Es gibt keine Kostenwahrheit. Hermann Knapp über die Obsternte und die niedrigen Preise.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 11. September 2018 (05:04)

Eigentlich sollten sich die Bauern freuen. Denn nach einigen mageren Jahren hängen die Birnen- und Apfelbäume heuer wieder voller Früchte – und auch die Qualität ist sehr gut.
Die Begeisterung darüber hält sich in der Region – von den bäuerlichen Mostproduzenten einmal abgesehen – allerdings in Grenzen. Grund dafür ist der Preis, den die obstverarbeitende Industrie für Birnen oder Äpfel zahlt. Für 56 beziehungsweise 50 Euro pro Tonne (das ergibt einen Stundenlohn von sieben bis acht Euro), lohnt sich ihrer Ansicht nach das Bücken kaum.

Die Industrie verweist natürlich auf eine weltweit sehr gute Ernte und dass sie sich mit ihren Preisen einfach am Weltmarkt orientieren müsse. Letztlich zeigt sich erneut, dass es vor allem beim Transport keine Kostenwahrheit gibt. Denn wenn es keine Rolle spielt, ob man Obst aus Polen importiert oder vor Ort kauft, dann stimmt in dieser Gleichung etwas nicht. Die Zeche zahlen die heimischen Obstbauern, die Umwelt und die späteren Generationen, denen wir ein übles Erbe hinterlassen.