Hautplatz: Viel mehr Bäume und Begegnungszone

Am Mittwoch wurde das mit Spannung erwartete Konzept für die Entwicklung und Gestaltung der Zentrumszone in Amstetten vorgestellt. Für den Hauptplatz lautet die Devise, die die Yewo Landscapes GmbH in Abstimmung mit Politik und Bürgern erarbeitet hat: "Weniger Platz für Autos bedeutet mehr Fläche für Menschen." Die City soll sich daher in eine Begegnungszone verwandeln.

Hermann Knapp
Hermann Knapp Erstellt am 01. Juli 2021 | 06:40
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So könnte nach der Vorstellung des YEWO-LANDSCAPES-Teams der Hauptplatz nach der Umgestaltung in eine Begegnungszone aussehen.
Foto: Usercontent, Yellow Landscapes

Zu Beginn der Veranstaltung im mozArt hob Bürgermeister Christian Haberhauer noch einmal den Wert des Stadterneuerungsprozesses SAM hervor. "Trotz Pandemie ist es uns gelungen, mit unterschiedlichen digitalen Formaten sehr viele Menschen einzubinden. Wir haben wirklich eine tolle Bürgerbeteiligung gehabt." Den Hauptplatz bezeichnete der Stadtchef als "Leuchturmprojekt, weil er Strahlkraft nach außen in die Region hat." 

Stefan Lettner von der Firma CIMA, einem Beratungsinstitut für Stadt- und Regionalentwicklung und Handlungsforschung, hat mit seinem Team vor allem "immobilienwirtschaftliche" Aspekte in den SAM-Prozess einfließen lassen. Und er lieferte auch eine Begründung warum eine Umwandlung des Amstettner Zentrums in eine Fußgängerzone nicht infrage kommt.

"Es gibt da insgesamt 14 Kriterien welchen Grad an Verkehrsberuhigung eine Stadt verträgt und fast alle sprechen in Amstetten gegen eine FUZO. Vor allem, dass 70 Prozent der Einkäufe im Zentrum von Kunden getätigt werden, die von auswärts, also primär mit dem Auto kommen, ist eine starkes Argument dagegen." Statt einer Fußgängerzone schlägt Lettner daher eine Begegnungszone nach dem Vorbild der Mariahilfer Straße in Wien vor, wo alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. 

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Bei der Präsentation im mozArt (von links) Bürgermeister Christian Haberhauer, Karolina Petz und Dominik Scheuch (YEWO LANDSCAPES), Mag. Stefan Lettner (CIMA) und Vizebürgermeister Markus Brandstetter.
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CIMA hat auch einen "City-Check" durchgeführt um Stärken und Schwächen der Innenstadt aufzulisten. Am Hauptplatz ortet man in den Erdgeschoßzonen einen Überhang von Dienstleistern und rät, nach und nach Handelsbetriebe dort anzusiedeln - das sei auch für ein Zusammenwachsen von CCA und Innenstadt wichtig. Die Rathausstraße bezeichnet Lettern als "Kleinod mit sehr schönen Anbietern." Vom Branchenmix her betrachtet, wertet CIMA den Bereich rund um den neuen Spar-Markt in der Wiener Straße als den interessantesten Punkt der Innenstadt.

Insgesamt müsse aber die Wohlfühl- und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt gesteigert werden, empfiehlt Lettner.

Genau da setzt der 90-seitige Handlungskatalog der Yewo Landscapes Gmbh (Büro für Landschaftsarchitektur) für die Amstettner Zentrumszone an. "Der Hauptplatz müsse künftig sozusagen von Fassade zu Fassade betrachtet, und der zur Verfügung stehende Raum zu Fuß mit dem Rad und mit dem Auto genutzt werden können", sagt Yewo-Chef Dominik Scheuch. Für sehr wichtig hält er es, dass Fußgänger in diesem Bereich künftig überall queren können. Die Autos sollen keinen Vorrang mehr haben, sondern nur gleichberechtigter Gast am Hauptplatz sein, die Fahrbahn soll verschmälert werden. 

Um den Hauptplatz als Verweil- und Konsumzone attraktiver zu gestalten, schlägt das Yewo-Team auch vor, mehr Struktur hineinzubringen, "zum Beispiel durch dunklere, befestigte Bodenbereiche und im Gegensatz dazu hellere Flächen, die auch aufgebrochen werden könnten." Die Möblierung (Sessel im Stadblau) könnte zugleich zu einem ein Corporate Identity beitragen. Überhaupt soll das Stadtblau in allen Bereichen der City in Erscheinung treten.

Yewo empfiehlt am Hauptplatz mehr Bäume zu pflanzen, bis zu 30 könnten es sein. Dafür müssten allerdings vor allem im Bereich vor der Sparkasse einige Parkplätze weichen - etwa acht der bisher 24. "Aber für die Nutzer des Zentrums würde das einen Mehrwert bringen", betont Scheuch.

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Auch die Rathausstraße soll in eine Begegnungszone verwandelt werden - und viel mehr Grün bekommen.
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Weniger Parkplätze, dafür aber mehr Grün und auch Schanigärten schlägt Yewo auch in der Rathausstraße vor, die ebenfalls zur Begegnungszone werden soll. Für Bürgermeister Haberhauer ist gerade sie ein Schlüsselstück der Zentrumsgestaltung. "Wir haben beim CCA ja sehr viele Parkflächen und je attraktiver die Rathausstraße ist, umso mehr Menschen werden auch den Weg ins Zentrum finden."

Vorschläge hat Yewo auch noch für die Sparkassenpassage und für den Bahnhofsplatz unterbreitet. Bis es dort zur Neugestaltung kommt, wird aber noch einige Zeit vergehen. Vorrang haben Hauptplatz, Rathausstraße und Wiener Straße.

Mit dem vorliegenden Konzept will die Stadt nun einen europaweiten Planer-Wettbewerb ausloben. Das soll im Herbst passieren. Haberhauer rechnet damit, dass man schon im Herbst nächsten Jahres mit ersten baulichen Maßnahmen beginnen kann. Fünf bis sechs Millionen Euro dürften dafür im nächstjährigen Budget der Stadt vorgesehen werden. Bis 2024 soll der engere Zentrumsbereich in neuem Glanz erstrahlen und auch ein neues Verkehrsleitsystem installiert sein. Danach will man sich dem Graben und der erweiterten Wiener Straße widmen. Der Zeitrahmen dafür erstreckt sich bis 2030.

Vizebürgermeister Markus Brandstetter, Hauptverantwortlicher für den SAM-Prozess ist vom vorliegenden Konzept begeistert und überzeugt: "Die Menschen haben uns im Stadterneuerungsprozess gesagt, dass sie den öffentlichen  Raum als  als Raum der Begegnung, des Erlebens und des Genusses wiederhaben wollen. Wir beginnen nun, ihnen den Raum zurückzugeben. Amstetten soll und wird zu einer Stadt werden, in der man gerne verweilt!"