Keine Quarantäne für Ardagger. Am Sonntagabend liefen in Ardagger Fake-News, dass der Ort bald unter Quarantäne gestellt werden könnte. "Davon ist derzeit aber keine Rede und ich habe momentan auch keine Anzeichen, dass das kommen wird", sagt Bürgermeister Hannes Pressl. Er bittet, derartige Meldungen im Internet nicht unhinterfragt und unreflektiert zu verbreiten.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 16. März 2020 (11:32)
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Bürgermeister Hannes Pressl warnt vor der Verbreitung von Fake-News und lobt den Zusammenhalt der Menschen in Ardagger.
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Dass Ardagger im Bezirk derzeit in Sachen Corona-Virus der Hotspot ist, steht allerdings außer Zweifel. Das zeigt sich auch daran, dass große Firmen aus der Region, ihre Beschäftigten aus der Gemeinde angewiesen haben, vorläufig nicht zur Arbeit zu kommen.

Pressl geht davon aus, dass derzeit in Ardagger etwa 16 Personen infiziert sind. Zwischen 150 und 200 Menschen dürften momentan unter Quarantäne stehen. "Bei uns läuft jetzt schon, was anderen Gemeinden wohl noch bevorsteht", sagt der Bürgermeister. Die Schulen sind zu. Nur drei Kinder müssen in der Volksschule betreut werden, alle anderen sind Zuhause. Das liegt daran, dass ihre Eltern ebenfalls daheim sind. 

In Ardagger wird der Zusammenhalt auch in dieser Krise groß geschrieben. Das Kaufhaus Moser ist zwar geschlossen, es gibt aber schon Überlegungen, dass Leute telefonisch Waren bestellen und vor dem Laden abholen können sollen. "Ich habe auch Anfragen von Leuten, die Zuhause sind und sich an einem Zustelldienst beteiligen würden", berichtet Pressl. Gastwirt Grünberger in Kollmitzberg, der sein Haus natürlich auch geschlossen hat, biete Bürgern an, sich bei ihm ein vorher bestelltes Mittagessen abzuholen. 

Isolation: Kreative Ideen gefragt

Sorgen macht sich der Ardagger Bürgermeister über die Dauer der häuslichen Isolation. "Die Leute sind jetzt wirklich super, aber wir müssen uns auch etwas überlegen, damit ihnen in einer Woche nicht die Decke auf den Kopf fällt. Da müssen wir kreativ sein und wohl vor allem auch die Online-Medien nutzen", betont Pressl. Eine Videobotschaft von Pfarrer Gerhard Gruber und Diakon Gottfried Fischl vom Sonntag wurde sehr oft angeklickt. "Das zeigt mir, dass wir nicht nur Texte, sondern auch bewegte Bilder erzeugen müssen. Wir müssen den Leuten kleine Geschichten erzählen, damit sie sehen, dass das Leben weitergeht. Ich bin da für Ideen jederzeit offen." 

Pressl warnt auch entschieden vor einer Untergangsstimmung. Gerade die Nachrichten aus Italien vermittelten den Eindruck, als sei die Erkrankung äußerst gefährlich. "Ich will auch gar nichts verharmlosen und es gilt natürlich die Risikogruppen zu schützen, aber man sollte doch auch immer wieder daraufhin weisen, dass die Krankheit bei den allermeisten Infizierten wie eine Grippe verläuft und sie auch wieder gesund werden. Da muss man den Leuten auch etwas die Angst nehmen. Da sind auch die Regierung und die Behörden gefragt." 

Die Zahl der Erkrankten hat sich im Bezirk Amstetten von Sonntag auf Montag auf 31 Personen erhöht. Die Steigerungsrate von elf Neu-Infizierten ist die höchste aller Bezirke im Land.