Bauern im Bezirk Amstetten: „Atomkraft schmeckt uns nicht“

Erstellt am 10. Februar 2022 | 05:52
Lesezeit: 3 Min
EU-Kommission stufte Atomkraft und Gas als klimafreundlich ein. Bauern empört.
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Damit die EU bis 2050 klimaneutral wird, braucht es laut Brüssel private Investitionen für die Nutzung von Gas- und Kernenergie, die als nachhaltige Energieformen anerkannt werden sollen, was „Greenwashing“ von Kernkraft und Erdgas gleichkommt. Österreich kündigte eine Nichtigkeitsklage beim Europäischen Gerichtshof an, Klimaschutzministerin Leonore Gewessler hält die Entscheidung der EU-Kommission inhaltlich als auch rechtlich für völlig falsch.

Der Landeskammerrat der Unabhängigen Bauernvertretung (UBV), Herbert Hochwallner, sieht darin eine große Gefahr für Mensch und Umwelt: „Atomkraftwerke haben über Nacht einen grünen Stempel bekommen, zugleich aber soll jedem Waldbesitzer ein Verwaltungspaket und ein Einkommensverlust aufs Auge gedrückt werden, was einen nachhaltigen Schaden für die aktive Waldbewirtschaftung und einen inakzeptablen Eingriff ins Eigentumsrecht darstellt“, kritisiert er im Einklang mit der Landwirtschaftskammer die EU. Die Taxonomie-Verordnung definiert die Kriterien, ob eine Wirtschaftstätigkeit als ökologisch nachhaltig einzustufen ist. Waldbesitzer müssten künftig nachweisen, dass die Waldpflege einen Nutzen für das Klima bringe. „Bäume müssen als ‚klimafit‘ gelten, nur dann werden Investitionen als nachhaltig bewertet. Bürokratie ohne jeglichen Mehrwert“, ist der UBV-Obmann enttäuscht. Zudem werde in Brüssel derzeit sogar diskutiert, ein Fünftel der jeweiligen Waldfläche verpflichtend außer Nutzung zu stellen, was mit einem herben Einkommensverlust für die Bauern verbunden wäre.

„Bioenergie muss gefördert werden“

Kritik kommt auch vom Bauernbund mit Kammerobmann Josef Aigner: „Wir unterstützen die Klage auf ministerieller Ebene voll und ganz, können doch gerade auch die Bauern gut für die regionale Energieversorgung aufkommen, wie Beispiele in Biberbach, Strengberg, Kematen und vielen anderen Gemeinden beweisen.“

Zumeist seien es bäuerliche Gemeinschaften, die regional nachhaltige Energie sicherstellten. Während Atomkraft und fossiles Erdöl ein grünes Mascherl bekämen, versuche man, der Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen untaugliche bürokratische Hürden in den Weg zu legen. „Die Atomkraft ‚schmeckt‘ uns einfach nicht, es gilt die Bioenergie zu forcieren. Es gibt noch viele leere Dächer und die energieautarken Bauernhöfe sollten auch noch mehr werden“, ergänzt Aigner.

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