mauer und Öhling, zumal beide Orte ja eine gemeinsame Geschichte haben. Noch heute heißen etwa die Blasmusikkapelle und die Feuerwehr Mauer-Öhling. „Das Thema ist damals intensiv diskutiert worden. Die Rotten Pyhra und Ramsau wollten aber zu Aschbach dazu und Buchleiten wollte nach Oed. Außerdem wollte der damalige Oeder Pfarrer, dass alle Teile Öhlings, die kirchlich nach Oed orientiert waren, auch dort dazukommen“, berichtet Oed-Oehlings Bürgermeisterin Michaela Hinterholzer.

Am 5. September wurde dann im Öhlinger Gemeinderat über die freiwillige Vereinigung mit Mauer abgestimmt. 12 ÖVP-Gemeinderäte stimmten dagegen, nur die zwei SPÖ-Gemeinderäte dafür.

Doch damit war das Thema Zusammenlegung nicht vom Tisch. Im Jahr 1971 gab es ausgehend vom Landtagsabgeordneten und damaligen Bürgermeister von Kollmitzberg, Karl Amon, Bestrebungen, eine Großgemeinde Amstetten-Land zu gründen. Dazu gehören sollten: Kollmitzberg, Ardagger Stephanshart, Haag-Dorf, Neustadtl, Preinsbach, St. Georgen am Ybbsfelde, Öhling, Oed, Viehdorf, Winklarn, Zeillern und Wallsee-Sindelburg. „Grund für diese Bestrebungen war vor allem, dass man sich bessere Förderungen erhoffte, weil diese Großgemeinde dann über 10.000 Einwohner gehabt hätte. Die Verwaltung wäre in den Händen von Ortsvorstehern und Ortsbeiräten gelegen“, berichtet Hinterholzer. Um dieses Vorhaben zu verwirklichen, hätten aber alle Gemeinden einen entsprechenden Beschluss fassen müssen, was nicht passierte.

Land verfügte den Zusammenschluss

Weil Öhling und Oed sich nicht freiwillig mit anderen Gemeinden zusammenschlossen, sprach der Landtag schließlich ein Machtwort. Er erließ 1971 das Gesetz zur Verbesserung der Kommunalstruktur in Niederösterreich – und darin wurde verfügt, welche Gemeinden sich zusammenzuschließen hätten. Im Bezirk waren das Allhartsberg und Kröllendorf, Strengberg und Au, Winklarn und Dorf-Haag sowie Oed und Öhling zur Gemeinde Oed-Oehling.

„In Oed hat das damals große Betroffenheit ausgelöst, und der langjährige Bürgermeister Franz Brunnbauer ist mit 31.12.1971 zurückgetreten. Er hat das sehr schwer genommen“, berichtet Hinterholzer. Das war auch der Tag, an der die eigenständige Gemeinde Oed aufhörte, zu existieren. Für Oed, das immerhin auf eine 700-jährige Geschichte zurückblickt, ein Marktrecht hatte und immer sehr selbstbewusst war, war das ein schwerer Schlag. Zum Regierungskommissär von Oed-Oehling wurde Rupert Memelauer ernannt, der dann auch erster Bürgermeister wurde.

Die neue Gemeinde hatte 1.012 Einwohner, 656 in Öhling und 356 in Oed. „Das Verhältnis von zwei Drittel zu einem Drittel ist bis heute in etwa gleich geblieben, auch wenn sich die Zahl der Einwohner inzwischen auf 2.039 verdoppelt hat“, berichtet Hinterholzer. Sie hat sich an den Feiertagen in die Gemeinderatsprotokolle aus der Zeit der Zusammenlegung vertieft. „Das ist eine spannende Lektüre. Rückblickend kann man sagen, dass es damals keine Liebesheirat war. Und noch heute sind Öhling und Oed zwei eigenständige Ortsteile, die auch durch ihre Pfarren stark geprägt werden, aber sich durch ein gutes Miteinander auszeichnen“, betont die Bürgermeisterin.

Große Feiern sind zum 50-jährigen Jubiläum nicht geplant – auch aufgrund der Pandemie. „Am Nationalfeiertag werden wir aber wieder einen Wandertag in beiden Ortsteilen machen, wo die Gemeindezusammenlegung ein Thema sein wird“, sagt Hinterholzer.