Amstetten: Schweinefleischdebatte geht weiter. Weil ein Amstettner Kindergarten beim Mittagstisch kein Schweinfleisch und keine Lebensmittel mit Schweinegelatine mehr anbietet gehen die Wogen hoch.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 06. September 2017 (16:41)
Symbolbild
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Eltern hatten sich vor zwei Wochen anonym darüber beschwert, dass ein Kindergarten beim Mittagstisch den Kindern, die die Nachmittagsbetreuung in Anspruch nehmen, kein Schweinefleisch mehr serviert. Begründung der Kindergartenleitung: Es essen dort auch Kinder aus anderen Kulturen.

VP-Chef Dieter Funke brachte das Thema an die Öffentlichkeit und seitdem reißt die Diskussion darüber nicht mehr ab – vor allem auch in diversen Internetforen. Für Funke ist nach wie vor klar: „Es ist der falsche Weg, wenn man aus religiösen Gründen unseren Kindern Schweinefleisch vorenthält. Ich fordere daher, dass es künftig wieder angeboten wird. Nicht wir sind es die sich anpassen müssen. Wer Schweinefleisch nicht essen will oder darf, der muss das ja nicht tun.“

„Sieg über Schweinefleisch essendes Gastland“

Auch die FPÖ meldet sich inzwischen in der Causa zu Wort: „Für uns kommen unsere Familien, unsere Kinder und unsere Kultur zuerst. Daher verlangen wir eine verpflichtende Abstimmung unter jenen Eltern, die Kinder im Kindergarten oder in Schulen verköstigen lassen, ob es auch in Zukunft Schweinefleisch geben soll oder nicht“, sagt Gemeinderätin Martha Harreiter.

Es gehe nicht an, dass „Eltern aus der fremden Kultur ­- anscheinend fast schon mit Allmacht ausgestattet - einen weiteren Sieg über ihr Schweinefleisch essendes Gastland feiern“, entrüste sich die FP-Politikerin.

Populismus am Rücken der Kinder

SPÖ-Sozialstadtrat Gerhard Riegler betont einmal mehr, dass die Stadt den Kindergärten diesbezüglich keine Vorschriften mache. Die Kindergartenleitung habe den Speiseplan selbst zusammengestellt – auch aufgrund von Erfahrungswerten aus der täglichen Praxis.

„Ich werde mich der Schweinefleisch-Diskussion nicht entziehen, allerdings wird sie im Moment rein populistisch am Rücken der Kinder ausgetragen. Und wenn nun sogar schon Fernsehteams versuchen in einen Kindergarten hinein zu filmen, dann geht das absolut zu weit. Tatsache ist: Die Stadt schreibt den Kindergärten nicht vor welche Lieder sie singen sollen und genau so wenig schreibt sie ihnen einen Speiseplan vor. Im Übrigen ist die Kindergartenleiterin eine Landesbedienstete und die Kindergärten sind Landeskindergärten. Wir könnten das also gar nicht“, sagt Riegler.