Bezirk Amstetten: Schweine-Preis ist im Keller

Erstellt am 09. Februar 2022 | 05:54
Lesezeit: 3 Min
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Andreas Pum kennt die Probleme der Schweinebauern aus eigener Erfahrung.
Foto: privat
Die heimischen Schweinebauern erwirtschaften derzeit kein Einkommen. Corona-Krise und Schweinepest sind die Ursachen.
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Die Schweinebauern stöhnen unter einem massiven Preisverfall beim Fleisch auf der einen und einem enormen Anstieg der Futtermittelpreise auf der anderen Seite. „Durch die Corona-Krise kam es zu einem Markteinbruch, weil die Gastronomie und Hotellerie natürlich viel weniger Fleisch abnehmen. Hinzu kommt die Afrikanische Schweinepest (ASP), die schon in vielen europäischen Ländern aufgetreten ist und den Export in asiatische Länder praktisch zum Erliegen gebracht hat“, sagt Andreas Pum aus St. Valentin, Obmann der Arbeitsgruppe Schwein in der Landeslandwirtschaftskammer. In Deutschland würden daher nun Produktion und Lagerbestände abgebaut – zu Schleuderpreisen, die den österreichischen Markt unter Druck setzen. „Bei uns bekommen Landwirte für ein Mastschwein 155 Euro brutto, die Deutschen verkaufen sie derzeit um 35 Euro billiger. Natürlich greifen heimische Verarbeiter daher vermehrt zur billigen deutschen Ware“, klagt Pum. Dabei sei für die Landwirte auch mit 155 Euro pro Mastschwein kaum ein Einkommen zu erwirtschaften. „Der Börsepreis für das Kilogramm Schwein liegt bei 1,29 Euro. Bei den derzeitigen Futtermittelpreisen bräuchten wir zwei Euro, damit es in eine positive Richtung geht“, sagt der Bauernbundfunktionär.

Immerhin wurde in der Vorwoche vom Bund aufgrund des 30-prozentigen Umsatzverlustes nun eine Verlustabdeckung für die Schweinebauern beschlossen. „Damit will man die Produktion im eigenen Land halten und die Eigenversorgung mit Schweinefleisch sichern. Aber die Verlustabdeckung ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Bauern dazu zu motivieren, weiter in Schweineproduktion zu investieren, wird sie nicht. Dafür fehlt ihnen auch das Geld“, sagt Pum.

Mehr Augenmerk auf das Tierwohl

Er sieht bei der Schweineproduktion einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel im Gange. „Es wird mit noch mehr Tierwohl versucht, die Qualität weiter zu steigern – dafür gibt es eine immer breitere Basis. Das geht von der AMA-Gütesiegel-Produktion bis hin zu Markenproduktionen mit speziellen Kriterien wie etwa Strohhaltung. Funktionieren kann das aber nur, wenn der Handel auch bereit ist, dafür einen höheren Preis zu zahlen.“ Für die Bauern führt der Weg, aus Sicht des Obmannes des Arbeitskreises Schwein, hin zu Vermarktungsgenossenschaften, die versuchen, mit langfristigen Kooperationen den Markt abzusichern und die großen Preisschwankungen abzufedern. 2022 ist aus der Sicht Pums ein entscheidendes Jahr für die Schweineproduktion in Österreich. Letztlich hätten es die Konsumenten in der Hand, ob viele Betriebe das Handtuch werfen oder neue Motivation finden. „Das hängt davon ab, ob die Kunden im Geschäft zum hochpreisigeren Qualitätsprodukt aus der Region greifen oder zum Billigst-Angebot aus Übersee oder aus dem Osten, das den Markt verfälscht“, sagt Pum und fordert auch noch eine Kennzeichnungspflicht für Waren mit Fleisch, Milch und Eiern.

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