Künstler spendet: „Wünsche mir Lawine“. Künstler Odin Mohammed Rosenzweig investiert seine ganze Gage für die Georg-Skulptur am Kreisverkehr in zusätzliche Englischförderung für St. Georgner Kinder.

Von Daniela Führer. Erstellt am 08. September 2014 (12:07)
Kindergartendirektorin Hermine Hager, Vizebürgermeister Rupert Jäger, Künstler Odin Mohammed Rosenzweig, Volksschuldirektorin Barbara Dobrovits, Bürgermeisterin Liselotte Kashofer, Claudia Mewald und Sabine Wallner von der Pädagogischen Hochschule NÖ, Organisator und Gemeindebediensteter Georg Hahn sowie (vorne) die Schüler der zweiten Klasse Volksschule, Lena Bruckner, Valentina Entner, Dominik Haselsteiner und Alexander Meichl (v.l.) sind von der zusätzlichen Sprachförderung begeistert.
NOEN, Schlemmer
„Ganz Österreich spricht von der Bildungsoffensive. In St. Georgen passiert sie“, ist Professorin Claudia Mewald von der Pädagogischen Hochschule über das St. Georgner Englischförderungsprojekt an Kindergarten und Volksschule begeistert.

Einsatz für den interkulturellen Austausch

Diese Offensive ist in der Region einzigartig und fußt auf der Idee eines Mannes, der sich sehr für den interkulturellen Austausch einsetzt. Das beweist schon sein Künstlername. Odin Mohammed Rosenzweig nennt sich der gebürtige Persenbeuger, der im Frühjahr unter großer Aufmerksamkeit seine beeindruckende, metallene Georg-Figur am Kreisverkehr bei der Feuerwehr enthüllte.

„Er hat für unsere Gemeinde eine Identitätsfigur geschaffen, die ein Zugehörigkeitsgefühl bei der Bevölkerung hervorgerufen hat, das uns so gar nicht bewusst war“, erzählt Bürgermeisterin Liselotte Kashofer.

Das Sprach-Projekt, das nun auf Initiative des Künstlers im letzten verpflichtenden Kindergartenjahr und in den ersten beiden Volksschulklassen in St. Georgen gestartet wird, hat seinen Ursprung auch bei dieser Skulptur: „Wir haben längere Zeit nicht über den Preis gesprochen“, erzählt Kashofer mit Augenzwinkern. „Als wir ihn dann gefragt haben, meinte er, er möchte kein Geld. Dieses soll lieber den Kindern von St. Georgen zugute kommen.“

„Aus diesem Schneeball soll eine Bildungslawine werden“

Konkret geht es um eine Summe von 19.000 Euro, die der Künstler für die Skulptur samt neunmonatige Arbeitszeit erhalten und 1:1 an die Gemeinde zurückgegeben hat.

Und wie das Geld für die Kinder eingesetzt werden sollte, davon hatte der Künstler damals auch schon konkrete Vorstellungen. „Wir leben heute in der Europäischen Union mit 28 zusammengehörigen Ländern und 24 Sprachen. Alles spielt sich in Englisch ab“, betont Odin Mohammed Rosenzweig.

Mit dem Gedanken, dass das Verstehen der Kulturen Frieden bedeutet und Bildung der Schlüssel für ein Leben in Frieden, Freiheit und Sicherheit ist, gebar er die Idee, den St. Georgner Kindern einen vertiefenden, spielerischen Zugang zur englischen Sprache zu ermöglichen.

„Ich bin davon überzeugt, dass das Sinn hat und ein Superergebnis bringt. Das Projekt soll auch Vorbildcharakter für andere Schulen und Gemeinden haben. Ich wünsche mir, dass aus diesem Schneeball eine ganze Lawine, eine Bildungslawine wird.“

„Wenn die Förderung durch einen Native Speaker ständig passiert, hat diese eine ganz andere Qualität.“
Direktorin der Volksschule St. Georgen Barbara Dobrovits

Sowohl im Gemeinderat als auch im Kindergarten und in der Volksschule stieß die Initiative des Künstlers auf offene Ohren. Und so wurde nun der Startschuss für das Projekt abgefeuert. Die Native Speakerin Lisa Thomas aus Birmingham (Großbritannien), die seit 14 Jahren in Österreich lebt und schon seit 2008 in einer Wochenstunde mit den Kids im St. Georgner Kindergarten in englischer Sprache arbeitet, wird sowohl die Kindergartenkinder als auch die Schüler in der Volksschule eine Stunde pro Woche und pro Klasse mehr fördern können.

In der ersten Klasse Volksschule St. Georgen wird bislang Englisch integrativ in einigen Unterrichtsfächern geführt. Erst ab der zweiten Klasse wird der Englischunterricht als eine im Stundenplan ausgewiesene Einheit unterrichtet. Verpflichtend ist der Englischunterricht in den ersten zwei Klassen aber generell nicht.

Ausführliche Infos bei Elternabend Anfang Oktober

Das ganze Projekt wird auch wissenschaftlich von Professorinnen und Studenten der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich begleitet. „Wir arbeiten dabei eng mit den Pädagoginnen vor Ort zusammen. Es werden beschreibende Auswertungen darüber gemacht, welche Sprachkompetenzen die Kinder mit dieser zusätzlichen Englischförderung erwerben“, erklärt Claudia Mewald von der Hochschule.

Sowohl Kindergarten-Direktorin Hermine Hager als auch Volksschul-Direktorin Barbara Dobrovits sind vom Projekt, das für die Bildungseinrichtungen übrigens keinerlei Kosten bedeutet, begeistert. „Wenn die Förderung durch einen Native Speaker ständig passiert, hat diese eine ganz andere Qualität“, ist Dobrovits überzeugt.

Am 8. Oktober wird es einen Elternabend geben, bei der es ausführliche Informationen zu dieser neuen Bildungsoffensive gibt. Ob und wie es nach den drei Jahren, für die die Geldmittel jetzt sichergestellt sind, mit dem Projekt weitergehen soll, werden dann die Studie und Reaktionen aus dem Schulwesen zeigen, erklärt Bürgermeisterin Liselotte Kashofer. „Wenn der Erfolg so eintritt, wie wir es erhoffen, dann soll damit nicht Schluss sein.“ Sie sieht darin eine große „Chance für alle St. Georgner.“