Neurologie 2022 nach Amstetten und Melk verlegt. Gesundheitsagentur gibt straffen Zeitplan vor. Betriebsrat übt Kritik.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 17. März 2021 (05:27)

Die Verlagerung der Neurologie vom Standort Mauer nach Amstetten und Melk wird von der Landesgesundheitsagentur (LGA) trotz Pandemie zügig vorangetrieben und soll schon im März 2022 abgeschlossen sein. „Im kommenden Sommer wird am Standort Mauer das Pflege- und Betreuungszentrum mit den Häusern 46 und 48 um 40 Bewohnerplätze erweitert. Dort können also für die Mitarbeiter der Neurologie zu diesem Zeitpunkt schon die ersten Arbeitsplätze angeboten werden. Aufgrund der Inbetriebnahme dieser neuen Plätze ist auch geplant, den ersten Teil der Neurologie zu schließen“, berichtet LGA-Sprecher Bernhard Jany.

Die dienstjüngsten Mitarbeiter, also die Absolventen der letzten Klasse der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Mauer, seien darüber informiert und einige hätten auch die Absicht, sich für das PBZ zu bewerben, weil sie weiterhin gerne am Standort Mauer beruflich tätig sein wollten.

Ziel der Landesgesundheitsagentur sei es, so Jany, allen derzeitigen Mitarbeitern der Neurologie bestmögliche weitere Arbeitsplätze anbieten zu können. Die Vorstände der LGA hätten ihnen ja auch eine 100-prozentige Jobgarantie gegeben.

Die Verlagerung der noch verbleibenden (rund 80) Betten der Neurologie ist für das erste Quartal 2022 vorgesehen. Ein Teil kommt in das Landesklinikum Amstetten, wo die Zahl der neurologischen Akutbetten erhöht wird, um eine fachliche Bündelung zu erzielen. „Die neurologischen Nachsorgebetten (sogenannte Phase C-Betten) werden im Landesklinikum Melk verortet, auch hier werden Arbeitsplätze für die Mitarbeiter aus Mauer zu besetzen sein“, versichert der LGA-Sprecher.

Die Mitarbeiter in Mauer würden auch laufend in Einzel- oder Teambesprechungen über den Verlauf der Verlagerung der Neurologie informiert und es sei zudem eine Jobbörse eingerichtet worden.

„Bekamen nur den Zeitplan vorgelegt“

Aus Sicht des Betriebsrates kann von einer Einbindung der Belegschaft und der Klinikleitung in den Verlegungsprozess allerdings keine Rede sein. „Die Einbindung sieht so aus, dass wir jetzt einen Zeitplan vorgelegt bekommen haben, den wir umsetzen müssen“, berichtet Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Schoder (ÖAAB-FCG). Er bestätigt zwar, dass ein Teil der Mitarbeiter der Neurologie 3, die schon im Sommer geschlossen wird, künftig im PBZ arbeiten könne, „aber wenn im kommenden Jahr dann die übrigen 80 Betten verlegt werden, sieht die Sache ganz anders aus. Die Beschäftigten haben zwar eine Jobgarantie, aber sie wissen in Wirklichkeit auch nur, dass die Neurologie in einem Jahr weg sein wird.“

Wo sie dann Dienst tun sollen, darüber hätten sie noch keine Informationen. Nach dem Corona-Jahr, das ohnehin sehr belastend war, sei das nun eine zusätzliche Verunsicherung für die Betroffenen, ärgert sich Schoder. Auch gute Konzepte der kollegialen Führung, in Sachen Verlegung, hätten kein Gehör bei der LGA gefunden. Man wisse derzeit nicht einmal, wann in Amstetten und Melk die baulichen Voraussetzungen für die Übersiedlung geschaffen würden. „Eigentlich sollte man doch zuerst ein Konzept vorlegen und dann einen Zeitplan darüber stülpen“, sagt der Betriebsratsvorsitzende.

24.268 Unterschriften einfach ignoriert

Aus Sicht der Personalvertreter werden von Politik und LGA-Leitung auch die 24.268 Unterschriften von Bürgern, die eine schlechtere medizinische Versorgung in der Region befürchteten, einfach ignoriert. „Bei der Übergabe der Unterschriften im November wurde uns von Landeshauptfraustellvertreter Pernkopf zugesichert, dass man dem Standort Mauer neue Chancen eröffnen wird. Aber welche Abteilungen im Klinikum ausgebaut werden sollen – Forensik, Schmerztherapie, Demenzversorgung – darüber ist bisher vonseiten der LGA überhaupt nichts kommuniziert worden“, berichtet Schoder.

Den Unmut der Belegschaft im Klinikum könnte die ÖVP demnächst zu spüren bekommen – konkret der ÖAAB. Denn es läuft eine Urabstimmung über die Auflösung der (vom Betriebsrat unabhängigen) politischen ÖAAB-Betriebsgruppe.