LK Amstetten-Leiter Meznik: „Wurde belächelt“

Christian Meznik, ehemaliger ärztlicher Leiter des Landesklinikums Amstetten, über seinen zu frühen Abschied, Ärztemangel und Corona-Impfung.

Erstellt am 16. Oktober 2021 | 06:28
Christian Meznik
Christian Meznik liegt die Medizin auch nach seiner Pensionierung noch immer sehr am Herzen. „Ich nehme mir daher noch immer kein Blatt vor den Mund und halte mit meiner Meinung nicht hinterm Berg!“
Foto: zVg

Seit 1. Jänner 2020 ist der ehemalige ärztliche Direktor des Landesklinikums Amstetten, Christian Meznik, in Pension. Der Abschied kam ihm eigentlich um ein Jahr zu früh.

„Ich wäre gerne noch geblieben, aber mein Dienstgeber, das Land Niederösterreich, hat es nicht gewollt. Das hat mich sehr getroffen, aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Mit ein wenig Abstand betrachtet, ist mir nun klar, ich war sicherlich manchen Leuten unbequem, weil ich immer gesagt habe, was Sache ist. Aber für mich kamen immer die Medizin, die Patienten sowie die Ausbildung der jungen Ärzte an erster Stelle. Wenn ich etwas für fachlich nicht sinnhaft erachtet habe, habe ich auch mit meiner Meinung nicht hinter dem Berg gehalten.“

Dies tut der Mediziner auch heute nicht. „Bereits vor drei Jahrzehnten habe ich darauf aufmerksam gemacht, dass wir ein Problem bekommen werden, weil uns Ärzte fehlen werden und wir nicht genügend Pflegepersonal haben werden. Damals wurde ich belächelt. Und bitte was ist heute? Mir fehlt jegliches Verständnis für die Entscheidungsträger, weil man schlussendlich alles auf dem Rücken der Patienten austrägt.“

Verantwortung auch für die anderen

Verständnis fehlt Christian Meznik auch für jene, die sich nach wie vor nicht gegen Corona impfen lassen wollen. „Letztendlich hat man nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern auch für andere. So ist das nun einmal in einer Gesellschaft. Ich bin auch dafür, dass es für gewisse Berufsgruppen wie im Gesundheits- und Sozialbetreuungsbereich sowie auch bei den Lehrern in Pandemiezeiten eine Impfpflicht geben müsste. Wie Sie sehen, kann ich es noch immer nicht lassen“, meint Christian Meznik abschließend, „und nehme mir kein Blatt vor den Mund!“

Weil ihm die Medizin nach einigen Monaten doch abgegangen ist, hat Christian Meznik vor einem Jahr eine Wahlarzt-Ordination für Orthopädie in seinem Wohnort Euratsfeld eröffnet. „Ich konnte nicht länger ohne meine Berufung sein! Wissen Sie, ich übernahm 1993 die damals neue orthopädische Abteilung am heutigen Landesklinikum Amstetten, wurde nur vier Jahre später Ärztlicher Direktor des Hauses und blieb es bis zu meiner Pensionierung 27 Jahre später. Von einem Tag auf den anderen nicht mehr das zu machen, was ich für mein Leben gern getan habe, war nicht einfach. Nun ordiniere ich jeden Dienstag am Nachmittag. Darüber hinaus nehme ich kleinere Operationen tagesklinisch im Ärztezentrum Zöchmann in Neuhofen an der Ybbs vor. Das macht mir viel Freude!“

In der Pension hat er endlich auch Zeit, sich als Hobbyhandwerker zu betätigen. „Denn auch da kann man bohren, hämmern und sägen – wie als Orthopäde. Im ersten Jahr meiner Pension habe ich daher sofort einen Esstisch und eine kleine Küche für unseren Wintergarten gefertigt.“